Tönisvorst: Kress-Areal wieder voller Leben

Tönisvorst : Kress-Areal wieder voller Leben

Aus dem Gelände der traditionsreichen Textilveredlung am Maysweg ist ein Gewerbepark geworden.

St. Tönis. Einige kritische Stimmen hatte es in der Vergangenheit immer mal wieder gegeben. Es wurde moniert, dass es bei den Umplanungen des ehemaligen Kress-Geländes am Maysweg nicht so richtig vorangehe. Dass dem nicht so ist, bewies jetzt ein kleiner Rundgang über den dort entstandenen Gewerbepark. Die WZ war mit dabei. Und natürlich der Projektentwickler und Investor Stephan van der Kooi.

Sein Kempener Immobilienunternehmen hatte 2012 das etwa 52 000 Quadratmeter große Grundstück aus der Insolvenzmasse gekauft. „Und wir werden alles daran setzen, dass wir hier keine zweite Pleite erleben“, sagt der junge Unternehmer, der eine erste zufriedene Zwischenbilanz zog: „Hier arbeiten derzeit 26 verschiedene Unternehmen, kümmern sich beispielsweise um die Fitness oder um die richtige Kosmetik, um Motorräder, richten Hotels oder Küchen ein, haben hier ihre Lager oder Werkstätten.“

Stephan van der Kooi, Investor

Die Investition in diesem ersten Bauabschnitt beziffert van der Kooi auf einen „nicht ganz zweistelligen Millionen-Betrag“. Mit dem Geld wurde einerseits alte Backstein-Gebäude und Denkmäler, die an die einstige Textilherstellung erinnern, vor dem Zerfall gerettet, andererseits innen mit höchsten Ansprüchen und modernster Architektur der Bezug zur heutigen Zeit geschaffen.

Da die vorherige Eigentümer-Familie ihren Namen nicht mehr in Erinnerung an den Konkurs hergeben wollte, hatte man sich für das „Mays-Werk“ als neue Bezeichnung entschieden. Die Gruppe mit Bürgermeister Thomas Goßen, Fachbereichsleiter Markus Beyer und Wirtschaftsförderer Markus Hergett steht gerade vor der alten Kress-Kantine, in der jetzt ein Verleih von Baumaschinen beheimatet ist. Aus der ehemaligen Küche wurde das Kosmetikstudio von Rabea Gatzweiler. Daneben, in der einstigen Vorstandsetage, arbeitet ein Stoffhändler aus Oedt und ein Hotel-Ausstatter („DG Projekt Service“). Und in der alten Villa bringt ein Unternehmen Küchengeräte an den Kunden.

Der historische Uhrenturm wurde ebenfalls saniert, steht mit seiner weißen Fassade in einem guten Kontrast zu den alten Backsteinbauten. Um an die Historie der alten Textilstandortes anzuknüpfen, wurde ferner durch Wegweisungen und Kennzeichnungen an die frühere Nutzung erinnert. Zu lesen sind beispielsweise „Kalandar-Halle“, „Mercerisierhalle“ oder das „Technikum“. Teilweise in Betrieb sind nach wie vor die großen Sand- und Kiesfilter, die das Wasser enthärten. Denn einige Textilunternehmen arbeiten dort. „Und den Wasserturm werden wir auch noch etwas aufhübschen“, verspricht der Investor.

Das Plätschern des Wassers ist zu hören. Dort gibt es nach wie vor ein Wasserbecken, etwa 35 mal 25 Meter breit und 1,80 Meter tief. Direkt vor einem neuen chinesischen Restaurant, das in Kürze eröffnen wird. „Ins Wasser kommen jetzt noch etwa 50 Albino-Graskarpfen, die die Algen fressen sollen“, sagt Stephan van der Kooi.

Thomas Goßen und Markus Beyer sind angetan von dem gefundenen Branchenmix und vom Charme der Historie mit den modernen Blickpunkten. „Von großem Vorteil bei der neuen Ansiedlung war sicherlich, dass es bereits einen entsprechenden Bebauungsplan mit den festgesetzten Nutzungen gab.“ Diesen Hinweis von Markus Beyer konnte der Eigentümer nur bestätigen: „Ja, dadurch hatten wir immer eine Planungssicherheit.“ Genügend Einstellplätze seien vorhanden beziehungsweise würden noch ausgebaut.