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Mit einem Geisterfahrrad erinnert die Neersener Familie Janßen an den tödlich verunglückten Familienvater.

Tödlicher Unfall am 23. August 2019 : „Geisterfahrrad“ mahnt zur Rücksichtnahme im Verkehr

Ein weißes Fahrrad an der Unfallstelle erinnert an den tödlich verunglückten Frank Janßen aus Neersen.

„Wegen des windigen Wetters haben wir es sicherheitshalber abgehängt. Wir hatten Sorge, dass es fliegen gehen könnte“, sagt Sonja Janßen, die gerade mit ihrem Sohn Tobi ein Schild an einem weiß lackierten Fahrrad anbringt. Ein Schatten huscht über das Gesicht der Neersenerin, als sie auf das Schild blickt, das von einem schwarzen Kreuz bestimmt wird, neben dem zu lesen ist: „Radfahrer 53 Jahre. Geb. 25. 7. 1966, gest. 23. 8. 2019“. Buchstaben und Zahlen, die schmerzen. Hinter diesen Daten verbirgt sich Janßens Mann. Frank Janßen kam bei einem Verkehrsunfall mit dem Fahrrad an der Krefelder Straße in Mönchengladbach-Neuwerk ums Leben.

„Frank hatte sich ein neues Fahrrad gekauft, und wollte wieder öfter damit zur Arbeit fahren. Auf dem Weg zur Arbeit ist der Unfall morgens um kurz nach 5 Uhr passiert. 50 Meter weiter wäre er bei seiner Arbeitsstelle gewesen“, berichtet Janßen mit leiser Stimme. Für sie ist es nach wie vor unbegreiflich, wie es zum Unfall kommen konnte, der ihr den Mann, den Kindern den Vater und den Enkelkindern den Opa nahm. „Wir wünschen uns alle, dass solch schreckliche Unfälle nicht mehr passieren und andere Menschen nicht das durchmachen müssen, was wir durchgemacht haben“, sagt die 52-Jährige.

Die Idee für die „Ghost Bikes“
stammt aus den USA

Dafür steht nun das weiße Rad in der Nähe der Unfallstelle an der Krefelder Straße. Es handelt sich um ein sogenanntes Geisterfahrrad, mit dem Janßen nicht nur an ihren verstorbenen Mann und weitere im Straßenverkehr tödlich verletzte Radfahrer erinnern möchte: Sie will ein Mahnmal setzen, das alle Menschen daran erinnert, im Straßenverkehr aufeinander Rücksicht zu nehmen und vorsichtig zu sein. „Ich hatte bis dato noch nie etwas von den Ghost Bikes, wie sie eigentlich heißen, gehört. Die Arbeitskollegen meines Mannes sprachen mich darauf an“, erzählt die Neersenerin.

Die Idee, weiß gestrichene Fahrräder als Mahnmale für tödlich verunglückte Radfahrer aufzustellen, kommt aus den USA. Neben der Funktion als Gedenkstätte sollen sie auch auf Gefahrenpunkte im Straßenverkehr aufmerksam machen und sensibilisieren, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Janßen begrüßte die Idee der Arbeitskollegen. Sie lackierten ein Fahrrad um und bauten in Absprache mit der Neersenerin Halterungen für Grableuchten, Blumen und das Erinnerungsschild an das Rad. Zuvor waren die entsprechenden Genehmigungen bei der Stadt Mönchengladbach und beim Besitzer der Tankstelle eingeholt worden, da das Rad auf dessen Rasenfläche, die kurz hinter dem Fahrradweg liegt, aufgebaut werden sollte. Überall gab es grünes Licht.

Eine Halterung kam in den Boden, das Rad wurde fest montiert. „Wer allerdings das Holzkreuz am Rand der Grasfläche montiert hat, wissen wir nicht. Es stand schon da, als das Geisterfahrrad montiert wurde“, sagt Janßen. Wobei auf dem Kreuz ebenfalls „Radfahrer 53 Jahre“ und das gleiche Todesdatum zu lesen sind. Es scheint sich also ebenso auf den Unfall im vergangenen Jahr zu beziehen. „Wir hoffen, dass sich mehr Sensibilität seitens der Verkehrsteilnehmer entwickelt. Wer das Rad sieht, denkt vielleicht einmal darüber nach, wie er selbst für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen kann“, hofft Tobi Janßen. Der 20-Jährige lernte von seinem Vater, immer gut beleuchtet und erkennbar Rad zu fahren sowie vorsichtig und vorausschauend unterwegs zu sein. Etwas, das der 53-Jährige selbst umsetzte. Aber das reichte nicht.

„Es kommt auch auf die anderen Verkehrsteilnehmer an. Nur gemeinsam können Unfälle verhindert werden. Jeder ist gefragt. Wir haben erfahren, wie schnell Leben vorbei sein kann. Wir möchten ein Bewusstsein für Rücksicht im Straßenverkehr schaffen. Das Geisterfahrrad soll ein Stück weit helfen“, betont Sonja Janßen. tre