Kreis Viersen: Neersener Bundestagsabgeordneter Uwe Schummer (CDU) erzeugt Shitstorm bei Twitter

Kreis Viersen : Neersener Bundestagsabgeordneter Uwe Schummer (CDU) erzeugt Shitstorm bei Twitter

Willich/Berlin. Ein Shitstorm — zusammengesetzt aus shit, also Scheiße, und storm (Sturm) — bezeichnet im Deutschen „das lawinenartige Auftreten negativer Kritik gegen eine Person oder ein Unternehmen im Rahmen von sozialen Netzwerken, Blogs oder Kommentarfunktionen von Internetseiten bis hin zur Schmähkritik.“ So lautet die Definition des Online-Lexikons Wikipedia.

Wie man zumindest ein Shit-Stürmchen erzeugen kann, hat gerade der Bundestagsabgeordnete Uwe Schummer (CDU) eindrucksvoll vorgeführt. Ein kurzer Tweet des Neerseners am späten Dienstagnachmittag auf Twitter — und schon schlugen die digitalen Wellen der Empörung über ihm zusammen.

Was war passiert? Schummer hatte eine Collage des Willicher Alois Langemeyer getwittert, die den Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert mit Zwergenmütze am Rednerpult zeigt. Um seinen Kopf kreisen Fotos prominenter Vertreter der sogenannten Alternative für Deutschland (AfD) — und dem Kopf ihres Vorsitzenden der Bundestagsfraktion, Alexander Gauland, entsteigt der Satz: „Unser bester V-Mann.“ Dazu twittert Schummer „Geheimwaffe Jusos“. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. So zum Beispiel von Schummers Kreis Viersener Bundestagskollegen Udo Schiefner (SPD): „Ein solcher Tweet ist einfach niveaulos und zeugt nicht gerade von politischem Stil! Er schürt vielmehr, das eh schon vorhandene Misstrauen gegen die Fortsetzung der Groko. Ich glaube, hier täte ein Urlaub mal gut, damit der Kopf wieder frei wird!!“

Ganz ähnlich äußern sich andere Sozialdemokraten der Region. So zum Beispiel Lukas Maaßen aus Willich, Kreisvorsitzender der Jusos: „Mausgerutscht, Uwe Schummer? Kevin Kühnert in eine Reihe mit der rechtsradikalen AfD zu stellen, ist populistischer Blödsinn. Haben Sie dieses Niveau nach 16-jähriger Parlamentszugehörigkeit wirklich nötig?“ Und Maaßens Willicher Genosse Hendrik Pempelfort schreibt auf Facebook: „Man kann eine Diskussion mit Würde führen, wie es SPD und Jusos beim Bundesparteitag getan haben, oder man twittert so einen Müll. Der ging echt daneben, Uwe Schummer.“

Sogar der SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil gehört zu denen, die auf Schummer reagieren. Er twittert: „Peinlich, Herr Kollege. Eine offene und lebendige demokratische Diskussion wie die SPD sie führt, ist das beste Mittel gegen Rechtspopulisten.“ Ähnlich sieht es Ulrich Kelber, Parlamentarischer Staatssekretär im Justizministerium: „Herr Kollege, das ist widerlich. Vorschlag: Vorher nachdenken. Jetzt bleibt Ihnen eigentlich nur eine dicke Entschuldigung.“

Das sieht Uwe Schummer mittlerweile genauso. Auf Nachfrage der WZ sagt er: „Was ich da gemacht habe, ist politisch nicht angemessen. Ich habe mich dafür schon auf Twitter entschuldigt.“ Tatsächlich heißt es dort: „Bei der Collage eines Willicher Bürgers handelt es sich um die zugespitzte Warnung, mit Kampagnen wie „Tritt ein, stimm mit nein“, AfD zu stärken. Da ich Gefühle verletzt habe, entschuldige ich mich.“

Wie Schummer weiter erläutert, sei er am Dienstagnachmittag von einer Veranstaltung der CDA in Kempen über die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung nach Hause gekommen. Dort habe er die Collage in seiner Post vorgefunden und gleich verbreitet, da ihn die genannte Juso-Kampagne ärgere. „Hätte ich zwei Minuten länger darüber nachgedacht, hätte ich es nicht gemacht.“ Persönliche Konsequenzen zieht der Willicher auch: „Ich habe mich für ein Twitter-Fasten entschieden.“

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