„Mit diesen Bildern holt einen das Grauen ein“

„Mit diesen Bildern holt einen das Grauen ein“

Ammar Abdal malt das Schicksal der Jesiden. Rolf Tophoven spricht zur Eröffnung über die politische Lage in der Welt.

Willich. Die Ausstellung, die am Wochenende im früheren „Flüchtlings-Atelier“ im ehemaligen Schlecker-Ladenlokal zu sehen war, ist nichts für Zeitgenossen mit schwachen Nerven.

Die Bilder des aus dem Irak stammenden Malers und Bildhauers Ammar Abdal sind Wachrüttler und schon der Titel der Ausstellung „Dunkler Wind — Schicksal der Jesiden“ lässt erahnen, dass der in Gref-rath lebende Künstler Licht in menschliche Abgründe gebracht hat.

Es sind Bilder wie aus einem Horrorfilm. Abdal zeigt das Leid der Jesiden in jedem ihrer Gesichter. So exakt er auch mit dem Pinsel gearbeitet hat, Fotorealismus sieht anders aus: Viele Bilder wirken wie der Wirklichkeit entrückt, wie aus einem Alptraum — und sie sind voller Symbolik.

Man muss nicht über die spezifische Sensibilität einer Frauenrechtlerin verfügen, um tiefe Abscheu zu empfinden angesichts der angeketteten Frauen, die von den IS-Terroristen auf einem Sklavenmarkt feilgeboten werden.

Die Schreie der Menschen sind förmlich zu hören, das Blutbad in einer Kaserne in Tigrid kann beim Betrachter Würgereize auslösen, wird er doch Zeuge eines Massenmordes, aber Ammar Abdal hat einen Teil der teuflischen Szenerie in Sonnenlicht getaucht als Zeichen der Hoffnung.

Die beiden Künstlerinnen Beate Krempe und Anne Fiedler hatten die Ausstellung organisiert samt einem Rahmenprogramm. Der stellvertretende Bürgermeister Guido Görtz freute sich, dass jetzt wieder Leben in den Räumen von „Art.together“ war. „Eigentlich müsste diese Ausstellung eine Pflichtveranstaltung für alle Schülerinnen und Schüler sein“, erklärte Görtz. Die Bilder veranschaulichten auch, dass der Friede, wie er bei uns seit fast 73 Jahren herrscht, keine Selbstverständlichkeit ist.

In Grefrath lebt nicht nur Ammar Abdal, sondern auch der Terrorismus-Experte Rolf Tophoven. Der Direktor des Essener Instituts für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik machte keinen Hehl daraus, dass die politische Lage derzeit reichlich unübersichtlich ist: „Die Eskalationsspirale dreht sich immer schneller. Die Nato-Partei Türkei geht auf syrischem Boden gegen die vom Nato-Partner USA unterstützten Kurden vor.“

Was er zu der Ausstellung sagte: „Hier holt einen das Grauen ein — ein Grauen, das nur wenige Flugstunden von uns entfernt ist.“ Tophoven beklagte, dass die Verfolgung und Versklavung der Jesiden im nördlichen Irak bereits in den Hintergrund gerückt sei.

Ammar Abdal bekämpfe den Terrorismus mit dem Pinsel. Der Terrorismus könne nicht besiegt, wohl aber eingedämmt werden. Darüber dürften Niederlagen der IS nicht hinwegtäuschen. „Viele ländliche Regionen im Irak und in Syrien sind noch in der Hand der IS-Kämpfer, von dort kann ein Guerillakrieg ausgehen.“

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