Neersen: Unbeständiges Wetter, kontrastreiche Texte

Neersen: Unbeständiges Wetter, kontrastreiche Texte

Bei der Gartenlesung trugen Schauspieler Texte großer Schriftsteller vor. Immer handelten sie von der Liebe.

Neersen. Die Dichter - die Liebe - das Chaos und das Glück: Unter diesem Motto stand die Gartenlesung zwischen den Mauern des Vorwerks von Schloss Neersen.

Obwohl es regnete, wollten knapp 40 Zuschauer nicht auf das Open-Air-Vergnügen verzichten. Und mittendrin ließ sich dann sogar die Sonne blicken: Das Wetter war so wenig beständig wie die Liebe, wie sie die Dichter erlebt und beschrieben haben.

Mit Verena Held, Susanna Mucha, Jürgen Hoppe, Josef Tratnik und Holger Stolz waren sehr unterschiedliche Schauspieler-Persönlichkeiten an der Gartenlesung beteiligt.

Sie trugen Texte von so unterschiedlichen Autoren wie Erich Kästner, Hanns Dieter Hüsch, Heinrich Heine und Kurt Schwitters vor. Diese Vielfalt war denn auch der Garant für abwechslungsreiche 40Minuten.

Susanna Mucha rezitierte Kurt Schwitters’ "Doppelmoppel" mit jugendlichem Charme, erzählte vom "Doppel-Leben und Doppel-Weib zum Doppel-Zeitvertreib".

Einen Ehekrach in Reimform von Kurt Tucholsky präsentierten Verena Held und Holger Stolz. Der Mann war auch hier wieder der Böse.

Verena Held fragte: "Wen muss man von vorne bis hinten bedienen, wer dreht sich um nach allen Blondinen?" Das interessierte Publikum nahm Weisheiten wie diese mit nach Hause: "Was ist der Nagel jeder Ehe? Zu langes Beisammensein und zu große Nähe."

Christoph Gahls "Ein Dornbusch" war der wohl längste Text der Gartenlesung. Während mehr und mehr Zuschauer ihre Schirme aufspannten, schilderten Verena Held und Josef Tratnik den Ehestreit zwischen Maja und Hubert, der schon von kleinsten Kleinigkeiten angefacht wird.

Holger Stolz sprach mit den Worten von Robert Gernhard Klartext: In der "Ostfriesischen Romanze" merkt der Autor trocken an: "Zwei Wochen lang wird sehr geflennt, dann hat man sich in Leer getrennt."

Das Publikum erlebte einen schwärmerischen Hanns Dieter Hüsch - Jürgen Hoppe gab einen Einblick, las die "Zwiebelschälende Ophelia". Kraftvoll und deftig dagegen die "Ballade" von Heinrich Heine, wie gemacht für Josef Tratnik.

Es war ein kontrastreiches Programm zwischen dunklen Wolken und strahlendem Sonnenschein, und damit ist nicht nur das Wetter gemeint. Erkenntnis des Nachmittags: Chaos und Glück liegen bei der Liebe eng beieinander.