Analyse: Kommunalwahl 2020: Wie ist der Stand bei den Bürgermeistern?

Analyse: Kommunalwahl 2020: Wie ist der Stand bei den Bürgermeistern?

Analyse In Kempen, Grefrath, Willich und Tönisvorst rauchen im politischen Raum schon einige Köpfe. Wer tritt an? Wer verlässt die Bühne? Die WZ blickt auf die wichtigste Personalie in den Rathäusern.

Bis zum Herbst 2020 wird noch so einiges passieren. Wenn nichts dazwischen kommt, wird uns das Christkind bis dahin noch einmal besuchen. Und die deutschen Fußballer werden wohl im Sommer 2020 noch eine Europameisterschaft bestreiten – wenn sie denn die Qualifikation schaffen. Es klingt also so, als sei die Kommunalwahl, die im Herbst 2020 über die Bühne gehen soll, noch weit weg. Weil es aber dann mit Blick auf die Bürgermeistersessel um wichtige Personalentscheidungen gehen wird, ist die Wahl gar nicht mehr so weit weg. In Kempen, Grefrath, Willich und Tönisvorst rauchen im politischen Raum schon einige Köpfe. Wer wäre denn ein geeigneter Kandidat bzw. eine geeignete Kandidatin? Oder will der Amtsinhaber vielleicht doch noch einmal antreten? Fragen über Fragen, die sich vielerorts schon im Laufe der nächsten Monate klären werden. Eine Analyse zum Stand der Dinge.

Kempen: CDU scheint auf Kraft setzen zu wollen

In Kempen ist die wichtigste Frage inzwischen auch öffentlich geklärt. Amtsinhaber Volker Rübo (CDU) wird 2020 nicht mehr antreten. Am 9. Januar hatte er seine Entscheidung im Ältestenrat mitgeteilt und kur danach gegenüber der WZ bestätigt. Nach zwei Amtsperioden wird sich Volker Rübo 2020 mit dann 61 Jahren aus dem Verwaltungsleben zurückziehen. Intern war das für viele schon länger klar, weshalb hinter den Kulissen auch schon länger über mögliche Nachfolger diskutiert wird.

Mit Blick auf die Mehrheitsverhältnisse im politisch doch ziemlich schwarzen Kempen spielt die Nachfolge-Debatte zuallererst in der CDU eine Rolle. Und die Christdemokraten scheinen auf die Karte Philipp Kraft setzen zu wollen. Seit September ist der eher noch unbekannte 44-Jährige Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes. Und als solcher hat er sich jüngst im WZ-Interview mit mehreren Themen und Ideen für Kempen positioniert. Nur zur Frage, ob er denn tatsächlich Bürgermeisterkandidat der Partei wird, äußert sich der Personalmanager noch nicht. Durch seine Entscheidung gebe Volker Rübo der CDU „nun ausreichend Vorlauf, diese wichtige Personalie – wer im Interesse von Kempen und seinen Bürgerinnen und Bürgern für die CDU kandidieren wird – vorzubereiten“, so Kraft Mitte Januar im WZ-Interview. „Das werden wir nun mit der notwendigen Sorgfalt unter meiner Führung tun.“

Und sonst? Was wollen die anderen Parteien in Kempen tun? Aus den Reihen von SPD, Grünen, FDP, Freien Wählern Kempen (FWK) und Linken hört man offiziell noch nicht viel in Sachen Kandidatensuche. Nach Informationen der WZ befinden sich einige Fraktionen aber schon im Austausch darüber, ob ein unabhängiger Kandidat die Unterstützung mehrerer Parteien finden könnte. Namen sind in diesem Zusammenhang aber reine Spekulation – und finden deshalb in dieser Analyse keinen Platz.

Grefrath: Einige rechnen
mit einer Überraschung

Wechseln wir in die Nachbargemeinde Grefrath. Dort arbeitet der parteilose Manfred Lommetz seit 2009 im Bürgermeisterbüro. Mit einem Erdrutsch-Sieg fegte er damals Herbert Kättner (CDU) aus dem Amt. 2015 wiederholte er seinen Erfolg gegen die chancenlose CDU-Kandidatin Kirsten Peters und den ebenfalls parteilosen Sozialamtsleiter Volkmar Josten.

2020 wird dann die zweite Amtsperiode von Lommetz enden. Und dann sollte die Verwaltungskarriere des Rechtsanwaltes auch eigentlich zu Ende sein. Zumindest hat Lommetz dies in den vergangenen Jahren immer wieder erwähnt. Zum Beispiel in einem WZ-Interview Anfang 2018: „Ich beabsichtige die Amtsgeschäfte 2020 geordnet an meinen Nachfolger oder meine Nachfolgerin zu übergeben.“ Mit dann 66 Jahren wolle er ab 2020 noch einmal als Anwalt arbeiten.

Inzwischen gibt es aber in der politischen Landschaft Grefraths nicht wenige, die mit einer Überraschung – also einer weiteren Kandidatur von Lommetz – rechnen. Das eine oder andere Thema, vor allem die Zukunft der Bäderlandschaft, brenne dem Bürgermeister noch auf den Nägeln, berichtet ein Insider. Lommetz selbst will sich momentan nicht zu seiner Zukunft äußern.

Auch in den Parteien Grefraths ist es noch ruhig. Zumindest öffentlich. Bei den vergangenen Wahlen wurde der parteilose Lommetz von SPD und Grünen unterstützt, die FDP hielt sich aus allem raus. Ob es in diesen Reihen nun eigene und vor allem aussichtsreiche Kandidaten gibt, ist fraglich.

Anders ist die Lage in der Mehrheitsfraktion CDU, in der sich in der Personalfrage aber noch alle bedeckt halten. Vor der Kandidatur von Kirsten Peters 2015 waren intern auch Parteichef Dietmar Maus und Eissportzentrums-Aufsichtsratsvorsitzender Christian Kappenhagen ein Thema. Möglicherweise sind sie das auch für 2020.

Willich: Bürgermeister
seit Ende der 90er-Jahre

Wir wechseln nach Willich. Dort ist Josef Heyes (CDU) seit 1999 Bürgermeister. Vieles deutet darauf hin, dass Heyes das Amt nach dem Herbst 2020 nicht mehr ausführen wird. Es wäre eine große Überraschung, wenn Heyes mit dann 72 Jahren noch einmal in den Wahlkampf ziehen würde. Er selbst kokettiert jedoch gerne damit, noch einmal anzutreten – so zum Beispiel in einem WZ-Interview Anfang 2018. „Konrad Adenauer ist 1949 mit 73 Jahren zum ersten Mal Bundeskanzler geworden – und blieb es bis 1963“, sagte er auf die Frage, ob er 2020 noch einmal antritt.

In den Reihen der Willicher CDU gibt man sich zum Thema noch entspannt. Schon vor etwa einem Jahr erklärte Parteichef Christian Pakusch gegenüber der WZ, dass in dieser Angelegenheit bis Dezember 2019 Klarheit herrschen müsse. An Spekulationen wollte und will sich CDU-Vorsitzender Pakusch daher nicht beteiligen.

Tönisvorst: Amtsinhaber hält sich bislang bedeckt

Bliebe noch die Stadt Tönisvorst im Bürgermeister-Kleeblatt der WZ-Analyse. In der Apfelstadt ist Jurist Thomas Goßen seit 2009 Bürgermeister. Damals wurde er mit vergleichsweise jungen 39 Jahren als CDU-Kandidat ins Amt gewählt. Seitdem führt der frühere Leiter des Tönisvorster Rechtsamtes die Verwaltung. Dass das in Tönisvorst nicht immer vergnügungssteuerpflichtig ist, zeigt der jüngste Streit mit Teilen des Stadtrates. Auch mit Mitgliedern „seiner“ Partei hatte Goßen in den vergangenen Jahren dann und wann seine Probleme. „Das ist halt Tönisvorst“, hört man in solchen Phasen immer von Insidern.

Deshalb wird in St. Tönis und Vorst immer mal wieder spekuliert, dass End-Vierziger Goßen oder gar die CDU für 2020 andere Pläne haben. Nach Informationen der WZ sind das aber nicht mehr als die üblichen Gerüchte. Goßen selbst sagt auf Anfrage, dass er Spaß an seinem aktuellen Job hat. Das Thema der Kandidatur 2020 sei aber derzeit für ihn kein Thema, so der Bürgermeister: „Auf der Agenda stehen viele wichtige Projekte, die ich gemeinsam mit den Kollegen in der Verwaltung und mit der Politik anschieben und umsetzen möchte.“

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