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Sondengänger: Reich wird man von Funden nicht

Sondengänger: Reich wird man von Funden nicht

Heinz-Jürgen Ruge aus Willich ist ein Hobby-Sondengänger. Mit einem Peil-Detektor sucht er den Boden seiner Heimat ab. Gefunden hat er sogar schon Stücke aus der Bronzezeit.

Willich. Heinz-Jürgen Ruge zerstört gleich mal eine Illusion: „Trotz der Meinung mancher Leute, dass Gold gesucht wird, kann niemand von den Funden reich werden“, betont der Hobby-Sondengänger aus Willich. Mit einem sogenannten Peil-Detektor sucht er den Boden seiner Heimat ab. Die Ausrüstung koste etwa tausend Euro. Hinzu kämen Batterien, Kraftstoff, Bekleidung und so weiter.

„Wenn man dann bedenkt, dass nach etwa drei Stunden Suche lediglich ein beschädigter Knopf und zwei Musketenkugeln gefunden wurden, ist das nicht gerade ein toller Suchgang gewesen.“ Und für diese eher magere Ausbeute wurden möglicherweise um die 50 Löcher gegraben — und auch wieder aufgefüllt —, in denen sich zerpflügte Alu-Schnipsel von Getränkedosen, Flaschenverschlüsse, Alu-Folie aus Zigarettenschachteln und weiterer „Zivilisationsmüll“ befanden.

Foto: Kurt Lübke

Aber: „Es gibt auch andere Tage“, sagt der 66-jährige, der vor seinem Renteneintritt als gelernter Schriftsetzer bei einem Verlag tätig war. Obwohl unter Fachleuten in den 1970er Jahren noch die Meinung vorgeherrscht habe, die Gegend sei fundarm, stellten sich heutzutage einige Felder in Willich „durchaus als geschichtsträchtig heraus“. Die Metallfunde reichen von der frühen Bronzezeit über die Römer und das Mittelalter bis zur Neuzeit und die Moderne.

„Unangenehme Dinge findet man auch“, sagt Ruge — in diesem Fall panzerbrechende MG-Geschosse aus amerikanischer Produktion. Foto: Ruge (3)

Erst kürzlich hat der Sondengänger ein etwa 3300 Jahre altes „Tüllenbeil“ aus Bronze gefunden (die WZ berichtete). „Ebenso interessant sind eine ganze Reihe Münzen aus der römischen Kaiserzeit sowie das Fragment einer Zügelführung aus dem gleichen Zeitraum“, erzählt er. Als mittelalterlich werden zwei Scheibenfibeln mit Kreuzmotiv bewertet. Zu den Besonderheiten zählt auch eine kleine, gut erhaltene Silbermünze, geprägt 1189, unter dem Erzbischof von Köln, Philipp von Heinsberg.

Foto: Kurt Lübke

Das Hochmittelalter und die frühe Neuzeit werden durch Zaumzeug- und andere Lederbeschläge aus Bronze vertreten. „Die Zeit des Dreißigjährigen Krieges wird hauptsächlich durch Münzen dokumentiert“, sagt Ruge. Danach folgten größere Mengen von Musketenkugeln aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Bei den Münzen treffe man ab 1821 fast ohne Ausnahme auf den preußischen Pfennig, abgelöst von Reichspfennigen ab 1871. „Danach ist bis zum Euro alles dabei.“

Seit Mai 2011 betreibt der Willicher das außergewöhnliche Hobby. Angefangen hatte es mit der Teilnahme an einem Seminar über den Einsatz von Metall-Detektoren in Archäologie und Bodendenkmalpflege. Schon während des Workshops gelang ihm der Fund einer römischen Silbermünze. „Sonst wäre ich vielleicht gar nicht dabeigeblieben“, meint er. Auch wenn er bis heute mit so mancher Enttäuschung — Stichwort Cola-Dosen — fertig werden muss.

Seine Saison beginnt immer dann, „wenn die ersten Kartoffeln aus dem Boden ’raus sind“, wie er erklärt. Die offizielle Erlaubnis hat er nur für „umbrochenen Boden“, also Äcker, in Willich und St. Tönis (siehe Info-Kasten). Derzeit muss er pausieren — die Felder wurden im März bestellt.

Nicht nur Metallteile entdeckt er bei den Feldbegehungen. Eine Anzahl Keramikscherben gebe Auskunft über die Besiedlung der Stadt Willich und ihrer Altgemeinden. „Egal ob es sich um römerzeitliche Gebrauchskeramik oder mittelalterliche ,graublaue Ware’ handelt, um einfache Scherben oder komplette Spinnwirtel — immer sind diese Funde hervorragende Siedlungsanzeiger.“

Einen Teil seiner Funde hat Ruge, seit einigen Jahren Mitglied im Heimatverein, als Dauerleihgaben im Museum Kamps Pitter in Schiefbahn ausgestellt. Nach der geplanten Neueinrichtung des Museums in diesem Jahr soll die Vitrine mit weiteren und neueren Bodenfunden bestückt werden.