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Kreis Viersen möchte die Landesgartenschau 2026

Pläne für Landesgartenschau 2026 in der Region : Wieso Willich Gartenschau nicht will

Kreis Viersen und Wirtschaftsförderungsgesellschaft möchten mit den Gemeinden in der Region die Landesgartenschau ausrichten. Viele sind begeistert, nur Willich sieht keinen Vorteil für sich.

Der Plan hört sich verlockend an. Die Landesgartenschau 2026, ausgerichtet von den Städten und Gemeinden im Kreis Viersen. Kaum haben Landrat Andreas Coenen und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) im Kreis Viersen diese Idee verkündet, gibt es einen Dämpfer. Die Stadt Willich will nicht. Warum und wie es nun weitergeht – die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Warum haben die Willicher keine Lust auf die Gartenschau?

Die Stadt hat bereits im Jahr 2002 die dezentrale Landesgartenschau „Euroga“ mitausgerichtet. Unter anderem waren auch Düsseldorf und Krefeld dabei. Diese Teilnahme ist der entscheidende Grund, warum Willich dieses Mal nicht mitmachen möchte, sagt der Erste Beigeordnete und Kämmerer Willy Kerbusch auf Anfrage der WZ. Damals entstand durch die Gartenschau unter anderem der neu gestaltete Neersener Schlosspark sowie die Wasserachse im Stahlwerk Becker. „Das muss anschließend alles in Stand gehalten werden“, sagt Kerbusch. Die Folgekosten kalkuliert er drei Mal so hoch wie die erstmalige Investition. Neue Projekte durch eine neue Gartenschau will die Verwaltung daher nicht stemmen. Zumal man offenbar nicht so recht weiß, was überhaupt noch entstehen könnte.

Was soll die Veranstaltung dem Kreis eigentlich bringen?

Das Event soll den Städten in mehrfacher Hinsicht einen Schub geben. Umwelt- und Naturprojekte, neue Parkanlagen oder Arbeiten an der Infrastruktur – das wäre sicher möglich. Noch wichtiger dürften für Kreis und WFG die kurzfristigen wirtschaftlichen Verlockungen sein. Gartenschauen ziehen traditionell viele Besucher in die ausrichtenden Orte. Dem Tourismus am Niederrhein würde das sicher helfen.

Wie sehen andere Städte und Politiker das Vorhaben?

Abgesehen von Willich hat die Idee viele Befürworter in der Region. Kempens Bürgermeister Volker Rübo etwa zeigte sich zuletzt angetan von dem Vorhaben. Auch die SPD will die Gartenschau. Der Vorsitzende der Kreistagsfraktion, Hans Smolenaers, sprach bereits von „einer Chance zur notwendigen Verbesserung der Infrastruktur im Kreis Viersen“.

Laufen die Planungen auch ohne Willich weiter?

Wenn eine Stadt aussteigt, ändert das erst mal nichts, heißt es bei der WFG. Der Verband und der Kreis haben das Projekt vor einigen Wochen eher als offenes Angebot an die Gemeinden gerichtet. Zudem befinden sich die Planungen noch in einem Anfangsstadium. Mit keiner Kommune wird dabei fest gerechnet.

Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Zwei Gutachterbüros sollen ausloten, in welcher Form die Landesgartenschau stattfinden kann. Die WFG finanziert ihre Arbeit. Die Kommunen sollen einen Einblick vor Ort ermöglichen. Diese Arbeit der Gutachter dauert ein Jahr. Danach wird erst klar sein, wie viel Gelder und welche Flächen eine Gartenschau überhaupt benötigt. Vielleicht gehen auch nur zwei oder drei Städte gemeinsam ins Rennen. Die Bewerbung muss erst Anfang 2020 vorliegen.

Und die Willicher kann nichts mehr umstimmen?

Die Verwaltung ist in ihrer Haltung eindeutig. Kämmerer Kerbusch weiß um die Verheißungen für Infrastruktur und Tourismus. Dennoch sagt er: „Ich sehe nicht, dass uns eine Landesgartenschau nachhaltige Vorteile bringt.“ Davon habe ihn bislang niemand überzeugen können. Dennoch werde sich Willich nicht gegen weitere Planungen der Nachbarstädte sperren. Wenn eine Mehrheit mitmachen wolle, solle der Kreis Viersen das auch tun. „Das zu akzeptieren, ist guter demokratischer Brauch“, so Kerbusch. Bekommt der Kreis tatsächlich den Zuschlag, wird wohl auch die Stadt Willich einen Teil der Kosten spüren.