Nur milder Regen für die Felder : Ein feuchter Segen für die Natur

Die Regengüsse des Wochenendes waren vielerorts heftig - die Obstbauern in Willich und Tönisvorst dagegen freuten sich über das Wasser von oben.

Entspannt blickte Frank Mertens auf die Felder, die das Wochenende gut überstanden haben. Der Obstbaumeister, der seit 1997 den Traditionsbetrieb , in Wekeln betreibt und mit seiner Frau Nadine hauptsächlich Äpfel und Erdbeeren, dazu Himbeeren und Birnen anbaut, ist froh, dass in den vergangenen Tagen der Regen gefallen ist.

„Wir sind dafür sowas von dankbar. Wir sind gerade am Beginn der Ernte, haben Regendächer, damit die Früchte trocken bleiben“, erläutert der erfahrene Landwirt.

Seit Jahren sind Äpfel und Erdbeeren die Hauptprodukte des Betriebs, dazu kommen Himbeeren und Birnen. Die Anbaufläche für Erdbeeren beträgt rund 20 Hektar, Darauf wachsen mehr als 720 000 Pflanzen. Und auf 10 Hektar Flächer stehen 24 000 Bäume, die einen jährlichen Ertrag von 250 Tonnen liefern.

Bei der Erdbeeren-Hauptkultur sind die ersten Früchte schon gepflückt. Den Regen am Wochenende, den haben sie aus seiner Sicht ganz gut verpackt. „Die sind noch stabil und haben das Wasser nicht aufgenommen. Bei drei, vier Tagen Regen, da geht dann die Außenhaut kaputt. Das war nur schön viel Regen, kein harter Regen“, sagt der Fachmann. Denn harter Regen, dicke Tropfen und weiche Erdbeerhaut - das sei der Tod für die Pflanzen.

Die Äpfel, „die sind gerade in der Fruchtentwicklung“, sagt der Obstbauer. „Für die war der Regen auch sehr schön.“ Äpfel seien „dankbar für jeden Tropfen.“ Die Früchte habe man in den letzten Wochen dreimal beregnet. „Und erst Samstag die sieben Millimeter und dann jetzt 20, dazu sind auch die Temperaturen runter - das ist ein Durchatmen für alle Kulturen.“ Bislang war auch unter jeder Himbeerreihe ein Tropfschlauch. „Das ist erstmal vorbei die nächsten sieben bis acht Tage.“

Man arbeite als Obstbauer natürlich mit der Natur. Das Wetter sei da naturgemäß „Mit- oder Gegenspieler.“ Wetterextreme, wie sie in den letzten Jahren zu beobachten sind, tun dem Anbau generell nicht gut. „Man kann Früchte da schon mit Menschen vergleichen. Bei 22 Grad und Sonnenschein ist alles angenehm. Aber über 30 Grad und darüber, da leidet man.“ Wie letzte Woche Donnerstag, sagt Mertens. „Wo wir da gepflückt haben, waren die Früchte weicher.“ Und die Haltbarkeit werde dadurch beeinträchtigt. Wenigstens komme aber noch so eine „Art Notreifung“ zustande.

Schlimmer sieht es dagegen bei Himbeeren aus, sagt  Frank Mertens. „Bei 30 Grad reifen die Himbeeren dann gar nicht mehr.“ Im vergangenen Jahr habe es auf den Feldern diese Situation gegeben. „Bei den 40 Grad, die wir hatten, war da Schicht im Schacht.“

 Wie man als Obstbauer seine Früchte vor den Wetterextremen schützen kann, da gebe es verschiedene Möglichkeiten. „Bei den Himbeeren haben wir Regendächer drüber. Die Erdbeeren haben wir teilweise im Tunnel angebaut. In der Hauptfreilandernte haben wir natürlich keinen Schutz.“

Über 60 Prozent der Apfelanlagen habe man ein Hagelnetz installiert, um gewappnet zu sein. „Da können wir auch die Temperaturen mit senken. Da sind es dann immer vier bis fünf Grad weniger. Da haben wir dann weniger Probleme mit Sonnenbrand“, sagt Frank Mertens.

Agnes Schmitz vom Obstgut Tackheide in St. Tönis bestätigt, dass das Wochenende weniger dramatisch ausgefallen ist, als es viele Menschen wahrgenommen haben. „Wir hatten 25 Millimeter Niederschlag. Das ist nicht wenig, aber es ist in Ordnung. Wir haben nicht mal eine Pfütze gehabt“, gibt sie die Situation wieder. Es  sei ein Regen gewesen, der den Feldern gut getan habe, sagt sie. „Für uns ist das kein großes Ereignis gewesen.“

Richtiger Starkregen sei da schon ein anderes Kaliber. „Vor zwei Wochen im Forstwald waren die Keller voll“, berichtet sie. „Und in Vorst in der Ecke waren 80 Millimeter. Die haben da ein bisschen gepumpt. Das ist immer so punktuell, wie es sich entlädt , so wie diese Wetterzellen runtergehen.“ Und Hagel sei da nochmal ganz anders.

 Ähnlich wie Agnes Schmitz ordnet auch Rudolf Steves, Geschäftsführer des St. Töniser Obsthofes, die Situation nach dem Wochenende ein. „Es war ganz normal. Vom schweren Gewitter haben wir nichts mitgekriegt. Und jetzt gestern nacht, das war schöner Landregen“, sieht er die Situation entspannt.  „Und wenn es von oben runterkommt, ist es schöner.“

Gleichmäßiger, natürlicher Regen sei allemal besser als künstliche Beregnung, wobei sich die Konstellation des Wetters seiner Wahrnehmung nach über die Jahre schon erkennbar geändert hat. „Früher hatte man gleichmässigeren Regen.“ Jetzt lebe man mit extremeren Situationen. Da kämen plötzlich auch mal 50 Millimeter in einem Guß herunter.