Pimpertzhof: Besitzer zeigt Beigeordnete an

Pimpertzhof: Besitzer zeigt Beigeordnete an

Der Streit geht weiter. Farhad Jalali bezichtigt Martina Stall der Nötigung und Verleumdung.

Anrath. Eine junge Familie träumt vom Leben auf dem Land. Das kleine Unternehmen des jungen Vaters expandiert atemberaubend. Aus dem beengten Miteinander von Wohnen und Arbeiten an der bisherigen Krefelder City-Adresse sollte Anrath den Ausweg bieten. Der Pimpertzhof am Rande des Ortsteils bietet dafür genug Natur und Platz satt.

Farhad Jalali hat die Immobilie gekauft. Vor fünf Jahren schon. Sein Unternehmen „Videowall“ sollte dort untergebracht werden, doch jetzt ist es nach Mönchengladbach umgezogen. Denn die junge Familie liegt im Clinch mit der Stadt Willich, oder genauer: mit der Technischen Beigeordneten Martina Stall.

Die Beigeordnete beharrt auf Abriss der Immobilie, hindert den Eigentümer mittels Ordnungsverfügung am Betreten des Hofes. Jetzt hat Jalali Stall angezeigt: nach seinen Angaben am 19. März wegen Nötigung und Verleumdung. Er bezieht sich dabei auf Äußerungen der Beigeordneten, die sie im Herbst gemacht hat: Es sei eine Unverschämtheit, wenn sich der Eigentümer an die Medien wende, hatte Stall damals gesagt. „Wir können auch anders.“ Und: Die Hofanlage sei 100-prozentig abgängig.

Jalali erklärt nun: „Sie hat wider besseren Wissens öffentlich mein Eigentum entwertet, ihr Wissen von der Schlosserei verleugnet und mir öffentlich mit Konsequenzen gedroht.“

Eine erste Folge war, dass die Bank den Kredit für den Hof kündigte. Jalali ist daran nicht zerbrochen, er hat den Kredit mit Hilfe von vielen anderen ersetzt — und kämpft weiter. Durch die Veröffentlichung des Streits habe er bereits Kaufangebote erhalten: Er solle doch das Anwesen für 20 000 Euro verkaufen.

Jalali fragt sich, was die Stadt wolle. Seit Jahren sei der Pimpertzhof ein Schandfleck. Immer wieder werde vor dem Hof illegal Müll abgeladen. Die Gebäude zerfallen zusehends. Doch seine Architekten haben die Immobilie untersucht und halten die Sanierung für möglich und bezahlbar. Die Familie ist nach wie vor bereit, durchaus viel Geld in die Hand zu nehmen und den Hof mit Herzblut wieder in ein Schmuckstück zu verwandeln. Schließlich sei die Hofanlage historisch wichtig, der Pimpertzhof ist urkundlich einer der ältesten Höfe der Region. Hat die Stadt kein Interesse, dass er als Eigentümer zum Zuge komme und die alten Gemäuer erhalte, fragt sich Jalali.

Die Technische Beigeordnete Martina Stall hat die Anzeige bisher noch nicht erhalten. Sie bleibt gelassen bei ihren bisherigen Entscheidungen, die Gebäude abreißen zu lassen. Eine gewerbliche Nutzung im Außenbereich sei nicht erlaubt. Den Bebauungsplan zu ändern, dazu gebe es keine Notwendigkeit, sagte sie gestern.

Christian Pakusch (CDU), Vorsitzender des Planungsausschusses, hält es für wenig hilfreich, Strafanzeigen in die Welt zu setzen und die handelnden Personen an den Pranger zu stellen. Er habe versucht, zu vermitteln. Pakusch kann den Frust des Eigentümers verstehen, aber die Rechtslage für Grundstücke im Außenbereich sei eindeutig. Da könne auch kein Präzedenzfall geschaffen werden. hb

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