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Lars Tutt aus St. Tönis rät in seinem Buch zu einem Perspektivwechsel

Professor Lars Tutt aus St. Tönis : Neue Perspektiven helfen, Krisen besser zu meistern

In seinem Buch „Corona – quergedacht. Anstöße und Anregungen zum Selberdenken und Diskutieren“ stellt der St. Töniser Lars Tutt seinen Lesern Fragen, die einen Perspektivwechsel auf die Corona-Krise ermöglichen sollen.

Oftmals ist nicht die Situation selbst das Unangenehme an einer Sache, sondern wie wir damit umgehen. Dieser Ansicht ist Lars Tutt. Es gibt viele Dinge, die wir nicht ändern können, so auch die aktuelle Corona-Krise und die damit verbundenen Einschränkungen. Von jetzt auf gleich wurde das Leben auf den Kopf gewirbelt, und vieles, das alltäglich war, hat das Virus infrage gestellt. Doch wie gehen wir mit der Veränderung um? Mit dieser Frage hat sich der St. Töniser Tutt in einem Buch beschäftigt.

Ende Januar erreichte das Coronavirus Deutschland. Mit dem ersten Infizierten in Bayern schätzte das Robert-Koch-Institut das Risiko für eine bundesweite Ausbreitung als gering ein, mit Blick auf Italien änderte sich diese Einschätzung jedoch schnell. Menschen wurden aufgerufen, bei der Eindämmung des Virus mitzuhelfen und sich vor Infektionen zu schützen. Mittlerweile hat das Coronavirus weltweit mehr als 570 000 Menschen das Leben gekostet. In Deutschland gab es mehr als 9000 Todesfälle, davon knapp 40 im Kreis Viersen. Weltweit befinden Menschen sich in einer Ausnahmesituation, die Durchhaltevermögen, Stärke und Kreativität erfordert. Zwischen all den Schreckensnachrichten fällt es nicht jedem leicht, Optimismus zu bewahren.

Doch sollte man sich nicht davor scheuen, die verschiedenen Facetten der Krise aufzudecken, die man durch all die negativen Aspekte, die im Vordergrund stehen, vielleicht nicht sofort sehen kann, meint Tutt. Er ist Professor an der Hochschule des Bundes in Brühl und stellt in seinem Buch Fragen, die der Situation einen anderen Fokus verleihen sollen. Darunter zum Beispiel: Welcher unangenehme Termin ist mir erspart geblieben, weil es plötzlich eine Ausgangsbeschränkung gab? Was gefällt mir eigentlich an meinem neuen Alltag? Und brauche ich wirklich so viel Mehl und Hefe?

Denkanstöße, um andere Seiten an sich und anderen zu entdecken

„Es ist sozusagen ein spielerischer Umgang mit der sehr schwierigen Lage“, sagt Tutt. Eine enorme Quelle an Inspiration sei dabei nicht nur das, was er selbst gesehen, gehört und gelesen habe, sondern auch die Beobachtung der sozialen Medien, die Verbreitung von Falschmeldungen. Als ehrenamtlich leitender Notfallseelsorger im Kreis Viersen weiß Tutt aus Erfahrung, dass es meist nicht darum geht, Situationen zu ändern oder sie bloß schönzureden, sondern die eigene Perspektive zu ändern. „Es gibt ein sehr schönes Zitat von Max Frisch: ‚Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.’ Ich finde, das trifft es sehr gut“, sagt Tutt. „Ich ändere nichts an der Pandemie, ich ändere nur etwas daran, wie schwer ich mir das Leben in der Krise mache.“

Die kurzen Denkanstöße können im Videoanruf, im Chat mit der Familie oder beim Gedankenaustausch mit Freunden und Bekannten als Impulse dienen, um gemeinsam neue Seiten an sich, an anderen und an der Corona-Krise zu entdecken, erläutert der Autor. Entstanden sei das Buch, das als E-Book erscheint, aus dem Gefühl heraus, dass ein Bedarf bestehe, den Menschen bei einem Perspektivwechsel zu helfen und den Sorgen und Unsicherheiten der Menschen entgegenzuwirken. Möglicherweise gelinge es dem ein oder anderen, unliebsame Angewohnheiten über Bord zu werfen, oder etwas, das schon lange auf der Seele brennt, endlich anzugehen, statt die Angst vor einer unbekannten Gefahr immer größer werden zu lassen, hofft Tutt. „Ich versuche selbst, in meinem neuen Alltag die verschiedenen Seiten zu sehen“, sagt der St. Töniser. Als Professor für Betriebswirtschaftslehre musste auch er sich während der Corona-Krise vielen Herausforderungen stellen, um sich beispielsweise der Lehre aus der Ferne anzupassen, und er habe dabei unglaublich viel gelernt, sagt er: von virtuellen Kursräumen über Video­schnittprogramme und Lehrvideos. Ohne den Druck hätte er all das nicht geschafft, erklärt der Hochschulprofessor: „Solange beide Seiten in einem halbwegs brauchbaren Verhältnis stehen, kann man mit der Krise umgehen.“