Schiefbahn: Bilder im Kulturcafé

Schiefbahn: Bilder im Kulturcafé

Der Viersener Künstler Thomas Nentwich zeigt seine Werke. Der Fotokünstler, gelernter Maschinenbautechniker und hauptberuflich Technischer Redakteur, lenkt gern den Blick auf Details.

Schiefbahn. "Sehnsucht nach Stille", hat Thomas Nentwich aus Viersen seine erste große Einzelausstellung im "Kaffee Art" auf der Hochstraße 38 genannt. Der 41-Jährige, der sich selbst als "unruhigen Geist" bezeichnet, schafft mit seinen Fotografien meditative, sehr reduzierte Impressionen. Im Mittelpunkt stehen Menschen und Blumen.

Der gebürtige Grefrather kam erst im Jahre 2003 zur Fotografie. Er erinnert sich: "Ich kaufte eine kompakte Digitalkamera, um Urlaubsfotos machen zu können." Die Begeisterung für die Fotografie entwickelte sich blitzartig. Längst besitzt Nentwich ein professionelles Equipment.

Der Fotokünstler, gelernter Maschinenbautechniker und hauptberuflich Technischer Redakteur für Bedienungsanleitungen für Prozessanlagen in der Süßwarenindustrie, lenkt gern den Blick auf Details. Seine durchweg inszenierten Bilder sollen einen Kontrapunkt setzen zu einer hektischen, unruhigen und lauten Zeit.

Es sind zumeist Schwarzweißfotos. Der Minimalismus ist schon fast sein Markenzeichen, der sanfte Fluss der Linien, der Verzicht auf harte Brüche ebenfalls. Sehr erhaben, wie er das Blütenblatt einer Gerbera mit einem Wassertropfen in Szene setzt. Eine geschlossene Tulpenblüte in Rot und eine offene Orchidee stehen für die Gegensätze zwischen Männlichem und Weiblichem.

Und er zeigt auch einige der weniger gewagten Akt-Fotografien. Die Models beiderlei Geschlechter bekommt der Fotokünstler über das Internet, honoriert werden sie mit Fotos.

Obwohl er mit einer Digitalkamera arbeitet liegt Nentwich viel daran, die Natürlichkeit zu bewahren. Da wird nur so viel wie nötig retuschiert - diese Askese tut den Fotos gut, sie wirken sehr ästhetisch und strahlen gewollte Gelassenheit aus. Die Hintergründe sind oft dunkelgrau, umso besser kommt das Motiv zur Geltung.

Ein Ausdruck aus dem leistungsfähigen Tintenstrahl-Drucker kann bis zu einer halben Stunde dauern, die Farben sollen auch nach 100 Jahren nichts von ihrer Brillanz eingebüßt haben.

Helga Warminski, Inhaberin des "Kaffee Art", wies in ihrer Eröffnungsrede auf das Aufeinandertreffen von "technischem Verständnis und künstlerischer Ader" hin, das die Ausstellung prägt. Es ist die zweite Fotoausstellung in fünf Jahren im "Kaffee Art". Sie ist noch bis zum 19. Mai zu sehen.

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