Neersen: Produktion von Möbeln nach Vorstellungen von Erzieherinnen

Neersen/Kempen: Kita-Möbel nach Erziehrinnen-Vorstellung : Kita-Möbel passgenau aus Neersen

Roland Müller und seine Frau Charline haben ihre Produktion nach Vorstellungen von Erzieherinnen gestaltet.

Wer Kinder im Kindergartenalter hatte oder hat, kennt das: Beim gemeinsamen Basteln in der Einrichtung – Laternen für Sankt Martin sind in diesem Zusammenhang ein Klassiker – müssen die Erwachsenen-Beine unter die Mini-Tische gequetscht werden. Ist eine Zarge im Weg, kann es ganz schön wehtun. Vielleicht humpelt man sogar mit einem grün und blau werdenden Knie nach Hause – voller Mitleid für die Erzieherinnen, die tagtäglich an solchen Tischen sitzen müssen. Die Tischlerei Robert Müller mit Produktion an der Virmondstraße in Neersen würde solche Möbel am liebsten flächendeckend aus den Kitas verbannen.

Kitas in Kempen, Ratingen und Mönchengladbach als Kunden

An einigen Standorten war das Unternehmen bereits erfolgreich. Laut Charline Müller, die den Betrieb zusammen mit ihrem Mann führt, sind beispielsweise schon viele Mönchengladbacher Betreuungseinrichtungen mit Produkten aus Neersen ausgestattet. Hier, im Stadtteil Odenkirchen, lebt Familie Müller. Doch auch nach Kempen hat man schon geliefert: ins „Spatzennest“ und ins Tönisberger „Schlösschen“. Nach Ratingen gingen kürzlich 100 Stühle und 30 Tische. „Und das zwei Wochen nach Eingang der Bestellung“, sagt die 32-jährige Unternehmerin, die natürlich ganz genau weiß, dass es nicht zuletzt die langen Lieferzeiten sind, die Kita-Betreiber und -Personal nerven.

Überhaupt gibt man sich insgesamt äuérst selbstbewusst: „Als einziges Unternehmen in Deutschland fertigen wir Möbel dieser Art als Serienproduktion und schaffen es, diese günstiger oder preisgleich zu den großen Händlern anzubieten.“ Die Produkte werden aus „Multiplex-Birke“ hergestellt und seien daher „stabiler und langlebiger als die bisherigen Kindergartenmöbel“. Und die berühmt-berüchtigte Zarge? Auf die könne man verzichten, da man die Tischbeine in die Platte einlasse und dort verstärke. Die Produkte könnten zudem jederzeit wieder kostengünstig abgeschliffen und lackiert oder geölt werden, was bei anderen Möbeln nicht so leicht umzusetzen sei.

Die Müllers kamen durch den Nachwuchs auf die Geschäftsidee. „Als unsere Große in den Kindergarten ging, berichteten die Erzieherinnen von den Möbel-Problemen“, erzählt die dreifache Mutter. Kurzentschlossen habe man sich mit ihnen zusammengesetzt, um genau zu erfahren, was im Alltag benötigt wird und was an den bisherigen Möbeln stört. Hatte man früher vor allem „normale“ Tische, Stühle etc. (und kleine Regale für einen bekannten Gewürzhersteller) gefertigt, besteht das Hauptgeschäft inzwischen aus den Kita-Aufträgen. Laut Charline Müller wächst der Betrieb um 35 Prozent – pro Jahr. Das Paar beschäftigt neun Mitarbeiter, drei befinden sich in der Ausbildung, darunter auch ein Flüchtling.

Ausschreibungen erschweren
das Geschäft

Die Geschäfte könnten wohl noch besser laufen, gäbe es da nicht ein Hindernis: „Das Problem sind die Ausschreibungen“, kritisiert Charline Müller. Auch auf Nachfragen würde keine Zulassung für Multiplex erteilt. „Wobei die Städte kurz- wie auch langfristig ordentlich Geld einsparen und Unternehmen hier vor Ort unterstützen könnten.“ Das Personal vor Ort sei ohnehin überzeugt. „Viele Aufträge, die nicht ausgeschrieben werden müssen, landen inzwischen bei uns, da die Erzieherinnen unsere Möbel als gut und schön empfinden.“ Auch spezielle Sondermaße, sieht man von dem dann gegebenenfalls höheren Materialanteil ab, kosteten keinen Aufpreis. Charline Müller nennt dazu ein Beispiel aus einer integrativen Einrichtung: Für ein Kind habe die Sitzfläche eines Stuhls ein weniger enger, die Stuhlbeine dafür ein wenig länger sein müssen. „Das lässt sich machen, ohne dass sofort die Kosten explodieren.“

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