Ausstellung in Neersen Behlas feinsinnige Kunst adressiert große Probleme

Neersen · Filigran, fast unscheinbar kommen die Kunstwerke herüber, die Renate Behla im Neersener Schloss ausstellt. Die Künstlerin will damit unserer oft schroffen, wenig rücksichtsvollen Zeit künstlerisch etwas entgegensetzen.

Künstlerin Renate Behla inmitten ihrer Kunstwerken.

Künstlerin Renate Behla inmitten ihrer Kunstwerken.

Foto: Norbert Prümen

(evs) Renate Behla erschafft zarte Gebilde: Meist menschliche Gestalten, oft angedeutet, auf wolkig-cremefarbenem, leerem Grund. Sie wirken einsam, verletzlich, in sich gekehrt. „Melancolia“ lautet der Titel der Ausstellung mit Zeichnungen und Objekten, die die Künstlerin aus Düsseldorf im großen Ratssaal in Schloss Neersen zeigt. „Ich habe die Gelegenheit genutzt, einen Überblick über meine Arbeiten zu geben“, sagt sie. Bei aller individueller Verschiedenheit sind die Werke von durchgehender Handschrift geprägt.

„Es gibt einen inneren Zusammenhalt, eine eigene Welt“, deutet Behla an. Für die Plakate und Einladungskarten wurde die Zeichnung einer Frau gewählt, deren rote Tränen in einer Hülle vor dem Körper zusammenlaufen. Kess fächert sich das Kleid in Schwüngen nach hinten. Die Schürze sei ein Symbol für Schutz, sagt Behla. Wiederzufinden auch in einer großformatigen, aus Korbmaterial geflochtenen Schürze mit herausragenden Enden, einem ihrer Wandobjekte. Immer wieder begegnet dem Betrachter ein wässriges Rot – die einzige Farbe, die Behla verwendet. Ist es Blut? In jedem Fall scheint es oft verflüssigt, rinnt, tropft und fließt. Das rote Leiterkleid erinnert an ein Gerippe.

Zwei menschliche Gestalten vereinen sich in einem kreisförmigen roten Gebilde. Die Farbe Rot sei auch eine Symbolik für das Schmerzhafte, sagt sie. Nicht unbedingt im persönlichen Sinn, „sondern mit Blick auf unsere Welt.“ Sie beklagt eine Gleichgültigkeit, die dadurch verletzend sei. Und einen Mangel an differenzierter Sichtweise, der sie ihre filigranen Figuren entgegenstellt.

Sie seien als abstrakte Metaphern für die menschliche Existenz zu verstehen, die Reduktion im Hintergrund bewusst gewählt: „Ich zeichne in eine entleerte Welt“, sagt sie. Vor der würden die Wesen verdichtet und stark konzentriert wahrgenommen. Immer wieder tauchen Trichter auf. Der „Transport“ etwa wird vergeblich sein: Die beiden Trichter sind perforiert, aus den Löchern – Leerstellen, nennt sie Behla – fließt die rote Flüssigkeit strahlenförmig ab. Punkte, Löcher, Perforierungen: ein Symbol für einen Mangel, deutet die Künstlerin an.

Schnüre, Fäden, Stricke verbinden und fesseln. So flattern die „Kampfsterne“ an Fäden vor einem blumigen Körper. Der „Seiler“ ist in feste Schnüre eingebunden.

Sie verweisen vielleicht auf den textilen Bezug, den Behla mit ihrer Ausbildung zur Bildweberin hat. An einen abstrakten Wandteppich erinnert eine ihrer neuesten Arbeiten, ein großformatiges Objekt aus schwarzem, dickem Filz. Eine Lasche ist herausgetrennt und hängt vornüber. „Da ist etwas aufgerissen“, sagt sie. Sie verwendet Begriffe wie Verletzlichkeit, Verbeugung, Demut. Ihre Figuren suchen Halt im anderen.

Haare und Arme der „Zwielinge“ gehen ineinander über. Das zarte Kind im schützenden Korb neigt sich einem verschwindenden Gegenüber zärtlich zu. Wie prähistorische Wandgemälde muten die in der Körpermitte zusammengewachsenen Mischwesen an. Über Kleiderbügeln verformte Damenstrümpfe und ein Spaten mit überlangem Stiel oder die verbundenen Henkel bauchiger Gefäße wirken witzig. Die Ausstellung „Melancolia“ vermittelt auch heitere Aspekte.

Renate Behla, melancolia, Zeichnungen, Objekte: Galerie Schloss Neersen, Hauptstraße 6, Mi-Fr 17-19 Uhr; Sa, So, feiertags 11-17 Uhr. Eröffnung: Sonntag, 17. März, 11 Uhr. Ende: 7. April. Eintritt frei.

(evs)
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