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Nach Corona-Ärger und Ratsabsage: UWT auf Distanz zu Michael Lambertz

Wählergemeinschaft entbindet Fraktionschef bis April 2021 von seinen Aufgaben : UWT auf Distanz zu Michael Lambertz

Als Reaktion auf den politischen Ärger in Tönisvorst: Lambertz wird als Fraktionsvorsitzender bis April 2021 von seiner Tätigkeit entbunden.

Die UWT geht auf Distanz zu ihrem ehemaligen Parteichef und amtierenden Fraktionsvorsitzenden Michael Lambertz, dem sie zur Kommunalwahl noch das Vertrauen als Bürgermeisterkandidat geschenkt hatte.

Lambertz (41) wird, teilte die Unabhängige Wählergemeinschaft Tönisvorst am Sonntagabend mit, als Vorsitzender der Fraktion bis zum 31. März 2021 von seiner Tätigkeit entbunden.

Damit ist er aktuell raus aus der Spitzenriege der Lenker in der Gemeinschaft. Seit der Kommunalwahl ist Lambertz nicht mehr Vorsitzender der UWT. Das Amt hat Christian Link übernommen.

Wie die WZ am Samstag berichtete, hat Lambertz am vergangenen Montag an einem Abstimmungstreffen der Fraktionsvorsitzenden aller Tönisvorster Ratsparteien mit Bürgermeister Uwe Leuchtenberg teilgenommen, in der nach vorausgehendem zähen Ringen letzte Details vor der konstituierenden Ratssitzung mit Vereidigung des Bürgermeisters abgestimmt werden sollten (Ausschussbesetzung etc). 

In der ersten Berichterstattung hatte die WZ-Redaktion auf Rücksicht auf das familiäre Umfeld von Lambertz seinen Namen nicht genannt. Mit der Mitteilung der UWT ist die Voraussetzung nun eine andere. 

Die Siebener-Runde tagte am Montag im Ratssaal. Zum Zeitpunkt der Teilnahme von Michael Lambertz „befand sich eines seiner häuslichen Familienmitglieder in behördlich angeordneter Quarantäne, er selber hatte Erkältungssymptome. Unter diesen Umständen hätte Herr Lambertz an der Fraktionssitzung unter keinen Umständen teilnehmen dürfen“, schreiben Heidrun Sorgalla und Silvia Beltau im Namen der UWT. „Die Fraktion bedauert den Verlauf der Ereignisse und die durch das Verhalten von Herrn Lambertz herbeigeführte Gefährdung des Bürgermeisters und der Fraktionsvorsitzenden zutiefst.“

 Man hoffe, dass sich niemand infiziert und/oder eine Infektion an andere Beteiligte weitergegeben hat. „Wir entschuldigen uns ausdrücklich für jeden Nachteil und jeden Aufwand, den die Beteiligten in den letzten Tagen auf sich nehmen mussten“, so Heidrun Sorgalla, die ab sofort Interimsfraktionsvorsitzende ist. Stellvertretender Fraktionsvorsitzender bleibt Fred Schwirtz. Bis zum 31. März wolle man mit Michael Lambertz die Geschehnisse „umfassend aufarbeiten“.

Nach der Stichwahl am 27. September hatte die UWT auf ihrer Facebook-Seite gepostet: „Der Vorstand der UWT und die gesamte UWT-Ratsfraktion wünschen dem neuen Bürgermeister der Stadt Tönisvorst Uwe Leuchtenberg herzlichen Glückwunsch zur gewonnenen Stichwahl. Wir freuen uns auf eine vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit während der anstehenden Ratsperiode.“

Das Vertrauen war in der vergangenen Woche durch Lambertz erschüttert worden. Fassungslosigkeit und Wut durchzog die politischen Reihen, nachdem am Donnerstag nach dem zuvor festgestellten positiven Corona-Test von Lambertz die konstituierende Ratssitzung aus Gründen des Infektionsschutzes vorsichtshalber abgesagt wurde und der Start in die politische  Arbeit zeitlich wieder nach hinten geschoben werden musste.

Die Stellungnahme der UWT dazu: „Wir bedanken uns ausdrücklich für die Umsicht des Bürgermeisters, die auf den vergangenen Donnerstag terminierte Ratssitzung kurzfristig abzusagen, um den Schutz aller Ratsmitglieder zu gewährleisten. Uns ist bewusst, dass wir als Ratsmitglieder Vorbildfunktion haben und in diesen für alle Bürgerinnen und Bürger nicht einfachen Zeiten den Infektionsschutz und die geltenden Regeln in besonderer Weise zu beachten haben.“ Um „verlorengegangenes Vertrauen in unsere Integrität“ wiederherzustellen, habe man nun die Maßnahmen beschlossen.

Die Haltung der Wählergemeinschaft bekräftigt die Pressemitteilung mit den  Stellungnahmen  der vier Ratsmitglieder. Vorsitzender Link wird so zitiert: „Wir hoffen, dass sich weder der Bürgermeister noch andere Fraktionsvorsitzende mit dem Virus infiziert haben und weitere Familienangehörige, Freunde, Bekannte und Verwandte nicht betroffen sein werden. Wir hoffen und wünschen Herrn Lambertz und seiner Familie schnelle und gute Genesung.“

Fred Schwirtz, den Lambertz, wie dieser gegenüber der WZ am Freitag betonte, wegen eines Todesfalls in dessen Familie nicht als Vertreter in die Montagssitzung schicken wollte, sagt:  „Ich möchte allen Beteiligten mein aufrichtiges, ernst gemeintes Bedauern aussprechen. Mir tut es leid, wenn ich daran denke, das aus einer Verkettung im Zweifel guter Absichten bei vermeintlicher Unkenntnis eine Gefährdungslage entstanden ist, die sehr wahrscheinlich auch persönliche Ängste bei allen Betroffenen ausgelöst hat.“

 Geschäftfüherin Silvia Beltau unterstreicht: „Die Absage der Ratssitzung fand unsere uneingeschränkte Unterstützung. Die durchgeführten vorsorglichen Testungen zur Eindämmung einer möglichen Infektionslage ist dank der schnellen und richtigen Entscheidung von Uwe Leuchtenberg  schnellstmöglich umgesetzt worden. Dafür sind wir unserem neuen Bürgermeister sehr dankbar und entschuldigen uns auch bei den Mitarbeitern/Mitarbeiterinnen der Verwaltung für die entstandenen Unannehmlichkeiten und massiven Veränderungen der eigentlichen Verwaltungsabläufe, die zu Beginn einer jeden neuen Legislaturperiode ohnehin ihre besonderen Herausforderungen beinhalten.“

 Interims-Fraktionsvorsitzende Heidi Sorgalla kündigte an:  „Ich werde mich bemühen, allen Beteiligten, den Fraktionsvorsitzenden, den Ratsmitgliedern, aber auch den Bürgerinnen und Bürgern Rede und Antwort zu stehen und verloren gegangenes Vertrauen zurück zu erlangen. Es ist an der Zeit mit leisen, aber klaren Tönen aufzutreten.“