Mikroplastik auf Kunstrasen: Drohendes Verbot sorgt für Aufsehen

Kreis Viersen : Kunstrasen-Füllung in der Diskussion

Es droht ein Verbot des Kunststoffgranulats. Willich setzt bereits auf die Alternative Kork. In Grefrath und Tönisvorst hält man sich auf dem Laufenden.

Für Fußballvereine geht mit ihnen oft ein Traum in Erfüllung: Dank Kunstrasenplatz ist der Spielbetrieb ganzjährig und bei fast jedem Wetter möglich. Doch nun gerät der Untergrund in die Kritik. Und sorgt in den Kommunen vielleicht für unerwartete Kosten.

Hintergrund ist eine Studie des Fraunhofer-Instituts sowie eine Empfehlung der „Europäischen Chemikalienagentur“ (ECAH), einer Behörde der Europäischen Union. Konkret geht es um das Granulat, mit dem viele Plätze gefüllt sind. Die schwarzen Kunststoffkörnchen bleiben, so die Kritik, nicht immer auf dem Platz. Wind und Wetter verteilen es in der Natur oder sie gelangen über Kleidung und Körper in die Abflüsse.

Mikroplastik-Verbot könnte
2021 in Kraft treten

Die EHCA hat einen Antrag eingereicht, nach dem das „Inverkehrbringen von bewusst zugesetztem Mikroplastik“ verboten werden sollte. Das würde auch Kunstrasen mit Kunststoffgranulat betreffen. Dies könnte nach derzeitigem Stand 2021 in Kraft treten. Dazu sorgt die Studie des Fraunhofer-Instituts für Diskussionen, in der von einer jährlichen Austragung von 137 Gramm pro Einwohner in Deutschland die Rede ist.

Diese Zahlen bezweifelt die Firma Polytan, die mit Polytex eine Produktionsstätte in Grefrath hat und Material für zahlreiche Plätze in der Region liefert, allerdings massiv. Es handele sich dabei nicht um eine empirische Studie. Nach eigenen Berechnungen und Erfahrungen kommt Polytan auf einen Wert von lediglich 13 Gramm. Das Institut habe unter anderem die in Deutschland übliche Bauweise von Kunstrasen-Systemen nicht berücksichtigt, die deutlich weniger Granulat als Füllmaterial brauche.

Polytan geht davon aus, dass es, falls das Verbot kommt, für bestehende Plätze einen Bestandsschutz gibt. Der Städte- und Gemeindebund ist da weniger optimistisch. Er hat seine Mitglieder informiert und geht von einem Verbot ab 2022 aus, will aber auf eine Übergangfrist von sechs Jahren hinwirken.

Darauf hofft auch die Stadt Tönisvorst. In der Stadt gibt es zwei Kunstrasenplätze, der in Vorst ist im Besitz der Stadt. Erst kürzlich war bei diesem die Befüllung ausgetauscht worden. „Wir haben gedacht, damit sind wir auf einem guten Stand“, sagt Jörg Friedenberg von der Stadt Tönisvorst. Nun sei man von dem drohenden Mikroplastik-Verbot überrascht worden. Man habe Kontakt zum Ingenieurbüro aufgenommen, um auf dem neuesten Stand zu bleiben und wenn nötig handeln zu können.

Ob auch die Gemeinde Grefrath aktiv werden muss, wird zurzeit geprüft. Die beiden Plätze an der Nierskampfbahn in Oedt und im Sportpark Auf dem Heidefeld in Grefrath sind mit Sand und einer oberen Schicht Granulat gefüllt. Beim Hersteller will man nun in Erfahrung bringen, ob ein Austausch im Falle eines Verbotes notwendig würde, so Wolfgang Linke vom Sportamt.

In Willich wird der neue Kunstrasen im Juli fertig

Die Stadt Willich hat sich mit der Thematik ebenfalls befasst und wird ihre Plätze nach und nach umrüsten. Der Kunstrasenplatz, der zurzeit im Sport- und Freizeitzentrum Willich entsteht und Mitte Juli fertiggestellt wird, wird bereits eine Kork-Füllung haben. Der 13 Jahre alte Platz auf der Donkkampfbahn in Anrath wird demnächst saniert und dann auch mit Kork gefüllt. Die Plätze in Neersen und Schiefbahn stehen in den nächsten drei bis vier Jahren zur Sanierung an.

In Kempen sind beide Plätze, im Sportpark an der Berliner Allee sowie der zurzeit im Bau befindliche Platz in Tönisberg, mit Sand befüllt. Im November hatten sich Verwaltung und Politik sowohl aus ökologischen als auch aus Kostengründen für die Sandbefüllung in Tönisberg entschieden. Auch die laut Stadt mittlerweile zufriedenstellenden Erfahrungen auf dem sandverfüllten Platz an der Berliner Allee trugen zu dieser Entscheidung bei.

Ein moderner Kunstrasenplatz besteht aus einer elastischen Tragschicht, dem Teppich mit dem Rasen und dem sogenannten Infill, erklärt Polytan in einer Pressemitteilung. Letzteres sorgt für die Traktion, die guten Spieleigenschaften und schützt den Sportler vor Verletzungen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, die alle Vor- und Nachteile haben. Dazu gehören Sand, ein Kork-Sand- und eine Granulat-Sand-Befüllung. Ebenso möglich ist ein Kunstrasenplatz ohne Befüllung.

Bei Sportlern sind die Gummigranulat-Befüllungen bisher sehr beliebt, weil sie als gut bespielbar gelten und auch die Verletzungsgefahr nicht so hoch sei.

Polytan: Granulat ist nicht gesundheitsschädlich

Der Firma Polytan ist wichtig zu betonen, dass es sich bei diesem Granulat nicht um umweltschädliches Material handelt. Vor einigen Jahren sorgte die Meldung aus den Niederlanden für Wirbel, dass Kunststoffgranulat in Kunstrasen dort möglicherweise krebserregende Stoffe enthalten. Dabei ging es um Gummi-Granulat, das aus Altreifen gewonnen wird. Das sei bei Polytan nicht der Fall. Bei dem Gummigranulat handelt es sich laut Definition um Mikroplastik. Im Falle von Polytan besteht es bis zu 70 Prozent aus Naturstoffen und 30 Prozent Kautschuk besteht, wie das Unternehmen betont. Es erfüllt zudem unter anderem eine Norm für Spielplatze.

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