Freiwilliges Engagement : Junge Neersenerin hilft in Ecuador

Die Studentin Natalie Krüger absolviert bald einen einjährigen Freiwilligendienst an der Westküste Südamerikas.

„Ich werde den Menschen in Ecuador Einblick in unsere Kultur ermöglichen und ihre Ansichten wiederum mit zurück nach Deutschland bringen“, sagt Natalie Krüger. Die 23-jährige Studentin beschreibt damit, welche Erwartungen sie an den Freiwilligendienst hat, der sie ab Mitte Januar für ein Jahr lang nach Ecuador führen wird.

Ihr ist bewusst, dass sie mit ihrem Engagement weder die Welt retten noch die Probleme in Ecuador mit einem Handstreich lösen kann. „Es wäre sehr arrogant, anzunehmen, dass eine junge Studentin aus dem reichen Deutschland dazu in der Lage wäre“, sagt die Studentin der Medien- und Kulturwissenschaften, die an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf gerade ihren Bachelorabschluss macht. Aufgewachsen ist sie in Neersen.

Von Helferinnen wie Krüger wird Flexibilität verlangt

So ganz überraschend ist ihr ungewöhnliches Engagement nicht. Natalie Krüger hat schon bei mehreren Freiwilligen-Projekten mit Teilnehmern aus der ganzen Welt mitgemacht. „Ich war schon in Japan, Spanien und Frankreich und habe zwei sogenannte Workcamps selbst geleitet“, sagt sie. Die Workcamps werden vom Verein ICJA Freiwilligenaustausch weltweit organisiert, in dem auch Natalie Krüger Mitglied ist. Bei einem ihrer frühen Einsätze hat sie dann auch einen Teilnehmer aus Ecuador kennengelernt. Und daraus entstand ihre Idee, selbst mal dort zu helfen.

Was sie genau an der Westküste Südamerikas erwartet, weiß Natalie Krüger noch nicht. „Ich werde voraussichtlich in einem sozialen Projekt mitarbeiten. Welches es sein wird, erfahre ich allerdings erst kurz vorher von der ecuadorianischen Partnerorganisation“, sagt sie. Es könnte zum Beispiel sein, dass sie sich um Straßenkinder kümmert oder ein Öko-Projekt betreut. Deshalb müsse man sehr flexibel und offen für alles sein.

Los geht es Mitte Januar mit dem Flug in die ecuadorianische Hauptstadt Quito, wo sie sich mit ihren teilnehmenden Kollegen treffen wird. Von dort aus erfolgt nach einem zweiwöchigen Einführungsseminar die Verteilung der Helfer auf das gesamte Land.

Ein ganzes Jahr weg von zu Hause – für Natalie Krüger scheint das kein Problem zu sein. Für ihre Eltern schon eher. Mutter Juliane und Vater Bernd freuen sich im heimischen Neersen zwar für ihre Tochter, machen sich aber ein wenig Sorgen, wenn sie fast 10 000 Kilometer Luftlinie entfernt sein wird. „Vor allem meine Mutter hat viel Angst wegen der Kriminalität dort“, weiß Natalie Krüger.

Das Auslandsjahr
kostet Krüger 13 600 Euro

Ganz billig ist ein solches Auslandsjahr natürlich nicht. Rund 13 600 Euro müssen dafür finanziert werden. 10 000 Euro übernimmt das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, mit dem der Verein ICJA zusammenarbeitet. Damit sind aber nicht alle Kosten abgedeckt, sodass Natalie Krüger rund 3600 Euro selbst „besorgen“ muss – 2600 davon bis Ende November.

Damit sie das nicht aus eigener Tasche finanzieren muss, ist die Studentin dabei, einen Förderkreis aufzubauen, der ihre Arbeit und die des Vereins ICJA unterstützen soll. „Viele reagieren darauf positiv“, sagt sie. Als „Gegenleistung“ bleibt Natalie Krüger mit den Spendern in Kontakt und kann ihnen beispielsweise während ihres Aufenthalts Berichte von ihrer Arbeit in Ecuador schicken. Gegen weitere Spenden hat sie natürlich nichts einzuwenden. Mehr Infos  gibt Natalie Krüger in ihrem Reiseblog (weitere Infos siehe Kasten).

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