Leben retten ist doch kinderleicht

In der Kita Biberburg in St. Tönis lernen schon die ganz Kleinen, wie sie Erste Hilfe leisten.

St. Tönis. Vorsichtig legt Basti ein Tuch über den Mund- und Nasenbereich der Übungspuppe, überstreckt dieser den Hals und hält ihr die Nase zu. „Sehr gut“, lobt Stephanie Tauber und möchte wissen, wie oft der nun folgende Einsatz erfolgen soll. Der Sechsjährige braucht nicht lange zu überlegen. „Fünf Mal“, kommt wie es aus der Pistole geschossen zurück. Dann legt er auch schon mit der Mund-zu-Mund-Beatmung los. Damit aber nicht genug: Die Herzdruckmassage im Anschluss beherrscht das Vorschulkind der Kita Biberburg genauso gut. Die korrekte Handhaltung an der richtigen Stelle, 30 Mal hintereinander, wobei die Einrichtungsleiterin der Kita Biberburg ab 20 mitzählt, denn die höheren Zahlen sitzen noch nicht hundertprozentig. Aber nicht nur Basti ist in Erster Hilfe fit. Elea, die danach in der Übungspuppe an der Reihe ist, kennt die Handgriffe und Techniken, die zu einer Wiederbelebung gehören, ebenso gut.

In der Turnhalle der Kita dreht sich alles um die Erste Hilfe. Zehn Vorschulkinder durchlaufen, betreut von Tauber und Michael Hopfeld, Dozent für Lebensrettung, einen Erste-Hilfe-Parcours mit verschiedenen Stationen. Seit nunmehr drei Jahren gehört die Ausbildung in Erster Hilfe für die Vorschulkinder zum festen Programm der Kita Biberburg. „Wir Erzieher durchlaufen alle zwei Jahre die Ersthelfer-Ausbildung. Uns kam die Idee, dass es schön wäre, dies auch für Kinder zu transportieren. Wir haben daraufhin unseren Ausbilder angesprochen“, erinnert sich Tauber. Hopfeld, der die Idee sehr gut fand, machte sich Gedanken und entwickelte ein kindgerechtes Konzept. Das besteht aus insgesamt drei Einheiten.

Gestartet wird mit einem dreistündigen Workshop in der Kita, bei dem die Kinder ihr Lieblingskuscheltier mitbringen. Die Kinder lernen unter anderen an ihrem Kuscheltier, Verbände anzulegen. Man übt gemeinsam das Absetzen der Notrufnummer, wobei Hopfeld in Sachen Nummer merken mit dem Gesichtsbeispiel arbeitet. „Wir haben einen Mund, eine Nase und zwei Augen. Das ist die 112“, erklärt er. Die stabile Seitenlage wird ebenso geübt wie die Herz-Lungen-Wiederbelebung. Es folgt in einem gewissen Abstand eine Wiederholung, der sich danach eine Abschlussveranstaltung anschließt, bei der die Kinder einen Parcours durchlaufen. „Wir üben zudem zwischendurch in der Kita. Wobei wir feststellen können, dass die Kinder mit Begeisterung bei der Sache sind. Kommt es einmal beim Spielen draußen zu einer Verletzung, bringen die Kinder ihr Wissen mit ein, während wir erstversorgen“, berichtet Tauber.

Michael Hopfeld, Dozent für Lebensrettung

Ihr ist es wichtig, Kinder an die Erste Hilfe heranzuführen und ihnen die Angst vor dem Helfen zu nehmen. „Je früher man anfängt, umso besser“, bestätigt Hopfeld, der das Ganze mit den Kindern spielerisch angeht und so jede Menge Wissen vermittelt. Wie gut das Erlernte hängengeblieben ist, verdeutlicht der Parcours. Nicht nur in der Wiederbelebung sind die Kinder fit. Die stabile Seitenlage mit angewinkeltem Arm und Bein klappt hervorragend. Beim Verband anlegen sorgt Hopfeld mit Kunstblut für eine realitätsnahe Darstellung. Philipp, der seine Wunde am linken Bein geschminkt bekommen hat, wird von Jonas fachgerecht verarztet, wobei der Ersthelfer ordnungsgemäß zunächst die Kunststoffhandschuhe angezogen hat.

„Schön wäre es, wenn die Kinder, die jetzt in die Grundschulen kommen, dort auch regelmäßig weiter in Erster Hilfe geschult werden würden“, wünscht sich Tauber.

“ Die Kita Biberburg bietet einmal im Jahr auch einen offenen Erste-Hilfe-Kursus an. Eltern, Großeltern und Babysitter können das Angebot wahrnehmen.

kita-biberburg.de