Milchkühe „spurten“ auf die Weide

Der Winter ist vorbei: Auf dem Zenshof in Willich konnte mit einiger Verspätung der Weideaustrieb über die Bühne gehen.

Willich. Peter und Petra Zens produzieren seit Herbst vergangenen Jahres auf ihrem Schauhof an der Dickerheide 200 Bioqualität. Am Samstag kamen rund 150 Zuschauer, um sich ein Ritual nicht entgehen zu lassen: den Weideaustrieb.

90 Milchkühe konnten es gar nicht erwarten, endlich aus dem Stall herauszukommen. Wegen des plötzlichen Kälteeinbruchs im März war die Aktion um zwei Wochen verschoben worden. Mit dabei: Jan Leifert, Landesgeschäftsführer von Bioland NRW, Annette Angenendt von der Bioland- Presse- und Öffentlichkeitsstelle sowie Manon ten Dam von der Familien-Molkerei Aurora.

Peter Zens, Bio-Landwirt

Sie legten einen Spurt hin, als hätten sie sich wochenlang auf nichts anderes so sehr gefreut, wie endlich den Stall verlassen zu können — und sie wirkten so richtig glücklich, als es jetzt so weit war. „Meine Frau kennt alle 90 Kühe beim Namen“, sagte Peter Zens (49).

Petra Zens hat sich vor einiger Zeit für die Imkerei begeistern können. Und im Zusammenhang mit dem Bienensterben sei sie an die Öko-Landwirtschaft herangekommen. Das Schöne: Auf dem alten Willicher Hof wachsen die Pflanzen, die die Kühe zum Fressen gernhaben — auch die Luzerne und Leogiminose, die für den Bio-Anbau so wichtig sind.

„Das Wachstum der Pflanzen muss begonnen haben, bevor die Tiere rausdürfen“, erklärte der Milchbauer. „Wenn die Kühe draußen sind, wird der Käse noch besser“, freute sich Manon ten Dam. Das Karotin auf den Weiden sorgt für einen kräftig gelb gefärbten Käse. Worauf Jan Leifert aufmerksam machte: „Jeder Bioland-Betrieb wird einmal im Jahr nach Ankündigung besucht und die meisten Betriebe müssen zusätzlich mit einem Überraschungsbesuch rechnen.“

Was ihm auf dem Schauhof so gut gefiel: „Der Kuhstall ist hier sehr luftig, das mögen die Kühe.“ Eine Stallbesichtigung gehörte nun mit dazu. Mit Begeisterung mit dabei: Timo Zens. Mit seinen fast 13 Jahren ist er das jüngste der drei Zens-Kinder und könnte sich sehr gut vorstellen, den elterlichen Hof einmal weiterzuführen.

Die Besucher sahen unter anderem Kälbchen Mirko, das am 2. März geboren wurde und noch nicht seinem Alter entsprechend fit ist. Und die Besucher erfuhren auch, dass die Familie Zens gut vernetzt ist: So liefert sie Mist an den Bio-Hof von Heinrich Hannen in Büttgen-Driesch, wo im Gegenzug Klee geerntet werden darf. Schauhof-Kälber werden auf dem Anrather Stautenhof gemästet und geschlachtet.

„Das Fleckvieh ist eine besonders robuste Rasse mit einem besonders leckeren Fleisch“, erklärte Peter Zens. Die Kühe geben rund 1500 Liter Milch in bester Bioqualität pro Tag. „Der Schauhof ist einer von 17 Lieferanten, von denen wir die Bio-Milch beziehen“, sagte Manon ten Dam.

Mehr von Westdeutsche Zeitung