Altkleider: Mit Tatkraft für den guten Zweck

Altkleider : Mit Tatkraft für den guten Zweck

Mitglieder der Willicher Kolpingsfamilie haben zum 34. Mal Altkleider gesammelt.

Willich. Ich streife die Arbeitsweste der Kolpingsfamilie über. Tatkraft steht darauf. Und die wird an diesem Morgen auch erwartet. Die Kolpingsfamilie Willich hat Ende August im Stadtgebiet Plastiksäcke verteilt. An diesem Samstagmorgen wird zum 34. Mal eingesammelt, was Bürger an Altkleidern gut verschnürt und zugeklebt auf die Bürgersteige gestellt haben.

Ich bin Heinz Malessa und Kerstin Ruiter zugeteilt. Wir sind eins von mindestens sechs „Gespannen“, die sich mit Lieferwagen und Pkw mit Anhänger auf dem Schützenplatz treffen, um die Bezirke abzufahren. Ein Lkw-Anhänger steht auf dem Platz. Ganz hinten durch, auf der Ladefläche, stapeln sich kurz nach 9 Uhr einige Kleidersäcke, die Frühaufsteher im Kofferraum ihres Autos vorgefahren haben.

Foto: Friedhelm Reimann

„Na, dann mal los“, sagt Heinz Malessa und setzt sich ans Steuer des Wagens, der werktags für den Malerbetrieb Steffens unterwegs ist. Wir grasen die Bezirke 8 a und b ab, Wohnstraßen rund um die Grundschule Im Mühenfeld. Wir sitzen auf der Fahrerbank nebeneinander und halten die Augen in alle Richtungen offen. Unsere Ladefläche ist noch leer.

Heinz Malessa und Kerstin Ruiter stimmen die Route ab, damit auch keine der Straßen und Sackgassen in diesem Viertel übersehen wird. „Hier war ich noch nie“, sagt Malessa, als er im Wendehammer einer Stichstraße dreht. Auf der Stahlstraße liegen Altkleidersäcke. Kerstin Ruiter und ich steigen aus. Die Kolpingbeutel sind weiß und handlich. Bei blauen Plastiksäcken müssen wir schon fester zupacken, weil sie größer sind und voll gepackt schwerer wiegen. Regenschauer vom Morgen haben hunderte Wassertropfen auf ihnen hinterlassen. Was lernt man daraus? Das nächste Mal den Beutel erst einmal schütteln wie einen nassen Regenschirm, dann bleiben auch die Jackenärmel trocken.

Eine Frau, die mit Hunden unterwegs ist, bleibt an der Ecke zur Beckerstraße stehen und ruft zu uns herüber: „Kommen Sie auch noch hierher?“ Klar, machen wir. Weiter geht’s. Kerstin Ruiter und ich sitzen nun im Fond des Wagens. Sobald Heinz Malessa stoppt, öffnen wir die Hecktür, eine holt die Fracht, die andere nimmt an und stapelt sie auf der Ladefläche. Auf unserer Route ändern wir unsere Taktik noch einmal. Nur ich bleibe hinten. Kerstin Ruiter setzt sich wieder nach vorne, denn vier Augen sehen mehr als zwei.

„Jetzt links, hier waren wir schon.“ Kerstin Ruiter kennt das Straßengeflecht am besten, sie ist es schon abgelaufen. Eine Haustür an der Stahlstraße hat sie aber offenbar übersehen. Eine Frau steht mit einem gepackten Karton auf einer Einfahrt: „Mir werfen Sie nie eine Tüte ein“, sagt sie. Ein Versehen.

„Mal sehen, wie viel Tonnen es heute werden“, sagt Malessa. Die Erfahrung zeigt, dass mittlerweile bei den drei Zwischensammlungen mehr reinkommt, als bei dieser jährlichen Altkleider-Aktion. „Die Leute wollen die gepackten Säcke nicht mehr lange zu Hause stehen haben. Sie bringen sie direkt zu uns zum Lager.“ Dort, an der Martin-Rieffert-Straße 32-34, haben fleißige Familienmitglieder von Kolping schon vor der Samstagssammlung einen Lkw komplett gepackt. Dazu zählen auch die Spenden, die die Kolpingsfamilie St. Tönis eingesammelt hat.

Die Beinfreiheit im Heck nimmt ab. Der Tütenberg gibt ein gutes Gefühl. Um 10.30 Uhr haben wir den Bezirk geschafft. Wir fahren zurück zum Schützenplatz. Dort stehen andere Gespanne schon Schlange. Max und Lukas, zwei Jungs, hocken auf einem Anhänger und geben Säcke weiter in eine Menschenkette. Sie reicht bis hinauf auf die Ladefläche des Lkw, der in den zurückliegenden eineinhalb Stunden schon beachtlich viel an neuer Fracht geschluckt hat.

Siegfried Gaubitz vom Kolping-Leitungsteam und Organisator Hans Schmid sind zufrieden. Es gab viele helfende Hände. Die Kolpingsfamilie Willich ist mit fast 300 Mitgliedern eine starke Gemeinschaft. Auch etliche junge Leute packen mit an. Kerstin Ruiters Kinder wären auch dabei gewesen. „Aber sie hatten diesmal eine Pflichtveranstaltung in der Schule.“ Ich streife meine Weste ab, verabschiede mich vom Team, das hier längst noch nicht Feierabend hat. Dafür sehe ich auch nichts von den Frikadellen und Brötchen. Die Stärkung für Tatkraft.