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Kreis Viersen: Schule spielt in der Champions League

Kreis Viersen : Schule spielt in der Champions League

Die Qualität an der Robert-Schuman-Europaschule ist hoch. Es fehlen aber einige Lehrer.

Willich. Die WZ hat Ute Will-Nieding direkt angespielt. Und die Schulleiterin der Robert-Schuman-Europaschule passte ihre Antwort selbstbewusst zurück: „Wir spielen Champions League“. Die Plus- und Doppel-Plus-Ergebnisse der Qualitätsanalyse von 2017 pushen das Selbstbewusstsein der Gesamtschule. Sie ist seit 26 Jahren am Standort Kantstraße in Willich. Will-Nieding: „Wir haben in den letzten Jahren sehr gute Leistungen bei den Zehnern und im Abitur gezeigt.“

Mit den Pluspunkten im Rücken gehen Will-Nieding und ihr Team in die neue Spiel-, Pardon, Schulzeit. „Nur unsere Reservebank ist zurzeit knapp besetzt“, sagt die Schulleiterin. Auf dem Papier sind zwar alle Stellen zu 100 Prozent besetzt, doch Langzeiterkrankungen — bei acht von 104 Kollegen — ließen Stundenkürzungen, die vor allem in der Jahrgangsstufe 7 spürbar werden — nicht vermeiden.

Mehr Kräfte für die Fächer Physik, Kunst und Musik wären wünschenswert.

Die Schule guckt nach vorn. Auf den Lorbeeren ausruhen, will Will-Nieding sich nicht. Neue Pläne sollen ab diesem Schuljahr aufgehen. Neu ist das so genannte Drehtür-Modell ab Klasse 8. Besonders begabte Schüler sollen für einige Stunden vom Regelunterricht befreit werden können, um sich, angeleitet von Lehrern, einem selbst gewählten Projekt widmen zu können.

Überhaupt wird die Begabtenförderung intensiviert: Seit diesem Schuljahr besteht eine Kooperation mit der RWTH Aachen. Den Kontakt zur Universität hat eine Lehrerin geknüpft. Vier, fünf Schüler der Oberstufe mit einem ausgeprägten Faible in Mathematik dürfen künftig ihr Können in Universitäts-Atmosphäre vertiefen.

„Neu ist auch ein Kooperationsvertrag mit der Firma CGW im Gewerbegebiet Münchheide“, sagt Will-Nieding. Schülern ab Klasse 8 werden dort Praktikumsstellen im Rahmen der beruflichen Orientierung angeboten.

Das Stichwort „Baustelle“ greift die Schulleiterin gern auf. „Wir haben gerade der Stadt als Schulträger ein Konzept für die Neugestaltung unserer Schulhöfe vorgelegt.“ Die kompletten Außenanlagen seien „ziemlich trist“. Sie sollen erneuert werden.

Auf die To-do-Liste hat die Gesamtschule den Platz hinter Gebäudeteil A mit Verwaltungstrakt gesetzt. „Dort wird viel Fußball gespielt. Doch wenn es regnet, ist das ein Matschplatz. Wir hätten die Freizeitanlage daher gern überdacht. Das käme auch dem Stadtteil zugute.“ Man könne den Platz dann ganzjährig nutzen.

Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Schüler, Lehrer, Eltern und des Schulträgers hat das Konzept für die Umgestaltungen der Außenanlagen erstellt. Will-Nieding: „Wir wollten klotzen, nicht kleckern.“ Nun wartet ihre Schule auf die Rückmeldung der Stadt, was Zeit und Geld für die Maßnahmen angeht, Die Ideen werden auch in der Politik erörtert. Der Förderverein der Schule will sich einbringen.

So positiv sie auch gestimmt ins neue Schuljahr gestartet ist, Ute Will-Nieding muss „einen dicken Wermutstropfen“ ansprechen. Sie seien, sagt sie, was Inklusion anginge, „ganz hervorragend aufgestellt gewesen“. Bei der räumlichen Ausstattung habe die Stadt Willich die Schule sehr unterstützt. Doch der Kreis Viersen hat eine Personalausstattung angewiesen. „Es werden uns 14 Stunden abgezogen“. Das sei mehr als eine halbe Stelle. Die Kürzung betrifft die drei Sozialpädagogen, die auch als Klassenlehrer arbeiteten, und bisher 90 Stunden leisteten.

Künftig leisten zwei Kräfte jeweils fünf und eine Kollegin vier Stunden pro Woche in einer anderen Schule in einer Nachbarstadt. „Für uns ist das total schade. Wir versuchen an unserer Schule alles, um die Inklusion zu unterstützen.“

Eine Lehrerin im Kollegium der RSE, die sich zurzeit zur Sonderpädagogin fortbilde und im Januar damit fertig sei, fange die fehlenden Stunden nicht auf, so Will-Nieding.

Auf die Frage, was sie im Sommer 2019 sagen können möchte, meint Ute Will-Nieding: „Ich würde mich freuen, wenn ich keine Stunden mehr abgeben müsste.“