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Lasse Funkel aus St. Tönis geht als Bundestag-Stipendiat in die USA

Lasse Funkel aus St. Tönis : Stipendiat aus Tönisvorst verpasst die Präsidentschaftswahl

Lasse Funkel (15) aus St. Tönis sollte im Herbst für ein Austauschjahr nach Amerika fliegen. Wegen der Corona-Krise muss er noch warten.

Lasse Funkel wartet auf einen Anruf, der eigentlich längst hätte kommen sollen. Wie so vielen anderen hat die Corona-Pandemie aber auch dem 15-Jährigen aus Tönisvorst die Pläne für dieses Jahr durcheinander gewirbelt. Eigentlich hätte er im Herbst ein Austauschjahr in den USA beginnen sollen, der Termin wird krisenbedingt aber wohl nicht mehr klappen. Noch muss sich Lasse Funkel also gedulden, bis eine Gastfamilie anruft und ihm sagt, an welchem Ort in den USA er untergebracht sein wird. „Das erfahre ich erst, wenn sich meine Gasteltern bei mir melden“, sagt der Schüler.

Lasse Funkel wohnt in St. Tönis und besucht die neunte Klasse des Michael-Ende-Gymnasiums. Auf den Austausch fühlt er sich sprachlich gut vorbereitet, denn Englischunterricht hat er bereits seit der ersten Klasse. Zudem guckt er in seiner Freizeit gerne englischsprachige Serien. „Die mag ich lieber als die Synchronfassungen“, sagt der 15-Jährige. „Ich verstehe sehr viel, und das Sprechen klappt auch gut.“ Die USA als Ziel seines Austauschs haben ihn wegen ihrer Vielfältigkeit und Kultur interessiert. „Es spielt sich dort so vieles ab, und man hört so viel, da wollte ich gerne dabei sein“, sagt der Schüler. Noch schöner wäre es für ihn gewesen, wenn er schon zur Präsidentschaftswahl am 3. November in den USA hätte sein können. Aber wegen der Corona-Pandemie wird der ursprüngliche Starttermin seiner Reise verschoben. Nach derzeitigem Stand könnte es nun zwischen dem 13. und dem 15. Januar 2021 klappen.

Dass er überhaupt die Möglichkeit hat, ein Jahr lang USA-Luft zu schnuppern, verdankt der 15-Jährige dem SPD-Bundestagsabgeordneten für den Kreis Viersen, Udo Schiefner. Er und seine Kollegen können sich darum bewerben, aus ihrem Wahlkreis einen Stipendiaten des Deutschen Bundestags über das Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP) für einen Amerikaaustausch zu entsenden. In diesem Jahr durfte Schiefner auswählen und entschied sich für Lasse Funkel. Er freue sich, mit dem 15-Jährigen „einen aufgeschlossenen, ehrgeizigen, zielstrebigen und motivierten jungen Menschen fördern zu können“, heißt es aus Schiefners Wahlkreisbüro.

Bei den Austauschorganisationen waren 18 Bewerbungen eingegangen. Der Schüler aus St. Tönis und seine Mitbewerber mussten unter anderem einen Wissenstest zu Deutschland und den USA bestehen sowie ein Referat halten, um ihre Eignung als sogenannte Junior-Botschafter zur Repräsentation ihres Landes unter Beweis zu stellen. Lasse Funkel wählte dafür als Thema das Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten Donald Trump. Er und drei weitere Bewerber kamen in die Endauswahl, bevor der 15-Jährige nach den persönlichen Gesprächen die Zusage für das Stipendium erhielt.

Wo in den USA er das Jahr verbringen wird, ist Lasse Funkel nicht so wichtig. „Es kommt, wie’s kommt“, sagt er. Wegen der Corona-Pandemie und den sozialen Unruhen nach dem Tod von George Floyd nach rassistischer Polizeigewalt macht sich der 15-Jährige „natürlich ein bisschen Sorgen“, wie er sagt. „Aber ich möchte auf jeden Fall hin fliegen.“