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Willich: Rauchig, sparsam, richtig klasse

Willich : Rauchig, sparsam, richtig klasse

Die Blues-Formation Crazy Hambones überzeugt bei ihrem Gastspiel.

Willich. Das Line-up? Drei Leute, also eher wenig. Die Instrumentierung? Sparsam, aber alles war da. Die Stimmung? Gespannt und schnell sehr gut. Der Ort? Das „Black Jake“ an der Peterstraße. Jochen Contzen hatte die Berliner Blues-Formation Crazy Hambones in sein Lokal eingeladen und einen wirklichen musikalischen Leckerbissen gefunden. Wie schon im Vorfeld angekündigt, präsentierte das Trio ungeschliffenen Blues. Auf das Wesentliche reduziert aber nichts auslassend.

Gitarre (Brian Barnett), Schlagzeug (Micha Maass) und Vocals und Blues-Harp (beides Henry Heggen) waren verantwortlich für einen beeindruckenden Abend, den sie mit der eher beiläufigen Frage „Seid ihr gut drauf?“ und mit dem Standard „Have a good time“ begannen. Und den Blues gleich so auf den Punkt brachten.

Die Blues-Harp trug die Melodie, die Drums den Rhythmus und die Gitarre breitete den Untergrund. Dazu die immer wieder auch rauchige Stimme von Heggen — das Publikum hatten die Drei sofort auf ihrer Seite. Und auch Jochen Contzen, der das Konzert hinter der Theke erlebte, genoss den Abend vom ersten Stück an.

Hambone ist eigentlich ein altes Kinderspiel, das Schuhputzer kreierten, die oberschenkelklopfend Rhythmen schlugen. Zwar ließen die drei Herren ihre Oberschenkel in Ruhe, aber Rhythmus hatten sie reichlich. Besonders Micha Maass, der neben seinem sparsam ausgestatteten Drums auch ein Shuffleboard dabei hatte. Und dieses gelegentlich gekonnt einsetzte. Hörenswert ein Solo am Waschbrett und dem Drums — natürlich mit Fingerhüten gespielt. Wer brauchte da Oberschenkelklopfer.

Im Mittelpunkt des musikalischen Geschehens stand meistens Henry Heggen, der mit Stimme und Blues-Harp eben die prägnantesten akustischen Beiträge lieferte. Besonders sein Spiel auf der Mundharmonika war beeindruckend. Mal weinte sie, mal jubelte sie, und mal ließ er sie schreien — in den höchsten Tönen und auch ganz tief. Dass er auch noch eine tolle Bluesstimme hat — fast nebensächlich.

Aber auch Brian Barnett war ein Könner an seiner Gitarre. Dezente Soli, solide Begleitung seiner Mitstreiter. Und auch eigene Songs im Repertoire. Dass seine Tochter ihn mit knapp über 60 Jahren als alten Mann bezeichnet hatte, packte Barnett augenzwinkernd in einen Song. „I’m looking on an old man’s face with a young man’s eyes“. Einen Satz, den man den drei Musikern sofort abnahm.

Zudem — Musik hält jung, Blues besonders. Und die Crazy Hambones machten dies mit ihren eigenen Songs, mit Covern von Blues-Größen und reichlich Freude an der Musik sehr deutlich. Und die Schenkelklopfer gab es auch. Denn zum Blues muss man im Publikum nicht zwangsläufig mit den Fingern schnippen oder klatschen. Und zum Schluss? Na klar gab’s eine ganze Reihe von Zugaben.