Neustart nach der Auflösung des Verbandes?

Tönisvorst : Pläne für neuen Stadtsportbund

Vor rund drei Jahren war die Organisation in Tönisvorst aufgelöst worden. Nun steht eine Neugründung bevor.

Es ist fast ein bisschen peinlich für die Stadt. Der Tönisvorster Marcel Noebels wurde in diesem Jahr Vizemeister in der Deutschen Eishockeyliga und mit der Nationalmannschaft Zweiter bei den Olympischen Spielen. Zweifelsohne ist das ein guter Grund, den Mann zu ehren. Doch Tönisvorst hat dafür keine vernünftige Plattform – weder bei Profis wie Noebels noch bei Amateuren. In vielen anderen Städten gibt es für so etwas üblicherweise einen Stadtsportbund, also eine Gemeinschaft der Vereine, der eine jährliche Sportlerehrung organisiert. Tönisvorst hat so etwas seit einigen Jahren nicht mehr. Das soll sich nun ändern.

Nach jahrelangem Hin und Her steht den Athleten der Stadt endlich wieder eine vernünftige Würdigung in Aussicht. „Wir wollen einen neuen Sportbund gründen“, sagt Klaudia Schleuter. Sie ist Geschäftsführerin des übergeordneten Kreissportbundes. Ihre Organisation ist auf die Vereine im Ort zugegangen, um wieder eine gemeinsame Interessenvertretung und Anlaufstelle zu schaffen. Viele Gespräche wurden geführt und die Reaktionen lassen hoffen. Noch in diesem Jahr sollen die interessierten Clubs zusammenfinden und entscheidende Punkte klären. „Früh im nächsten Jahr soll es dann eine konstituierende Sitzung geben“, sagt Schleuter.

Bürgermeister ist von neuem Sportbund offenbar angetan

Das klingt nach ungewohnter Harmonie. Rund um das Jahr 2015 zerbrach der damalige Tönisvorster Sportbund im Chaos. Der Vorstand fühlte sich von den Vereinen nicht mehr gebraucht. Mit der Stadtverwaltung und dem wichtigen Sponsor Sparkassenstiftung lagen die Sportler im Streit. Dabei ging es unter anderem ums Geld. Der Stadtsportbund beklagte mangelnde Unterstützung für die jährliche Ehrung und die Übungsleiterausbildung.

Beim Anlauf für einen neuen Stadtsportbund soll alles besser werden. Schleuter berichtet von einem positiven Austausch mit Bürgermeister Thomas Goßen. Er habe sich offen für einen künftigen Dialog und mögliche Kooperationen gezeigt. Die vergangenen Ereignisse will Schleuter nicht überhöhen.

Bei einem Sportbund gehe es um mehr, als Geld für die jährliche Ehrung einzusammeln, sagt sie. „Die Tönisvorster Vereine brauchen wieder eine Stimme, um sich Gehör zu verschaffen.“ Eine konkrete Agenda mit gemeinsamen Anliegen steht freilich noch nicht.

Und doch, so ist zu hören, bleibt die Ehrung der Besten für die Vereine ein wichtiges Thema. Schleuter ist zuversichtlich, dass sich auch bei diesem Vorhaben etwas tun wird. Für die Finanzierung des Events ist wohl ein hoher vierstelliger Betrag notwendig. Es ist offenbar auch denkbar, sich von den traditionellen Ansprechpartnern wie der Sparkassenstiftung zu lösen und vermehrt Unternehmen als Sponsoren zu gewinnen.

Doch bis solche Dinge geklärt werden, dauert es noch. Erst mal muss die Neugründung reibungslos laufen. Vielleicht schafft es Tönisvorst dann mit leichter Verspätung, seinen Eishockey-Star zu ehren.

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