Kurzauftritt für Pater Brown

Michael Schanze ist als Star der Festspiele 2015 verpflichtet worden. Jetzt schlüpfte er erstmals in die Soutane.

Neersen. Star-Allüren kennt er nicht: Locker und sympathisch hatte Michael Schanze am Freitag seinen ersten „Auftritt“ bei den Schlossfestspielen in Neersen. Ab Juni steht der Sänger, Schauspieler, Komponist und Fernseh-Star dort als „Pater Brown“ auf der Bühne. Jetzt wurden im Schloss Fotos für die Plakate gemacht. Schanze ließ sich kurz schminken, zog ruckzuck die Soutane über den roten Pulli — und schon stellte er sich als Pater in Positur.

Michael Schanze auf die Frage nach seinem Alter.

„Der Mann ist ein Profi durch und durch“, urteilt Intendant Jan Bodinus am Rande der Foto-Session zufrieden. Er hat den Star, mit dem er zuvor noch nie gearbeitet hat, nach Neersen geholt. Den Kontakt zu dem Bayer knüpfte er über einen gemeinsamen Freund. In Hannover haben sich die beiden dann erstmals getroffen.

„Er musste nicht lange baggern“, verrät Schanze der WZ nach dem Fototermin. Zwar habe ihm das Buch nicht auf Anhieb zugesagt, doch beim zweiten Lesen sei das anders gewesen. Einige Änderungs-Ideen möchte er mit Regisseur Jan Bodinus noch besprechen.

„Ich freue mich auf die Rolle. Das wird ein richtig nettes Stück“, bekennt Schanze. Zuletzt habe er in „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ in einem sehr melancholischen Stück gespielt. Eine komische Rolle kommt da jetzt ganz gut. Angst vor dem „Pater“, den schon Schauspiel-Größen wie Heinz Rühmann und Josef Meinrad verkörpert haben, hat Schanze nicht: „Ich bin ich und spiele es so.“ Jeder Schauspieler müsse seinen eigenen Weg finden.

In seinem Leben hat Schanze vor 15 Jahren einen neuen Weg eingeschlagen: Seit Ende der 80er Jahre habe er gemerkt, dass es ihn nicht mehr zufrieden stelle, immer nur lächelnd die Showtreppe herunterzukommen. Dann kam die Trennung von seiner Ehefrau — und damit auch die Entscheidung, etwas Neues zu wagen. Seitdem ist Schanze vor allem auf der Bühne zu sehen — in lustigen wie auch in tragischen Rollen. Die körperliche Veränderung (der Star wiegt heute deutlich über 100 Kilo) passt sehr gut zu diesem Neuanfang.

Spätestens seit er 2012 den Publikumspreis bei den Festspielen in Bad Hersfeld für seine Rolle als „Tevje“ bekommen hat, weiß Schanze, dass er in seinem neuen Leben angekommen ist. Den „Silbernen Ring“ als Symbol dieses Neuanfangs steckt er sich nach dem Foto-Termin schnell wieder an den Finger.

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