Netzwerker für junge Gründer

Der Schiefbahner Christoph Heyes ist aus Berlin nach NRW zurückgekehrt und macht Lobbyarbeit für Startups.

Schiefbahn/Düsseldorf. Christoph Heyes im Düsseldorfer Medienhafen zu finden, ist nicht ganz leicht: Seinen Arbeitsplatz hat der Schiefbahner seit dem 1. Juli in den Räumen der Startplatz Düsseldorf GmbH, die sich selbst als erste Anlaufstelle für die rheinische Gründerszene definiert. An diesem Morgen ist das Wort Anlaufstelle wörtlich zu verstehen: In der „Coworking-Space“ (man könnte auf gut Deutsch auch von einen Gemeinschaftsbüro sprechen) im dritten Stock herrscht ein ständiges Kommen und Gehen — und mittendrin im kreativen Gewusel sitzt Christoph Heyes an einem Tisch vor dem aufgeklappten Laptop.

„Einen festen Arbeitsplatz habe ich hier nicht. Aber ich bin ganz nahe dran an den Startups“, sagt Heyes und lächelt. Denn um diese geht’s ihm: Der 38-Jährige ist erster Landesgeschäftsführer NRW im Bundesverband Deutsche Startups. Für diesen Verein arbeitet Heyes schon seit zwei Jahren — bisher in Berlin, nun in Düsseldorf.

Zurück im Rheinland zu sein, darauf hat sich Heyes gefreut — aber bis vor kurzem nicht damit gerechnet. Noch im April ahnte er nicht, dass der Bundesverband die bis dahin ausschließlich ehrenamtlich organisierte Landesgruppe der Startup-Unternehmen ab Juli mit einem hauptamtlichen Geschäftsführer unterstützen wird. „Ich bin hier Einzelkämpfer. Meine Aufgabe ist es, ein Netzwerk aufzubauen“, sagt Heyes, der von Berlin-Moabit wieder ins heimische Schiefbahn gezogen ist.

Christoph Heyes

Der Bundesverband ist vor fünf Jahren von 18 Startups gegründet worden — mittlerweile sind es mehr als 800. Seine Ziele definiert er so: „Als Repräsentant und Stimme der Startups engagieren wir uns für ein gründerfreundliches Deutschland. Im Dialog mit Entscheidungsträgern in der Politik erarbeiten wir Vorschläge, die eine Kultur der Selbstständigkeit fördern und die Hürden für Unternehmensgründungen senken.“

Christoph Heyes selbst spricht von einer „politischen Ausrichtung“: Er macht Lobbyarbeit, weshalb die Nähe zum Düsseldorfer Landtag auch kein Zufall ist.

Wie ist er überhaupt zum Bundesverband gekommen? Ebenfalls über die Politik: Christoph Heyes war früher Leiter des Abgeordneten-Büros von Uwe Schummer in Berlin. Dort lernte er später Florian Nöll kennen, der 2016 bei der Wahl für das Berliner Abgeordnetenhaus in Moabit für die CDU antreten wollte. Der Mann aus Schiefbahn organisierte seinen Wahlkampf, denn damit hatte er schon im Kreis Viersen Erfahrung gemacht. „Wir haben für Florian Nöll sogar Plakate auf Türkisch gemacht“, erinnert sich Heyes.

Zwar wurde der Christdemokrat in dem linken Bezirk trotzdem nicht gewählt, holte aber ein sehr achtbares Ergebnis. Nun ist Nöll gleichzeitig Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Startups — und als dieser einen Leiter des Vorstandsbüros suchte, war es zu Heyes nur ein kleiner Schritt. Parallel dazu wurde er „Referent AgTech“, kümmerte sich also um Startups im Bereich Landwirtschaft.

Das wird er auch von der Landeshauptstadt Düsseldorf aus weiter tun. Als Landesgeschäftsführer wird Christoph Heyes darüber hinaus viel reisen, Kontakte knüpften, Veranstaltungen organisieren. NRW mit seinen 18 Millionen Einwohnern sei die größte Volkswirtschaft in Deutschland mit einer großen Kundendichte, hebt er hervor. „Hier passiert unheimlich viel“, sagt Heyes und verweist unter anderem auf Städte wie Aachen, wo es wegen der RWTH schon heute viele Startups gebe.

Vor dem kleinen Konferenzraum, den der 38-Jährige für das Gespräch mit der WZ eine Stunde reserviert hat, steht schon die nächste Gruppe — das Interview ist vorbei. Diese Dynamik, die spannende Atmosphäre und der kreative Austausch sind es gerade, was Christoph Heyes an seinem neuen Arbeitsplatz motiviert. Und wieder die Nähe zur Heimat zu haben, schätzt er nach acht Jahren in Berlin nicht minder: „Wenn man zurückkommt, ist es wie früher.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung