Rallye-Teilnehmer aus Tönisvorst erleben ein Europa-Abenteuer

Tour durch Europa : Europa-Rallye: Tönisvorster sind nicht zu stoppen

Mehr als die Hälfte der Strecke haben Simon Diener und Bernd Monk aus Tönisvorst hinter sich: Sie sind bei der „20 Nations Rallye“ angetreten, wollen in 16 Tagen 7500 Kilometer durch 20 Länder zurücklegen. Das Projekt läuft prima.

Der 20 Jahre alte Mercedes w124 Kombi hat das atemberaubende Panorama des San Bernadino-Passes im Rücken, das Gepäck auf dem Dach und Simon Diener neben Bernd Monk auf der Kühlerhaube. Verschnaufpause für ein Erinnerungsfoto. Der Gebirgspass im Kanton Graubünden (Schweiz) hat eine Scheitelhöhe von 2067 Metern. Abseits der Straße liegt Schnee. Trotzdem sind die beiden Tönisvorster barfuß. Es ist schließlich Sommer. Ein heißer für die beiden.

Denn sie lassen sich seit dem 6. Juli auf einen aufregenden, anstrengenden und herausfordernden Wettbewerb durch 20 europäische Länder ein: 7500 Kilometer in 16 Tagen. Ohne Autobahnstrecken, ohne GPS, dafür mit Karte, Verstand, Teamgeist und Glück. Die „20 Nations Rallye 2019“ des „TV_Racing-Teams“ ist vielleicht das Abenteuer ihres Lebens.

Zurzeit kurven sie gut 2000 Kilometer von St. Tönis entfernt. Familie, Freunde, viele Tönisvorster drücken den beiden 25-Jährigen die Daumen.

Wo sie sich gerade genau befinden, was sie rechts und links der Strecke(n) entdecken, ist auf einer interaktiven Karte der Veranstalter und in den sozialen Medien zu verfolgen. Am Sonntag antwortete Simon Diener auf eine WZ-Anfrage: „Wir haben eben mit fünf Teams in einem Gasthaus in Bulgarien halt gemacht und gönnen uns die heimische Küche. Danach haben wir bestimmt noch vier Stunden Fahrt vor uns.“

Bisher läuft „alles glatt“. Keine Pannen. „Wir haben dafür aber andere Teams mit Hilfe unterstützt. Das ist hier alles ein Geben und Nehmen“, schreibt Diener. Er und sein Freund Bernd haben bereits „allerhand erlebt“. In den ersten zwei Tagen sei es „sehr spannend gewesen, mit Hilfe von Karten die richtigen Strecken und Wege zu finden“. Da aber viele Fahrzeuge der Teilnehmer über CB-Funkgeräte verfügten, habe man sich Tipps geben können.

„Spannend wurde es, als wir die ersten Aufgaben und Challenges bewältigen mussten“, so Diener. Eine Aufgabe war es, „eine Hochzeit zu ,crashen’ und ein Foto mit einem Brautpaar vor unserem Wagen zu machen“. An einem anderen Tag mussten die Tönisvorster ein kleines Gericht im Motorraum nur mit Hilfe der Motorwärme kochen. „Gar nicht so einfach den passenden Abstand zum Krümmer zu finden, so dass die Pizza nicht anbrennt.“

Der besondere Reiz der Tour durch 20 europäische Länder liegt vor allem in der Begegnung mit Land und Leuten. „Wir hatten schon einigen Kontakt mit Einheimischen in den südlichen Ländern. Alle sind total freundlich und hilfsbereit.“ An einem Offroad-Tag hatten sich die beiden Männer „komplett in den Bergen Albaniens verfahren. Wir sind nach zwei Stunden über Stock und Stein zu einer einsamen Hütte gekommen. Dort wohnt ein alter Mann mit seinem Sohn. Wir fragten nach dem richtigen Weg. Sie malten ihn uns auf ein Blatt Papier und fragten, ob wir nicht auf Kaffee oder einen guten Schnaps bleiben wollen“. Den Kaffee nahmen die beiden dankend an und dankten ihrerseits den Spontan-Gastgebern in den albanischen Bergen mit einigen Flaschen mit deutschen Bier.

Das Auto-Camping-Roadtrip-Abenteuer der Niederrheiner geht weiter. Mit bereits 3726 zurückgelegten Kilometern sind Diener und Monk in die neue Woche gestartet. Da befanden sie sich etwa 80 Kilometer östlich von der bulgarischen Hauptstadt Sofia im Nationalpark Zentralbalkan. Sie liegen gut im Feld. Team „Block 17“ führte laut Karteneintrag am frühen Montag mit 4288 Kilometern. Rumänien, Ungarn, Slowakei, Polen und Tschechien liegen vor dem Benz und seinen „Bewohnern“. Die guten Wünsche aus Tönisvorst fahren immer mit. „Toi, toi, toi!“ „Gute Fahrt!“ Einer schrieb zum Rallye-Start: „Kommt gesund zurück, Freunde!“ Und wünschte „viel Glück und gute Fahrt, immer den vollen Tank und eine Handbreit Luftraum zwischen Differentialgehäuse und Straße“.

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