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Komödie: „Die Wahrheit“ von Florian Zeller

Komödie: „Die Wahrheit“ von Florian Zeller

Im Forum Corneliusfeld wurde die Komödie aufgeführt. Es geht um Betrug am Ehepartner, Rücksichtsnahme und Ehrlichkeit.

Tönisvorst. Amüsant von der ersten bis zur letzten Minute — so ist das Stück „Die Wahrheit“ des jungen französischen Autor Florian Zeller, das für den Stadtkulturbund im Forum Corneliusfeld gastiert. Die Komödie des gerade 33-jährigen Franzosen ist beispielhaft witzig, die Dialoge geschliffen, und die vier Schauspieler Helmut Zierl, Karin Boyd, Uwe Neumann und Elisabeth Baulitz agieren auf den Punkt.

Schon nach den ersten Sätzen von Michel und Alice — wohlig ineinander gekuschelt in einem Bett — wird klar, dass die beiden mit ihrem Zusammensein ihren jeweiligen Ehepartner betrügen. Eine Konstellation, der das Publikum in St. Tönis zwar Gelächter, aber nicht viel Verständnis entgegenbringt. Es scheint einfach, den Konflikt zu vermeiden. Darf man — wie von Alice gefordert — seinem Ehepartner die Wahrheit schonungslos eröffnen? Oder muss man — wie Michel glaubt — lügen, um Rücksicht zu nehmen?

Wobei man im letzteren Fall schon mehr Sorgfalt erwarten dürfte, nämlich beim Ersinnen von Ausreden, der Schaffung von Freiräumen und der Konstruktion von Alibis. So, wie Helmut Zierl den Michel in der Regie von Peter Lotschak spielt, ist er in erster Linie ein haltloser und unverbesserlicher Egozentriker, der nach und nach an Boden verliert. Als er erfährt, dass Paul, Alices Mann und sein bester Freund, schon lange von dem Verhältnis weiß, zweifelt er an dessen Freundschaft.

Ohne sein eigenes Verständnis von Loyalität auch nur einen Augenblick lang in Frage zu stellen oder gar Reue zu zeigen. Denn Paul hat sich beim gemeinsamen Tennisspiel nie etwas anmerken lassen.

Die Begründung scheint einfach: Paul gesteht ein Verhältnis zu Michels Frau Laurence. Doch die bekennt sich in einer von Paul geforderten Aussprache vehement zur Rücksichtnahme, die sie höher einschätzt als die Wahrheit. Sie leugnet standhaft und glaubwürdig. „Wenn ich dich liebe, wie könnte ich ein Verhältnis mit einem Typen wie Paul anfangen“, beteuert sie.

Wobei das Publikum gut nachvollziehen könnte, wenn es anders wäre. Und das nicht nur wegen Michels Egozentrik. Zu Anfang beklagte sie, dass Michel nicht mehr mit ihr schlafen würde. . . Aber Michel glaubt ihr. Und er sieht auch nicht die Tränen, die sie verdrückt, als er ihr erzählt, dass Alice und Paul aus beruflichen Gründen Paris verlassen werden. Sein Selbstwertgefühl kommt schließlich wieder in Ordnung.