Kreis Viersen: Händler bieten Alternativen zu Plastiktüten

Abfall-Debatte : Kreis Viersen: Händler bieten Alternativen zu Plastiktüten

Kunden greifen schon heute oft zu Papier und Jute. In vielen Rewe-Märkten gibt es schon keine Plastiktüten an der Kasse mehr.

Das Thema Müllvermeidung ist zurzeit in aller Munde. Befeuert wurde die Diskussion nun von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), die bekannt gab, dass ihr Ministerium gerade an einem Entwurf für ein Verbot von Plastiktüten arbeite. Bei den Kunden werden diese bereits immer unbeliebter. Seit 2016, seitdem Plastiktüten an der Kasse bezahlt werden müssen, ist der Verbrauch laut Umweltministerium um 60 Prozent gesunken. 2018 sind aber immer noch zwei Milliarden Kunststofftragetaschen an den Kassen ausgegeben worden.

Verpackungen der Industrie
auch einbeziehen

Einige Supermärkte gehen bereits auf den Trend ein. Im St. Töniser Rewe-Markt gibt es schon seit 2016 an der Kasse keine Plastiktüten mehr. Papiertüten, Jutebeutel und Einkaufskartons stehen dort als Alternativen zur Verfügung, so Hans-Joachim Zielke. In der Obst- und Gemüseabteilung sei es aber schwieriger auf die dünnen Plastiktüten zu verzichten. In diesem Bereich gebe es mit kleinen Papiertüten und Netzen, die sich wiederverwenden lassen, bereits Alternativen. Doch bis es optimale Lösungen gebe, werde es seiner Meinung nach noch dauern. Zielke findet es gut, dass man Alternativen zum Plastikverbrauch sucht. „Aber die Industrie muss da auch viel mehr einbezogen werden“, sagt er.  Wenn er sich ansehe, dass einige Produkte mehrfach verpackt sind und viel Müll hinterlassen, dann fürchtet er, dass es nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, wenn man nur die Plastiktüten bei den Händlern verbietet. Auch Einwegflaschen seien ein Thema, das man angehen müsse. Wenn die Industrie in dieser Richtung aktiver werden würde, würde man viel gewinnen.

Auch der Rewe-Markt in Grefrath hat schon Alternativen eingeführt. Wie Filialleiter Patrick Kroppen der WZ mitteilt, gibt es bei ihm ebenfalls keine Plastiktüten mehr an den Kassen, stattdessen werden Mehrwegtaschen und Papiertüten angeboten. Beim Obst und Gemüse werden zusätzlich Mehrwegbeutel angeboten, die nach Angaben von Kroppen gut angenommen werden, sodass bald ganz auf Plastiktüten verzichtet werden soll. Der Filialleiter betont, dass an der Metzger-Theke Behälter abgegeben werden können, diese werden dann hygienisch gereinigt und anschließend bekommen die Kunden ihre Bestellungen in ihren Dosen zurück.

Alternativen müssen
einiges aushalten können

Neben den Supermärkten haben auch andere Einzelhändler das Thema bereits auf dem Schirm. In vielen Mode-Geschäften erhält man seine Einkäufe schon nur noch in Papiertüten.

Die Sensibilität für das Thema Müllvermeidung sei bei den Kunden auf jeden Fall da, stellt Alfred Erren vom gleichnamigen Schreib- und Spielwarengeschäft am Willicher Markt fest. Ganz ohne Verpackungsmaterial geht es nicht, aber nach und nach stellt man schon auf Papier und Jute um, sagt Erren. Mit Blick auf die Tragfestigkeit und Schutz vor Feuchtigkeit müssten die Alternativen schon einiges aushalten können. Vieles laufe in diesem Bereich über die Verbände, sagt Erren, der es begrüßt, dass durch ein mögliches Verbot Druck auf die Industrie ausgeübt werde, auch gute Alternativen anzubieten.

Kritik kommt vom
Handelsverband

Auch wenn es viel Zustimmung gibt, sind durchaus auch kritische Stimmen zu hören. Mit Unverständnis reagiert zum Beispiel der Handelsverband Deutschland (HDE) auf die Ankündigung der Bundesumweltministerin. „Die Einzelhändler haben Wort gehalten und die Vereinbarung mit dem Bundesumweltministerium übererfüllt“, sagt Stefan Genth, HDE-Hauptgeschäftsführer mit Blick auf die Selbstverpflichtung 2016, seit der in Deutschland knapp zwei Drittel Tüten weniger konsumiert würden. Bei leichten Plastiktüten betrage der Verbrauch sogar nur noch die Hälfte der EU-Zielvorgabe für 2025. „Wenn die Plastiktüten komplett verboten werden, stellt sich die Frage nach umweltfreundlichen Alternativen“, so Genth. Angesichts des geringen Anteils von Tüten am Plastikmüll sei die Ankündigung der Umweltministerin reine Symbolpolitik.

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