Mit Hammer den Altar zerstört

Mit Hammer den Altar zerstört

Mit einem feierlichen Ritual wurde die Neersener Pfarrkirche entwidmet.

Neersen. Es war ein außergewöhnlicher Gottesdienst am Samstag Abend in der Pfarrkirche St. Mariae Empfängnis: Nicht nur, dass Weihbischof Johannes Bündgens 13 Jugendlichen das Sakrament der Firmung spendete - das seit 1962 in dieser Form existierende Gotteshaus wurde offiziell entwidmet.

Nach dem rund 2,5 Millionen Euro teuren Umbau der bestehenden Pfarrkirche wird das Pfarrzentrum dann in den Kirchenbau integriert worden sein. Weihbischof Bündgens ließ die Geschichte der Kirchen in Neersen Revue passieren, von der Kapelle Klein Jerusalem über eine Kapelle, dort, wo jetzt die Pfarrkirche steht aus dem 17. Jahrhundert, bis hin zur Gegenwart.

Pastor Markus Poltermann gab Folgendes zu verstehen: „Das war für ganz lange Zeit der letzte Gottesdienst an dieser Stelle.“

Die Außerdienststellung des Gotteshauses wurde symbolisch vorgenommen. Küster Karl Hüsers löschte die Kerzen, Poltermann „entkleidete“ den Altar, faltete säuberlich das darauf liegende Tuch zusammen.

Vor allem für die betagten Gottesdienstbesucher waren dies denkwürdige Momente. Kinder schauten erschrocken, als Markus Poltermann sich einen Hammer geben ließ und die Altarplatte mit einem kräftigen Schlag zerstörte. Es folgte das Öffnen und Leeren des Tabernakels.

Den Hammerschlag deutete er als „Weckruf für einen neuen Anfang“. Und er erklärte, dass die Kirche geweiht bleibe. Die Bleidose mit Reliquien des Heiligen Gereon und der Heiligen Ursula wird während der Umbauarbeiten ins Bistum nach Aachen gehen.

Gemeindereferentin Sabine Grotenburg rief die rund 300 Menschen zu einem letzten gemeinsamen Gebet auf. Die Messdiener und Weihbischof Johannes Bündgens führten die anschließende Prozession mit dem Allerheiligsten und der Osterkerze zum Gemeindezentrum „Brücke“ bei leichtem Regen an.

Markus Poltermann machte Druck: Er drängte die Besucher zum Verlassen der Kirche, wollte abschließen. Er schätzt, dass die Umbauarbeiten zwischen anderthalb und zwei Jahren dauern werden. Anschließend soll die „Brücke“ vermarktet werden. Sie steht auf einem 3400 Quadratmeter großen Grundstück — 2700 davon gehören der Kirche, 700 der Stadt Willich.