Stadt Willich: Mit Willy Brandt gegessen, mit Johannes Rau gespielt

Stadt Willich : Mit Willy Brandt gegessen, mit Johannes Rau gespielt

Werner Oerschkes ist kürzlich 80 Jahre alt geworden. Der Ur-Anrather hat der WZ einige Anekdoten erzählt.

Anrath. Die Sieben ist weg, dafür steht jetzt die Acht an erster Stelle — Mitte Januar trat für Werner Oerschkes der Zahlenwechsel ein. Der bekannte Anrather feierte seinen 80. Geburtstag in seinem Heimatort mit vielen bekannten Gesichtern. Darunter Willichs Bürgermeister Josef Heyes.

Oerschkes kennt die Aufgaben eines Bürgermeisters bestens. War der Ur-Anrather doch unter Bürgermeisterin Käthe Franke selbst sechs Jahre stellvertretender Bürgermeister. „Es waren allein rund 180 Geburtstage, die ich in diesem Amt als Vertreter der Ersten Frau von Willich wahrgenommen habe“, berichtet der 80-Jährige lächelnd.

Seine politische Laufbahn, die der SPD-Mann schon früh neben Beruf und Familie eingeschlagen hatte, führte ihn 1964 in den Gemeinderat. Acht Jahre später wurde er Fraktionsvorsitzender der SPD. Ein Amt, das er 14 Jahre lang innehatte. Dazu kam die Tätigkeit als Kreistagsabgeordneter für fünf Jahre. „Ich war in jungen Jahren sogar Kreisvorsitzender der Jungsozialisten“, erzählt Oerschkes.

Beim Blick zurück gibt es viele besondere Momente. Er hat mit Willy Brandt zusammen in Brüggen zu Abend gegessen, mit Johannes Rau in Süchteln Karten gespielt — und mit Jochen Vogel Unterschriften gegen die Tiefflieger, die seinerzeit Willich kreuzten, gesammelt. Richard von Weizsäcker überreichte ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande. Mit Käthe Franke zusammen wurde für die Anrather Turnhalle am Hochheideweg demonstriert — und auch die Neersener Schlossfestspiele erfuhren vom ersten Moment an seine Unterstützung. „Wir sehen uns jedes Jahr mit Begeisterung alle Stücke an“, sagt Oerschkes.

Werner Oerschkes

Doch das waren nicht seine einzigen Aktivitäten. Er ist Mitgründer des Bürgerbusvereins Anrath, dessen Vorsitzender er über viele Jahre war. Auch Familie und Hobby waren ihm wichtig. Unter seiner Regie entstand ein Nachbarschaftsverein, der im Garten von Oerschkes seine Feste feierte. Seit 65 Jahren gehört er dem Tischtennisverein Anrath an, denn das war sein liebstes Hobby. Innerhalb der Gottfried-Kricker-Stiftung ist er der einzige, der den Namensgeber noch persönlich gekannt hat: „Mein Vater war Schuhmacher, und ich musste die Schuhe zu Dr. Kricker bringen. Da gab es immer 20 Pfennig Trinkgeld“, plaudert Werner Oerschkes.

In Anrath aufgewachsen, besuchte er die dortige Schule, der später die Handelsschule folgte. Bereits während seiner Ausbildung zum Textilkaufmann besuchte er Abendkurse für den Textilingenieur. „Ich war manchmal so müde, dass ich im Hörsaal eingeschlafen bin“, gibt der 80-Jährige freimütig zu. Später war er 25 Jahre im Außendienst tätig.

Seine Frau Margret, eine Neersenerin, lernte er auf dem Schützenfest in Niederheide kennen, als er 17 Jahre alt war. Geheiratet wurde mit 22 Jahren standesamtlich, die kirchliche Hochzeit kam später. „Wir mussten heiraten, weil wir sonst die Wohnung an der Neersener Straße nicht bekommen hätten. Unverheiratet wären wir nicht als Mieter genommen worden“, erzählt Werner Oerschkes.

Später wurde am Vogelsang gebaut. Heute lebt das Ehepaar in einer der neuen barrierefreien Wohnungen am Kirchplatz und nennt neben seinen beiden Söhnen Ralf und Alexander 13 Enkelkinder sowie zwei Urenkel sein eigen.

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