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Neujahrsempfang: CDU in Willich gibt sich kämpferisch

Willich: Neujahrsempfang der CDU : Neujahrsempfang: CDU in Willich gibt sich kämpferisch

Der CDU-Parteivorsitzende Pakusch hielt eine kämpferische Rede beim Neujahrsempfang seiner Partei in Willich. Mit Annegret Kramp-Karrenbauer gibt es einige Parallelen.

Wer nach dem Alleingang der Heyes-Bäumges-Pressekonferenz am Donnerstag dachte, der Parteichef der Willicher CDU, Christian Pakusch, gehe ähnlich angeschlagen in den CDU-Neujahrsempfang wie Annegret Kramp-Karrenbauer im November in den CDU-Parteitag, der lag bis Sonntag, 11 Uhr, nicht daneben. Aber die Parallelen gehen weiter. Pakuschs Rede im Neersener Wahlefeldsaal war eine taktische Blaupause des Auftritts von AKK in Leipzig. Pakusch hielt keine Verteidigungsrede. Er ging in die Offensive. Er wollte nach außen Selbstbewusstsein und Kampfgeist für die Stadt transportieren, und nach innen demonstrieren: „Mit mir nicht!“

Der 35-Jährige redete wie einer, der das Heft des Handelns als Chef der Willicher Christdemokraten wieder in die Hand bekommen wollte. Wie einer, der es sich nicht gefallen lassen will, einen Kandidaten ohne parteiinterne Absprache aus der eigenen CDU-Familie vorgesetzt zu bekommen.

Pakusch besetzt jedes relevante Thema in seiner Rede

Wer Pakusch kürzlich in Anrath bei seiner 72,5-Prozent-Wiederwahl als Parteichef mit Harmoniebedürfnis erlebte, der an dem Abend die relevanten Stadt-Themen Fraktionschef Johannes Bäumges als Redner überlassen hatte, erlebte beim Neujahrsempfang einen, der seine Lektion schnell gelernt hat. Jedes Thema, das die Stadt Willich zurzeit angeht, bewegt, das drückt oder bereits erfolgreich umgesetzt wurde, hat Pakusch in seiner Rede besetzt. Wirtschaft, Wohnungsbau, Investitionen etwa in Feuerwehr und De Bütt, medizinische Versorgung, Neubauprojekte, Klima, Verkehr, Regiobahn… Feiernd. Fordernd. Und immer im Kontext mit „wir“, „gemeinsam“. Das Stichwort CDU-Familie fiel nicht nur einmal. Pakusch: „Jeder Vorsitzende ist nur so gut wie seine Mannschaft. Spielt sie gegen den Trainer, geht nichts.“

Und dass in der Stadt Willich vieles nicht ohne den ersten Beigeordneten Willy Kerbusch geht, wissen auch die Christdemokraten und ihre Gäste. Sie zollten dem Mann mit dem anderen Parteibuch Respekt durch langanhaltenden Zwischenbeifall. Pakusch betonte, er sei froh, Kerbusch, der Mitte des Jahres in den Ruhestand geht, als Geschäftsführer der städtischen Grundstücksgesellschaft gestalterisch in der Stadt halten zu können.

Für das Kommunalwahljahr 2020 und darüber hinaus gab Pakusch die inhaltliche – und wohl auch personelle – Parole aus: „Nachdenken, prüfen, umsetzen.“ Es spricht für eine politische Klugheit oder Beratung, dass Pakusch den Neujahrsempfang auch und bewusst zur Bühne für Bürgermeister Josef Heyes und durch die Blume auch für dessen Ehefrau Maria machte. Heyes’ Verdienste sind unumstritten, sein 21 Jahre währender „außerordentlicher Einsatz“ ist auch zehn Monate vor dem Ende seiner vierten und letzten Amtszeit einen kräftigen Applaus wert.

Bürgermeister Josef Heyes dankt loyalen Begleitern

Josef Heyes betonte erneut, dass ihm die Entscheidung, nicht wieder zu kandidieren, nicht leicht gefallen sei. Er dankte allen loyalen Begleitern, wünschte sich, dass das Amt in fähige Hände gegeben werde und erwähnte in einem Satz seinen Wunschkandidaten Johannes Bäumges – gleichwohl mit dem Zusatz, dass die Mitglieder die Entscheidung darüber fällen werden.

In diesem Jahr feiert die Stadt Willich ihren 50. Geburtstag. Und die Zahl 50, sagte Pakusch bei seiner Wiederwahl Anfang Dezember, soll auch vor dem Komma stehen, wenn am Wahlabend des 13. September die Ergebnisse feststehen. Dafür braucht der Parteichef eine starke Mannschaft. Daher haben alle Mitglieder Info-Post bekommen. Sie sollen sich bis zum 13. Januar überlegen, ob sie sich ein Engagement als Stadtrats- oder als Kreistagsvertreter oder aber als sachkundiger Bürger vorstellen können.

Am 21. Januar wird der Parteivorstand, der sich im geschäftsführenden Kreis am Samstag darauf geeinigt hat, bis dahin „die Füße still zu halten“, die Personalien beraten. Danach werde die Vorschlagsliste der Christdemokraten vorgestellt. Die Parteibasis stimmt am Aschermittwoch, 26. Februar, ab. Christian Pakusch ist sich sicher, dass sich um das Amt des Bürgermeisters, wie er meint „das schönste Amt der Stadt“, mehr als ein Kandidat aus den Reihen der CDU bewerben wird. Ob er oder Guido Görtz, die unter anderem als Anwärter gehandelt werden, dazu zählen, bleibt abzuwarten. Weder Pakusch noch Görtz lassen sich in die Karten schauen. Guido Görtz antwortete auf die Frage am Rande des Neujahrsempfangs: „Ich bestätige nichts. Und ich schließe nichts aus.“ Gefragt werde er gleichwohl zurzeit täglich.