Schiefbahn: Werke von Kurt Beyerlein sind im Museum "Kamps Pitter" zu sehen

Dauerleihgabe der Sparkassenstiftung : Beyerlein-Grafiken im Kamps Pitter zu sehen

Der Künstler lebte mit seiner Frau Lore in den 1930er-Jahren in Schiefbahn.

Im festlichen Rahmen wurden rund 50 Grafiken des Künstlers Kurt Beyerlein als Dauerleihgabe an die Stadt Willich übergeben. Sparkassendirektor Siegfried Thomaßen als Mitglied im Vorstand der Willicher Kulturstiftung übergab symbolisch einen (leeren) Karton mit rotem Band an die zuständige Beigeordnete, Brigitte Schwerdtfeger. Die meisten der Arbeiten werden bis mindestens Ende des Jahres im Heimatmuseum Kamps Pitter, Albert-Oetker-Straße 108 in Schiefbahn, zu sehen sein. Das Museum ist an jedem zweiten Sonntag im Monat von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Eine Sonderöffnung ist am kommenden Sonntag und am 6. Dezember.

Es ist eine Kette von Zufällen, die jetzt im Heimatmuseum endete – vielleicht auch erst vorläufig. Sie begann damit, dass Christa Röhrscheid aus Willich vor drei Jahren während eines Besuchs bei einem Schulfreund in Darmstadt, einem Kunstsammler, auf eine kleine Grafik stieß, die sie faszinierte: „Der Mann auf dem Balkon“. Bei ihren Nachforschungen zur Person von Beyerlein stellten die Röhrscheids fest, dass der 1904 in Mönchengladbach geborene Künstler ein Haus in Schiefbahn besessen und dort gelebt hatte. Sie und ihr Mann Bernd-Dieter Röhrscheid begannen mit der intensiven Recherche zu Beyerleins Leben.

Kurt Beyerlein wurde 1904 in Mönchengladbach geboren. Nach einer Lehre in der Druckerei Kühlen besuchte er die Kunstgewerbeschule in Krefeld und die Kunstakademien Düsseldorf und Berlin. 1941 musste er in den Krieg ziehen. Kurz vor Kriegsende starb er nach einem Unfall bei Aufräumarbeiten. Seine Frau Lore wurde 1901 in Wien geboren und studierte Tanz. Kurt und Lore Beyerlein heirateten am 27. Februar 1927 in Berlin. Als für Lore die Ausübung ihres künstlerischen Berufes unmöglich wurde, siedelten sie zurück an den Niederrheinfanden einen Platz, wo sie leben, Tiere halten und Pflanzen ziehen konnten. Ihr „Paradies“, wie sie es nannten, lag in Schiefbahn. Hier malte Kurt Beyerlein, Lore Beyerlein unterrichtete Tanz. In Mönchengladbach war Beyerlein in der Künstlergruppe „Kante“ aktiv, die sich im berühmten „Kabuff“ mitten in Mönchengladbach trafen.

Jutta Saum, Kuratorin der Galerie Schloss Neersen, ist die zweite Frau im Bunde, die einen Anteil an der Entdeckung und Präsentation von Beyerleins Werk hat. Bei der Vorbereitung einer Ausstellung mit Werken des Krefelder Galeristen Fochem erfuhr sie von dessen Witwe, dass es noch ein Konvolut von Beyerlein-Arbeiten gebe. Dank der Sparkassenstiftung sind diese Bilder nun nach Willich zurückgekehrt und werden im Heimatmuseum gezeigt.

Nachdem das Ehepaar Röhrscheid anlässlich der feierlichen Übergabe des Konvoluts den Weg der Zufälle vorgetragen hatten, unternahm die Kunsthistorikerin Jutta Saum den Versuch einer Einschätzung der Arbeiten von Beyerlein. Sie stellte den Einfluss der zeitgenössischen Tendenzen wie die Neue Sachlichkeit und des Neuen Rheinlandes in den Radierungen, Farb- und Bleistiftzeichnungen fest. Die blockhafte Darstellung der Figuren, die gebrochene, kippende Perspektive, die illusionslose Darstellung reichen an die Ideen eines Otto Dix heran. In den Arbeiten gibt es, so Saum, ein festes Repertoire an Figuren und Gegenständen: den Mann mit Hut, die engen, bedrückenden Räume, das eigene Haus mit Garten als Symbol für den Rückzug, die Schienen, Stellwerke und Bahnhöfe als Symbole für die neue Technik und das urbane Leben. Der Betrachter der beeindrucken Radierungen und Zeichnungen fragt sich unwillkürlich, welche Karriere Beyerlein hätte machen können, wäre er nicht mit 36 Jahren gestorben.

Wegen der großen Nachfrage gibt es am nächsten Sonntag,14.30 Uhr, erneut die Lesung „Zwiegespräch“ aus den Briefen von Lore und Kurt Beyerlein, vorgetragen von Christa und Bernd-Dieter Röhrscheid.