Willich/Schiefbahn Per Taxi zum Bohren und Ziehen

Zahnarzt Dr. Daniel Tandon hat kürzlich ein Versuchsprojekt gestartet: Er lässt Patienten holen und bringen.

Willich/Schiefbahn: Per Taxi zum Bohren und Ziehen
Foto: Praxis

„Wurzelspitzenresektion“ — allein die Nennung dieses Begriffs lässt es vielen Menschen kalt den Rücken herunterlaufen. Jeder, der schon einmal einen Eingriff dieser Art hinter sich gebracht hat, weiß, wie geschafft man danach ist. Und bekannt ist auch, dass man direkt im Anschluss eher zur Erholung auf die Couch gehört als auf den Fahrersitz eines Autos.

Dr. Daniel Tandon führt viele chirurgische Behandlungen durch. „Im Vorfeld fragen mich die Patienten, ob sie anschließend noch fahren dürfen, oder nicht“, erzählt der Zahnmediziner aus Schiefbahn. Und die richtige Antwort laute: „nein“. Also reifte in seinem Kopf ein Projekt heran, dass er vor wenigen Tagen in die Tat umsetzte. Die „Will-Ich“-Praxis bietet ihren Patienten ab sofort einen Fahrservice an. Nach Absprache holt das „Praxis-Taxi“ sie von zuhause ab und bringt sie nach der Behandlung zurück.

In erster Linie richtet sich das Angebot an Menschen, die unsicher zu Fuß sind oder eine Begleitperson benötigen. Das Fahrzeug in den Farben Grau und Blau ist so groß, dass darin auch ein Rollstuhl untergebracht werden kann. Aber es steht eben auch nach längeren Eingriffen auf Wunsch zur Verfügung. Nach dem Motto: Wenn schon der Weisheitszahn raus muss, braucht man sich wenigstens keine Gedanken über den Hin- und Rückweg zu machen.

Auch wenn Tandon nicht der erste Vertreter seiner Zunft mit dieser Idee ist, scheint ein solcher Service selten zu sein. Auf Erfahrungswerte aus dem engeren Kollegenkreis kann der an der Hochstraße praktizierende Düsseldorfer nach eigener Aussage nicht zurückgreifen. Lediglich via Google hat er etwas Vergleichbares gefunden.

Entsprechend zurückhaltend ist der Mediziner mit einer Erfolgsprognose für das eigene Taxi. „Ich bin mal gespannt, wie es sich entwickelt“, sagt der 35-Jährige. Es sei ein „Pilotprojekt“. Er habe „keine Ahnung, was daraus letztlich wird“.

Im ungünstigsten Fall für den Betreiber verschwindet das Taxi nach einiger Zeit sang- und klanglos von der Bildfläche. Als interessante Idee, aber ohne eine ausreichende Nachfrage. „Im günstigsten Fall arbeitet der Fahrer irgendwann Vollzeit für uns“, so Daniel Tandon. Die ersten Anmeldungen von Patienten, die ungern selbst zum Bohren, Ziehen und Implantieren fahren möchten, liegen bereits vor.

Der Mann am Lenkrad des geleasten VW Caddy verfügt laut der Schiefbahner Praxis über einen Personenbeförderungsschein, obwohl das bei Gratis-Touren gar nicht notwendig wäre. „Es war mir trotzdem wichtig“, so der Arzt. „Sicher ist sicher.“