Neues Wohnen an Willichs Klinik-Standort

Neues Wohnen an Willichs Klinik-Standort

Ergebnis des Realisierungswettbewerbs liegt vor. Entwurf eines Architekturbüros aus Münster hat die Jury am meisten überzeugt.

Willich. Um 23.03 Uhr war er endlich zu Ende, der öffentliche Teil der letzten Ratssitzung der Stadt Willich vor der Sommerpause. Mehr als drei Stunden beschäftigten sich die Stadtverordneten allein mit dem geplanten Umbau des Rettungswesens im Kreis Viersen (die WZ berichtete). Doch es gab noch mehr Punkte, über die diskutiert wurde.

Sehr lange warten musste Martin Ritscherle vom Dortmunder Büro Scheuvens und Wachten. Er betreut den städtebaulichen Realisierungswettbewerb für das Willicher Krankenhausgelände und wollte dem Rat dessen Ergebnisse vorstellen. Doch erst nach 22 Uhr kam er damit endlich zum Zuge.

Die Jury hatte einstimmig den Entwurf des Münsteraner Architekturbüros von Frank Lecke an die erste Stelle gesetzt. Ritscherle erläuterte, warum dies so geschehen ist und stellte auch kurz die übrigen Bewerber auf den ersten Plätzen vor. Insgesamt hatten sich neun Planungsbüros am Wettbewerb beteiligt, der laut Ritscherle „keine einfache Aufgabe“ war.

Der Stadtplaner hob besonders die geschickt unter Bäumen versteckten Parkplätze für die Kunden des Einzelhandels, die Tiefgaragen für die Bewohner und die gute Anbindung an den Konrad-Adenauer-Park hervor.

Neben Gewerbe sollen rund 100 Wohneinheiten geschaffen werden. Die Bebauung soll im Wesentlichen mit dreigeschossigen Baukörpern rund um zwei Innenhöfe erfolgen: Einem vorderen Hof, in dem im Erdgeschoss Platz für drei Geschäfte und eine soziale Einrichtung, beispielsweise Kita oder Tagespflege, sein könnte. Aber auch Arztpraxen sind im ersten Obergeschoss möglich. Als Flächen für den Einzelhandel sind rund 2500 Quadratmeter ausgewiesen, für Praxen rund 1300 Quadratmeter.

Die Technische Beigeordnete Martina Stall erklärte, dass gemeinsam mit dem Siegerbüro bis Ende des Jahres eine Rahmenplanung erstellt wird, die sie selbst gerne noch präsentieren möchte: Sie geht Ende 2018 in den Ruhestand. Danach kann am Bebauungsplan für das mehr als 13 000 Quadratmeter große Gelände gearbeitet werden.

Parallel dazu soll im nächsten Jahr der Abriss von Krankenhaus und Schwesternwohnheim erfolgen. Für die Realisierung der Entwürfe wird dann ein Investor gesucht, damit möglichst schnell der erste Spatenstich erfolgen kann.

Bei elf Gegenstimmen und drei Enthaltungen ist vom Rat eine Resolution zur Verringerung des Fluglärms verabschiedet worden, der vom Düsseldorfer Flughafen in Willich verursacht wird. Angeregt hatten dies Bündnis 90/Die Grünen. Fraktionsvorsitzender Raimund Berg erläuterte, dass es das Ziel der Resolution sei, über höhere Entgelte die Zahl der alten, lauten Flugzeuge am frühen Morgen und am späten Abend zu verringern.

Diesem Ziel konnten die übrigen Fraktion im Sinne der Willicher Bürger fast alle zustimmen — die CDU zeigte sich allerdings gespalten. Während ihr Fraktionsvorsitzender Johannes Bäumges den Sinn einer solchen Resolution bezweifelte und statt dessen Gespräche mit dem Flughafen-Geschäftsführer anregte, hob sein Kollege Christian Pakusch die Bedeutung des Düsseldorfer Airports für den Wirtschaftsstandort Willich hervor. Guido Görtz, ebenfalls CDU, dankte dagegen den Grünen für ihren Antrag — und seinem Fraktionschef dafür, dass dieser die Abstimmung freigegeben hatte.

Bei einer Gegenstimme folgte der Stadtrat dann der Anregung von Johannes Bäumges, den Flughafen-Chef nach Willich einzuladen.