Oliver Mours aus St. Tönis: Tennis ist sein Leben

Tönisvorst : Tennis ist sein Leben

Oliver Mours betreibt die Tennishalle Lohrheide. Der Sport ist seine Leidenschaft.

Wenn Oliver Mours Trainingspläne erarbeiten muss, wird er schnell kribbelig. Sitzende Tätigkeiten liegen dem Sportler nicht. Eine dauerhafte Bürotätigkeit kann sich der 51-Jährige nicht vorstellen. Muss er auch nicht. Oliver Mours hat seinen Traumjob vor Jahrzehnten gefunden. Nach dem Abitur in Kamp-Lintfort absolvierte er die Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann im Fliesengeschäft seines Vaters in Krefeld nur pro forma. Um „etwas Vernünftiges“ in der Tasche zu haben. Deutlich mehr Energie und Leidenschaft steckte er in die parallel laufende Ausbildung zum staatlich geprüften Tennislehrer. „In meinem Ausbildungsberuf habe ich nie gearbeitet“, erzählt er.

Der Deutsche Tennis Bund kürte ihn zum Trainer des Jahres

Auch wenn es pathetisch klingen mag: Tennis ist sein Leben. Vor 20 Jahren fing er als Trainer bei Grün-Weiß St. Tönis an. Zu diesem Zeitpunkt war er in der niederrheinischen Szene schon sehr bekannt. Der Region ist er stets treu geblieben – bis auf ein zweijähriges Intermezzo: „Von 1996 bis 1998 bin ich als Coach mit einer Profispielerin herumgereist.“ Immerhin schaffte es sein Schützling bis weit in die Top 300. Nach dieser Zeit kümmerte er sich nur noch um Amateure. Mit großem Erfolg. Für das Jahr 2010 wurde er vom Deutschen Tennis Bund zum Vereinstrainer des Jahres gekürt. Die Auszeichnung nahm er in München beim DTB-Bundeskongress entgegen.

Nennt man halbwegs bekannte Spielerinnen und Spieler zwischen Dormagen und Kleve – „Olli“, so scheint es, kennt sie alle. Das gilt auch für die andere Rheinseite. Er selbst, in Issum-Sevelen geboren und in Rheurdt aufgewachsen, fing mit acht Jahren das Tennisspielen an, beim TV 03 in Krefeld. Mit 16 wechselte er zu Blau-Weiß, später dann zu Bayer Uerdingen. Hier war er auch, nach einer ersten Station beim TC Oppum, zwischen 1991 und 1995 Cheftrainer.

Nach OP
wieder fit

Seit 1997 ist er offiziell St. Töniser. Damals bezogen er und seine Frau Angela, die aus Moers stammt, das neu gebaute Eigenheim neben dem Tenniscenter Lohrheide. Vor 17 Jahren kam Sohn Luca zur Welt. Der MEG-Schüler spielt heute für Blau-Weiß Krefeld und macht in wenigen Tagen seinen C-Trainerschein. Das bedeutet aber nicht, dass er zwingend in die Fußstapfen des Vaters tritt. „Er ist schließlich noch jung und hat noch viel Zeit, sich zu entscheiden“, sagt der Senior.

Auf jeden Fall weiß Luca heute schon, was es bedeutet, eine Tennisschule zu führen und eine Halle mit angeschlossener Gastronomie zu betreiben: Deutlich mehr, als bei strahlendem Sonnenschein und im schicken Dress gekonnt ein paar Bälle zu schlagen. Oliver Mours, der den Hallen-Betrieb von seinem 2006 verstorbenen Vater übernommen hat, muss sich unter anderem auch um Renovierungsarbeiten in den Umkleidekabinen und die Zusammenstellung der Bistro-Karte kümmern. Wochentags steht er oft viele Stunden ab 8 Uhr morgens auf dem Platz, am Samstag gibt er bis 16 Uhr Training. Auch Medenspiele macht er noch. „Ich schaue aber, dass es nicht mehr so auf die Knochen geht.“

Wer den 51-Jährigen im Spätsommer des vergangenen Jahres auf der Vereinsanlage erlebt hat, versteht diese Zurückhaltung. Zeitweise konnte er kaum noch gehen: Die Hüfte streikte. „Ich habe die Operation herbeigesehnt.“ Nach dem Eingriff musste er wochenlang pausieren. „Jetzt bin ich wieder fit.“ In Neuss habe man ihm die gleiche Prothese eingesetzt, wie sie der britische Spitzenspieler Andy Murray habe. „Und der hat ja erst neulich wieder ein Turnier gewonnen“, sagt Oliver Mours und lacht.

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