Medeor: Hilfe für Nordirak noch lange notwendig

Medeor: Hilfe für Nordirak noch lange notwendig

Mitarbeiter Roland Schwanke koordiniert seit sechs Monaten die Arbeit von der Stadt Erbil aus. Verstärkt unterstützt wird eine Klinik.

Vorst/Erbil. Südsudan, Jemen, Kongo — das Tönisvorster Medikamentenhilfswerk action medeor hat mit der Not- und Katastrophenhilfe derzeit wieder an vielen Stellen der Welt alle Hände voll zu tun. Im Nordirak koordiniert seit sechs Monaten medeor-Mitarbeiter Roland Schwanke die Versorgung von Gesundheitsstationen von einem Büro in der kurdischen Stadt Erbil aus. Derzeit ist er auf Heimaturlaub in Deutschland und berichtete gestern bei einem Besuch des Hilfswerks in Tönisvorst über die weiterhin schwierige Situation im Irak.

„Ich bin seit 16 Jahren mit Hilfsorganisationen in der Welt unterwegs und kannte das Umfeld schon“, sagt Schwanke. Er schwärmt von der wunderschönen Landschaft und den gastfreundlichen Menschen in der Jahrtausende alten Stadt. Die Sicherheitslage sei stabil — doch die Lage ist trotzdem dramatisch: Mehr als zwei Millionen Binnenflüchtlinge leben im Irak, allein in Erbil gebe es zwei große Lager mit rund 50 000 Menschen. Eigentlich sollen diese Lager im Laufe des Jahres aufgelöst werden — doch wohin sollen die Menschen gehen? „Ihr Zuhause gibt es nicht mehr“, so Schwanke.

Kein Zuhause, keine Arbeit, keine medizinische Versorgung — so trostlos ist der Alltag. Auch für die geschätzt 250 000 Menschen, die in Familien Unterschlupf gefunden haben, sieht es kaum besser aus: Sie sind als Flüchtlinge nicht registriert, bekommen keine Unterstützung, leben auf Kosten ihrer Gastgeber. Die staatliche Gesundheitsfürsorge sei völlig überlastet, berichtet Roland Schwanke.

„Genau hier setzen wir an“, betont Bernd Pastors, Vorstandsvorsitzender der action medeor. Das Hilfswerk versorgt seit 2014 Krankenhäuser und Gesundheitsstationen im Nordirak mit Medikamenten und medizinischem Gerät. Erst kürzlich wurde eine große Medikamentenlieferung verschickt, eine weitere mit Antibiotika, Schmerzmitteln und Verbandsstoffen (Wert: rund 10 000 Euro) liegt im Vorster Lager schon bereit.

Verstärkt in den Blick genommen hat medeor die Lage in einem städtischen Krankenhaus am Rande von Erbil. „800 Patienten pro Tag schlagen dort auf, vor allem in den Nachtstunden. Das Personal ist völlig überfordert“, berichtet Schwanke. Wie Dirk Angemeer als Bereichsleiter der Medikamentenhilfe ausführt, wird Schwanke nun eine konkrete Ermittlung des Jahresbedarfs an Medikamenten in dem Haus vornehmen. „Dazu werde ich mich dort eine Woche aufhalten“, sagt Schwanke. Auf dieser Grundlage will medeor dann Medikamentenlieferungen vornehmen, um nachhaltige Strukturen zu schaffen.

Sorgen hat Bernd Pastors, dass die finanzielle Unterstützung dieser wichtigen Arbeit durch die Bundesregierung nachlassen könnte. Der laufende Bundeshaushalt ist noch nicht genehmigt, weshalb Mittel noch nicht fließen konnten. Zudem sei von einer verstärkten Zusammenarbeit des Bundes mit UN-Organisationen die Rede — kleine Gesundheitsprojekte, wie sie von medeor und seinen Partnern betrieben werden, wären dann außen vor. „Man kann aber nicht alles aus privaten Spenden finanzieren“, betont Pastors. Zumal man auch den Menschen jenseits der syrischen Grenze helfen wolle.

Hilfreich könnte es sein, wenn sich medeor als nicht staatliche Hilfsorganisation in Bagdad offiziell registrieren lässt. Die Vorbereitungen dazu laufen, sagt Pastors, der genau weiß: „Hilfe im Irak ist noch lange dringend notwendig.“