Leasing-Betrug: Bagger nur auf dem Papier

Leasing-Betrug: Bagger nur auf dem Papier

Große Pläne, wenig Taten: Mit Baumaschinen soll ein Pärchen Hunderttausende ergaunert haben.

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p class="text"><strong>Niederrhein. Theo Fabry (58) ist Kaufmann. Seit vielen Jahren sitzt er mit seiner Firma, der GFL Leasing GmbH, an der Uerdinger Straße in Krefeld, rund 20 Angestellte beschäftigt er dort. Grundsolides Geschäft. Dass der Mittelständler einmal unter die Detektive gehen würde, hätte er bis vor kurzem nicht einmal im Traum erwartet. Doch seit er geschäftlich mit dem ehemaligen Traberzüchter Frank H. und dessen Ehefrau Irmhild G. (Namen geändert) zu tun hatte, ist vieles anders geworden. Denn die Beiden sollen die GFL mit geleasten Baumaschinen um einige hunderttausend Euro geprellt haben - und das ist wohl nur die Spitze des Eisbergs.

Fiktive Baustellen und Briefkastenfirmen

"Das lasse ich mir nicht gefallen", sagt Fabry empört. Ein Schaden von 300 000 Euro sei entstanden, das seien für sein Unternehmen keine "Peanuts". Er erstattete Anzeige. Die zuständige Staatsanwaltschaft in Aachen (dort hat die Immobilien GmbH des Pärchens ihren Sitz) nahm die Ermittlungen auf. Das war 2003. Im vergangenen Sommer hieß es, die Ermittlungen würden eingestellt - mangels "hinreichenden Tatverdachts", wie Oberstaatsanwalt Robert Deller auf WZ-Anfrage erläuterte. Was Fabry endgültig auf die Palme brachte.

Er bemühte sich um Aufklärung in Eigenregie. Der Krefelder schaltete Alfred Schwanebeck von der Detektei Iser ein. Der Dortmunder ist in der Branche ein Schwergewicht. Vor allem in der Wirtschaftskriminalität kennt er sich aus, schon so manchen Betrugsfall konnte der 62-Jährige aufdecken. Was er allerdings mit dem "Traber-Ehepaar" (er 56, sie 46 Jahre alt) erlebte, ließ auch ihn staunen.

"Ich bin da immer wieder auf neue Wespennester gestoßen", erzählt Schwanebeck. Doppelfinanzierungen, Luftbuchungen, fiktive Baustellen für die angeblich benötigten Maschinen, Briefkastenfirmen, Adressen in Knocke, Kitzbühl, Monte Carlo, geheimnisvolle Italiener - die kriminelle Energie, die Frank K. entwickelt habe, sei beachtlich. Das Ehepaar habe viele Helfer gehabt: "Für mich ist das schon bandenmäßige Kriminalität", urteilt Schwanebeck.

Wie der Aachener Oberstaatsanwalt Deller erklärt, werde gegen das Paar in fünf Fällen ermittelt. Der Schadensumfang betrage bis zu 500 000 Euro. Hinweise auf weitere Fälle, etwa im Zusammenhang mit Kunst oder Pferden, habe er momentan nicht.

Alfred Schwanebeck lässt derweil Pferde pfänden: Ein anderer Klient, dem H. Geld schuldet, habe einen Titel gegen den Traberzüchter erwirkt. Theo Fabry hat nicht so viel Glück: Sein Partner in Sachen Baumaschinen war auf dem Papier Irmhild G. als Geschäftsführerin der Immobilien GmbH - bei der Dame ist momentan nichts zu holen.

Kent-School Drei Baumaschinen der Marke Caterpillar benötigte Traberzüchter Frank H. - angeblich für das Gelände der Kent-School in Waldniel, das er zum "Pferde-Hotel" umbauen wollte. Eine Gladbacher Baufirma habe den Auftrag übernommen. Das Unternehmen bezog die Maschinen bei einem Händler in Dorsten.

Leasingvertrag Der 56-Jährige schloss mit der Krefelder Firma GFL von Theo Fabry einen Leasingvertrag: Die GFL bezahlte den Maschinen-Lieferanten, die drei Caterpillar gingen an die Immobilien GmbH von H. Die zahlte die Raten an die GFL. Wenig später verkaufte das Ehepaar seine GmbH an einen Italiener - die Leasing-Raten blieben aus, der Italiener war nicht aufzufinden.

Verschwunden waren auch die drei Baumaschinen: In Waldniel war dort nie damit gearbeitet worden. Nach Ermittlungen von Alfred Schwanebeck war eine der drei Baumaschinen, die der GFL gehören, an einen (ahnungslosen) Fachhändler verkauft worden. Zwei weitere Maschinen sind verschwunden.

Übrigens: Die Kent-School ist mittlerweile zwangsversteigert worden.

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