Pfarrer Bernd Pätzold verlässt nach 34 Jahren die Gemeinde Anrath/Vorst

Evangelische Kirche : Der Gemeinde sehr verbunden

Pfarrer Bernd Pätzold geht in den Ruhestand. Im Gespräch mit der WZ blickt er auf über 30 Jahre in Vorst.

Ein Praktikum auf einer U-Bahnbaustelle in Mülheim an der Ruhr, seinem Heimatort, hatte Bernd Pätzold bereits absolviert, denn er spielte mit dem Gedanken, Architektur zu studieren. „Doch dann bin ich beim CVJM (siehe Kasten) zum Glauben gekommen“, sagt der 63-Jährige, der sich damals für ein Studium der evangelischen Theologie entschied. Jetzt, nach 34 Jahren als Pfarrer in der evangelischen Kirchengemeinde Anrath-Vorst, geht er in den Ruhestand. Mit der WZ sprach über seine Zeit in der Gemeinde Vorst und seinen Glaubensansatz.

Sein Studium hat Pätzold in Wuppertal und Bonn absolviert und nach dem ersten theologischen Examen zwei Jahre als Vikar in Ratingen gearbeitet. Nach dem zweiten Examen hat er dann als Pastor in Mülheim an der Ruhr gearbeitet und sich schließlich als Pfarrer in Vorst beworben. Und das Presbyterium von sich überzeugen können. Aber auch Pätzold war „vom Glaubensverständnis und dem Gemeindeaufbau“ angetan sowie der Tatsache, dass es in beiden Gemeinden einen CVJM gab – und noch gibt.

Pfarrermangel
bereitet Sorgen

Seine Stelle ist nun ganz frisch ausgeschrieben und Bernd Pätzold hofft, dass sich auch Bewerber finden. Denn: „Als ich mein zweites Examen abgelegt habe, waren wir 160 Kandidaten. 2018 waren es nur 20 und ein Jahr zuvor sogar nur 17.“ Er erinnert sich an die 1980er Jahre, in denen es teilweise an die 100 Bewerber für eine Pfarrstelle gegeben habe. Pätzold sieht den Pfarrermangel mit Sorge, zumal den 38 Kirchenkreisen in der Evangelischen Kirche im Rheinland für 2020 „eine Pensionierungswelle bevorsteht“.

An der christlichen Lehre berührt Bernd Pätzold die Einzigartigkeit von Christus. „Jesus Christus hat sich dem Menschen auf eine einzigartige Weise offenbart. Wie er geredet hat, geheilt hat, Menschen begegnet ist und bis zuletzt, als er schon ans Kreuz genagelt war, für seine Feinde gebeten hat“, sagt der Pfarrer. „Jesus hat sich drei Tage nach seinem Tod seinen elf Gefährten gezeigt. Davor schon vier Frauen und zwischen Ostern und Himmelfahrt 500 weiteren Menschen.“

Da der Mensch mit Verstand ausgestattet sei, könne er hier die Wahrheit über Jesus Christus erkennen: „Im Neuen Testament macht Jesus Christus ein absolutes Angebot, mit dem sich ein Ausschließlichkeitsanspruch verbindet.“ Das habe keine andere Weltreligion. Zur Erklärung zitiert Pätzold das Johannes-Evangelium, Kapitel 14, Vers 6. „Ich bin der Weg, ich bin die Wahrheit, und ich bin das Leben! Ohne mich kann niemand zum Vater kommen.“ Wer dies glaube, sei Christ. Die Anhänger anderer Religionen seien „noch nicht auf dem Weg der Wahrheit“. Weshalb es beispielsweise Missionare gebe.

Stets guten Draht zum katholischen Kollegen

Das Kerngeschäft, das Predigen, die frohe Botschaft zu verkünden, habe er immer gerne gemacht. Ebenso die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die Ferienfreizeiten mit ihnen, aber auch die mit den Erwachsenen. Dazu der Konfirmandenunterricht und die Zusammenarbeit mit dem CVJM, „der den Jugendauftrag in beiden Gemeinden hat“; sowie der Frauenhilfe. „Zudem habe ich Flüchtlinge begleitet“, sagt der 63-Jährige. Und er erinnert auch an die baulichen Tätigkeiten, die er zusammen mit dem Presbyterium betreut hat: das neue Gemeindehaus für Anrath, die Erweiterung 2005 des Hauses in Vorst, die neue Orgel 1999 und 2002 den neuen Glockenturm für Vorst.

„Einen besonders guten Draht und ein tolles Miteinander hatte ich zu Pfarrer Ludwig Kamm“, sagt Pätzold, mit dem er viele ökumenische Gottesdienste abgehalten hat und zusammen für Burundi und die Rumänienhilfe tätig war. An nicht so schöne Momente erinnert er sich in Zusammenhang von „Missverständnissen und mangelnder Offenheit“. Doch er sei immer ein Mann „des direkten Gesprächs“ gewesen und habe die Missverständnisse offen angesprochen.

Viele Gedanken über seinen bevorstehenden Ruhestand hat Bernd Pätzold sich noch nicht gemacht. „Das machen schon andere“, sagt der verheiratete Pfarrer und Vater von zwei erwachsenen Söhne, der auf mehr Zeit für Reisen und Sport hofft. Und sich sicher ist, dass er „auch wenn ich nach Mülheim ziehe, den ein oder anderen Gottesdienst in Vorst halten werde. Denn ich bin der Gemeinde doch sehr verbunden“.

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