Tönisvorst: Peter Pan in Leos „Schlummerland“

Tönisvorst : Peter Pan in Leos „Schlummerland“

Das „Junge Theater Krefeld — Die Kinderbühne“ zeigt im Forum Corneliusfeld ein Musical über den Jungen, der nie erwachsen wird.

St. Tönis/Krefeld. Der kleine Leo mittendrin. Gerade einmal sechs Wochen alt, wird er in einem Tragetuch sanft und wiegend durch die Musicalwelt von „Peter Pan“ getragen. Teile der Probe im Schulzentrum Corneliusfeld in St. Tönis verpasst der entspannte junge Mann. Tinker Bell, Piraten, das Nimmerland, Captain Hook, die Abenteuer des Jungen Peter Pan, der nie erwachsen wird — Leo verschläft alles.

Die Seelenruhe seiner Mutter Yvonne Keßel strahlt aus. In Erwartung ihres dritten Kindes hatte die Regisseurin des „Jungen Theaters Krefeld — Die Kinderbühne“ die Proben in der zweiten Jahreshälfte 2016 zeitig intensiviert. Nun sitzt die zweieinhalbstündige Musical-Version: „Sie sind schon sehr weit“, lobt Keßel das Ensemble.

Yvonne Keßel, Regisseurin des Jungen Theaters Krefeld

Diesmal spielen zwölf Kinder und Jugendliche zwischen zehn Monaten und 16 Jahren sowie sechs Erwachsene miteinander. Genau diese Mischung macht für Keßel und Pricken die Faszination ihre Truppe aus. Diese altersgemischte Gruppe ist ihre Inspiration. Dem Pan-Publikum verspricht sie: „Die zweieinhalb Stunden (mit Pause) werden fliegen.“

„Bei einigen kribbelt es ganz ordentlich“, sagt Keßel während eines Durchgangs auf der Bühne. 2016 hatte das Junge Theater etliche Neulinge gecastet, „Tolle Kinder. Sie brennen fürs Theaterspielen und agieren mit einer ungeheuren Disziplin. Sie verkörpern ihre Rollen brillant.“

Genau darauf kommt es Yvonne Keßel und Joachim Pricken an. „Die Darsteller sollen authentisch spielen, ein Rollenverständnis haben, nicht nur Texte aufsagen.“ Einen wichtigen Probenpart übernimmt auch Claudio Russo im Team, Tanzpädagoge und Stuntman in einer Person. Übers Gefühl spielen, das ist die Kunst; die Dialoge lebendig halten. Und: „Immer wieder ein Schuss Humor an der richtigen Stelle.“

Bei allem Spaß, betont die Regisseurin: „Die Kinder bringen Höchstleistung.“ Drei der Neuen haben sich im aktuellen Stück bereits für größere Nebenrollen empfohlen. Keßel: „Das ist wow, so ins erste Jahr zu gehen!“

Ein Wow erntet auch Selina Söhnel, 16, von allen „Söhne“ genannt. Die Schülerin des Michael-Ende-Gymnasiums ist Kinderbühnen-Schauspielerin der ersten Stunde. Sie spielt die Titelrolle, den Peter Pan. „Das Schauspielern hat mich unglaublich selbstbewusst gemacht. Ich war nie besonders schüchtern, aber ich gehe jetzt mit Kritik ganz anders um.“ Sie sei zuweilen ihre schärfste Kritikerin. Zu Hause vor dem Spiegel hat sie sich der Rolle und der Körpersprache Peter Pans genähert. „Gar nicht so einfach, immer die Nase hochzuhalten.“ Selina, das spürt man, freut sich sehr auf die Premiere. Der Vorverkauf, sagt Yvonne Keßel, „läuft gut“.

Stück gut, Proben gut, Stimmung gut — welche Wünsche bleiben? „Jemanden, der uns bei den Kostümen, beim Nähen unterstützt“, sagt Keßel. Bisher zupft sie viel aus ihrem privaten Fundus, den sie von einer Schauspielerin übernommen hat. Auf der Wunschliste steht außerdem ein Jugendclub, als zweite Unterabteilung des Jungen Theaters neben der Kinderbühne. Keßel würde gerne einmal „Die Welle“ inszenieren. „Vielleicht gelingt uns der Club 2019.“

Bis dahin hat vielleicht sogar der kleine Leo schon seinen ersten aktiven Bühnenpart übernommen. Jetzt allerdings bevorzugt er noch das Dösen im Schlummerland. Mittendrin.

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