Schlossfestspiele Neersen: Erstes Treffen des neuen Ensembles

Auftakt-Pressekonferenz der Spielzeit : Ein Auftakt nach Maß in Neersen

Vieles ist neu vor dem Schloss: Tribüne, Bühne und Gesichter im Ensemble. Die Zahl verkaufter Karten ist glänzend.

Noelle Fleckenstein, Amanda Whitford, Amani El Sadek, Hans-Jürgen Helsig, Slim Weidenfeld, Michaela Schaffrath und Raphael Souza Sa  werden, da gebe ich Brief und Siegel drauf,  während ihrer ersten Pressekonferenz am neuen Spielort gedacht haben: „Mit meiner Unterschrift unter den Vertrag für die Schlossfestspiele hier in Neersen habe ich alles richtig gemacht.“

Die Neuen im Team der Schauspieler haben eine perfekt einstimmende Auftaktveranstaltung erlebt. Intendant Jan Bodinus moderierte  trotz Vorabend-Premiere in Hannover locker, leicht und witzig. Er sei „beglückt, wieder in Neersen zu sein“. Im vergangenen Jahr habe er zum ersten Mal das Gefühl gehabt, „hier zu Hause zu sein“.  Lange Anlaufzeit in zehn aktiven Jahren. Dafür scheint er nun verwurzelt wie ein alter Baum.

Auch Festspielvereins-Vorsitzende Sabine Mroch  freute sich riesig. Sie sorgte für den ersten großen Lacher der Saison, als sie von der neuen Tribüne und der vergrößerten Bühne schwärmte und im selben Atemzug in die Runde fragte: „Ist auch schon die neue zweite Waschmaschine  da?“ Sie sprühte vor Vorfreude auf 100 Tage Schlossfestspiele in Neersen.

Und dann legte ihre Geschäftsführerin Svenja Küppers-Heinrich auch noch Zahlen vor, die nahelegen, dass das Ensemble, die Familien-Bande 2019, den gerade erst aufgestellten Besucherrekord aus  dem Vorjahr gleich im Folgesommer toppen könnte; selbst wenn dieser nicht genauso viele Sonnenstunden zu Vorstellungsterminen spendieren sollte.

Die Zahlen aus dem Ticket-Verkauf sind glänzend. 75 Prozent der Karten für „Monsieur Claude und seine Töchter“ sind schon weg. Der Mustergatte, zweites Abendstück, ist zu 60 Prozent nachgefragt. „Arielle, die kleine Meerjungfrau“ liegt mit 58 Prozent verkaufter Tickets gleich dahinter. Insgesamt sind 18 070 Karten weg. Auslastungsquote: 63 Prozent. „Es läuft mehr als fantastisch“, so Küppers-Heinrich.

Kino-Programm  spielt dem Freilichttheater in die Karten

Es zahlt sich aus, dass die Schlossfestspiel-Vermarkter in die Region gehen. Immer mehr Besucher buchen außerdem frühzeitig, auch aus der Sorge heraus, später keine Karten mehr zu bekommen. Und, so Bodinus, „Teil 2 von ,Monsieur Claude und seine Töchter’ im Kino spielt uns in die Karten.“ Das habe er nicht kommen sehen, nehme den Rückenwind für den Verkauf  aber gerne hin.

Neu sind nicht nur die Tribüne (WZ berichtete bereits), Bühne und bald (siehe oben) die zweite Waschmaschine, sondern auch viele Gesichter im  Ensemble.   Ein Star der Spielzeit ist Michaela Schaffrath, neben Matthias Freihof das fernsehbekannteste Gesicht der Saison. Sie spielt an der Seite von Stefan Keim alias Willi Winzigmann (der Heinz-Erhardt-Verkörperung  schlechthin)  Nachbarin Blanche.  „Das gefällt mir schon sehr hier“, meinte Schaffrath und damit als Wahl-Bremerin nicht nur die Rückkehr nach Nordrhein-Westfalen.  Zu der von Bodinus angekündigten „Besauf-Szene in mehreren Stufen“ sagte sie keck: „Ich freu’ mich drauf!“

Nach zehn Jahren haben Jan Bodnius und die langjährige, hochgelobte  Ausstatterin Silke von Patay ihre Zusammenarbeit beendet. Von Patays Kreativ-Part nimmt nun ein Ehepaar ein: Thomas Baumgärtel  und Nuschin Rabet, beide erfahrene  (Freilicht)-Theater-Bestücker. Sie kümmern sich um die eine große Bühne für drei Stücke.  Da muss ihnen  manchmal die Quadratur des Kreises gelingen.

Der „Mustergatte“    zum Beispiel sei ein „Durchsteher“, so Baumgärtel. Ein Zimmer, ein Stück, wenig Kulissenschiebung.

„Arielle“ dagegen werde ein Stück der zwei Welten. Da trifft vor dem Schloss eine glitzernde Unterwasserwelt auf eine sprödere, rittermäßige Außenwelt. Der Schauplatzwechsel müsse spielerisch gelingen.

Und die Geschichte von  Monsieur Claude liefere endlos viele Bilder. Baumgärtel: „Den Film  kann man in seiner Ausstattung auf der Bühne  nicht toppen, aber mit verschiedenen Elemente die einzelnen Bilder darstellen. Wir werden abstrakt bleiben.“

Seine Frau Nuschin Rabet freut sich schon darauf, viel Farbe auf die Bühne zu bringen. Auch sie ist von der neuen, unbekannten grünen Arbeitsumgebung – Park gleich nebenan –, dem tollen Team und dem „auf den ersten Blick sympathischen Ensemble“ angetan.

Publikums- und Ensemble-Liebling zugleich ist Sven Post. Mit viel Mutterwitz ausgestattet, hat er auch zum Auftakt alle auf die Humorschiene gesetzt. Post hat viel zu tun. In der Regie für „Arielle“ mit Karrie Becker und auf der Bühne - „typgerecht besetzt als Prinz Eric“. Das  Traumgewicht des Traumprinzen hat er noch nicht ganz erreicht. Aber das wird schon. Beim Lachen werden ja jede Menge Kalorien verbrannt.