Mit Lichtern gegen Gewalt und Verfolgung

Mit Lichtern gegen Gewalt und Verfolgung

In Willich zog am Samstag eine Gedenkprozession zum Friedenskreuz. Die Teilnehmer sangen, beteten und sprachen Fürbitten.

Willich. Etwa 300 Menschen standen am Samstag am Friedenskreuz zwischen Ritter-, Martin-Rieffert- und Neusser Straße in Willich. Sie erklärten dadurch ihre Verbundenheit und Solidarität mit denjenigen, die selbst ihr Kreuz zu tragen haben, die Opfer von Gewalt wurden oder wegen ihrer Hautfarbe oder Weltanschauung verfolgt werden.

Foto: Kurt Lübke

Die von dem Kempener Historiker Hans Kaiser organisierte Gedenkprozession setzte sich von der Pfarrkirche St. Katharina aus in Bewegung. Als der Lichterzug am Kreuz ankam, wurde gesungen und gebetet, sprachen einige bekannte Persönlichkeiten die Fürbitten. Darunter waren der CDU-Bundestagsabgeordnete Uwe Schummer, Willichs SPD-Fraktionsvorsitzender Bernd-Dieter Röhrscheid sowie das Ehepaar Marita und Norbert Blüm.

Marita Blüm stammt aus Willich. Ihr Vater hatte vor 70 Jahren das Holz für das Kreuz gestiftet. Wohlwissend, dass die Menschen selbst für die Kriege und Terrorakte verantwortlich sind, fragte und sagte sie in ihrer Fürbitte: „Herr, wo bist Du? Ich habe dich nicht gesehen, als in Syrien Kinder vergast wurden. Ich sehe Dich nicht, wenn in Äthiopien Menschen verhungern. Ich habe Dich nicht gesehen, als in St. Petersburg Unschuldige in die Luft gesprengt wurden. Hilf uns, das Böse zu bekämpfen, Leid zu mindern und das Unrecht zu besiegen.“

Worte zum Gedenken sprachen auch Seelsorger der katholischen und evangelischen Kirche, Friedhelm Messerschmitt und Rolf Klein. Auch aus Kempen und Krefeld waren Geistliche da, ebenso der Männer-Seelsorger des Bistums Aachen, Mario Schleypen.

Im Frühjahr 1947, also vor 70 Jahren, als überall im Rheinland die Rückbesinnung auf religiöse Werte einsetzte, hatte Landwirt Hans Binger vom Nauenhof das Eichenholz gestiftet, aus dem Peter Dohmganz das Friedenkreuz zimmerte. In der Nacht des Passionssamstages, 22. März 1947, versammelten sich am fünf Meter hohen Kreuz mehr als 800 Männer, größtenteils kriegsversehrt. In der von Hunger und Not geprägten Nachkriegszeit war das Kreuz ein Symbol der Hoffnung der Menschen nach innerem und äußerem Frieden. Daran hat sich nicht viel geändert.

Die von Hermann Lang angeführte Straßengemeinschaft „Steenallee“ hatte im Vorfeld der diesjährigen Gedenkprozession gemeinsam mit Karl Greins und Klaus Radtke am Kreuz das Beet gesäubert und rings herum kleine Fahnen aufgestellt.

Nachbar Philip Müller war auch da. Er hatte mit dafür gesorgt, dass das Kreuz vor einiger Zeit restauriert wurde. Unter anderem hatten sich daran Maler Stefan Greis, Schlosser Klaus Caris, Schreiner Karl Matter und die Feuerwehr beteiligt. Einige Mitglieder der Ehrenabteilung bildeten die Spitze des Prozessionszuges, darunter Hans Maubach, Werner Zensen und Theo Heyes.

„Wir sind hier die Rollatoren-Gang“, sagte schmunzelnd Corinna Langels, die unter anderem mit Gisela Preuß, Gerta Kerkhoff und Käthe Dahmen da war und das Kreuz am Tag der Prozession etwas aufgehübscht hatte. „Das gelbe Tuch dort oben ist meine Tischdecke“, sagte sie. „Und ich habe gesehen, als das Kreuz hier vor 70 Jahren aufgestellt wurde“, ergänzte die 86-jährige Regine Baumanns.

Stadtarchivar Udo Holzenthal erinnerte mit Hilfe von zwei Info-Tafeln an die Geschichte des Kreuzes. Zum Schluss stimmte Elena Filippaki-Knobbe, die 16 Jahre lang in Willich gewohnt hat, die ersten Strophen des Liedes der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung („We shall overcome“) an.

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