Neersen: Seit 30 Jahren Weihnachtsvorfreude am Schloss Neersen

Neersen: Seit 30 Jahren Weihnachtsvorfreude am Schloss Neersen

Besucher schätzen Flair und Angebot. Imker Johann van den Bongard ist Teilnehmer seit der ersten Stunde.

Neersen. Es war ein kleines, wenn auch kein klassisches Jubiläum: Der Neersener Weihnachtsmarkt rund um das Virmond’sche Schloss fand am Wochenende zum 30. Mal statt. Bei mittelprächtigem Wetter sollte sich die Jubiläumsveranstaltung trotzdem wieder als Publikumsmagnet erweisen.

Samstagabend wurde das Jubiläum mit den Marktbeschickern im kleinen Rahmen gefeiert. Zwei von ihnen sind von Beginn an dabei. Die Kulisse des Schlosses ist hauptverantwortlich dafür, dass die „Schlossweihnacht“ zu den besonders schönen Weihnachtsmärkten in der Region gehört.

Bei aller Idylle wurde doch für jeden Besucher sichtbar, dass die Welt im Winter 2017 nicht so friedlich ist, wie man es sich zur Weihnachtszeit wünscht: Auf Anordnung der Stadt musste der Haupteingang aus Sicherheitsgründen durch ein Hindernis versperrt werden. Der riesige gelbe Siebentonner von Nolte Motorsport war immerhin mit einer Tanne verziert worden.

Melanie Schaath, die den Markt mit ihrer Mutter Annette van den Brock organisiert hatte, war happy, als der Markt eröffnet wurde: „Da schien sogar die Sonne.“ Erst gegen Abend setzte Regen ein. Zum Glück stand der Schlosskeller zum Aufwärmen zur Verfügung. Im Zelt der St. Sebastianer als Veranstalter standen die Besucher dicht gedrängt und tranken Glühwein.

In einem anderen, nagelneuen Zelt, machten die Schützen Umsatz mit Folienkartoffeln und Champignons. „Es läuft super, seit es dunkel ist“, freute sich Anja Nieendick. Nicht weit entfernt war der Schützenverein Klein Jerusalem präsent. Er hatte zwei überzeugende Argumente für einen kurzen Besuch in seinem Zelt: Erstens leckeren Glühwein, zweitens einen Heizpilz.

Bei Werner Elsen aus Schiefbahn machte sich Wehmut breit: Aus gesundheitlichen Gründen war dies sein letzter Weihnachtsmarkt, zum letzten Mal gab es Schwibbbögen mit Motiven wie Schloss Neersen und Kapelle Klein Jerusalem.

„Nicht streicheln“, stand am Gehege der Alpakas von Almuth Becker aus Anrath. „Nonstop Streicheleinheiten zu bekommen, mögen die Tiere nicht“, so die Besitzerin. Waren aus Alpaka-Wolle durften dagegen angefasst werden.

Zu außergewöhnlichen Angeboten gehörten Wildspezialitäten aus der Eifel. Die Wildschweine und Rehe hatten die beiden Mitglieder des Lions-Clubs, Adolf Franke und Günter Baumeister, erlegt, ein Metzger vor Ort hatte die Tiere zu Wurst verarbeitet. Der Verkaufserlös kommt dem Lions-Hilfswerk zugute.

Typisch für den Neersener Weihnachtsmarkt ist, dass er nur zu einem kleinen Teil kommerziell ist. So nutzte die KG Schlossgeister die Gelegenheit, um Eintrittskarten für die Narrensitzung und die Kinderkarnevalsveranstaltung zu verkaufen. Die Garde vom Jugendwerk der Arbeiterwohlfahrt hat sich den Schlossgeistern angeschlossen, warb um Mitglieder. Mütter vom Förderverein der Vinhoven-Schule verkauften Marmeladen und Liköre. Sofia Weyhofen und Lore Frehn von der Caritas hatten nicht nur Trödel zur Verfügung gestellt bekommen: Hanni Mankertz hatte Wollsocken gestrickt, die sich gut verkaufen sollten. Beim Naturschutzbund gab es auch Socken. „Ich brauche rund zehn Stunden für ein Paar“, so Inge Galonska.

Heinz van den Brock hatte mit Kindern Nistkästen gebastelt, aber im Nabu-Zelt wurde auch auf Probleme aufmerksam gemacht: Elita Grafke zeigte auf Fotos, wie Tiere durch Angelschnüre oder Luftballons qualvoll verenden können.

Dieter Schieweck (Firma Leckermäulchen) und Imker Johann van den Bongard wurden ausgezeichnet. Sie haben keinen der 30 Weihnachtsmärkte ausgelassen. Jürgen Leipertz und Stieftochter Bonny Meyer begeisterten als Nikolaus und Knecht Ruprecht.

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