Meinung Knöllchen und die Kernfrage des Problems

Meinung · Knöllchen, die um 20.01 Uhr ausgestellt werden, und bei Falschparkern den Eindruck erwecken, man habe behördlicherseits nur den Veranstaltungsstart abgewartet, führen bei Verwarnten eher zur Verärgerung als zur Einsicht. Mit ihr beginnt aber das Umdenken. Ein Kommentar.

 WZ-Redakteurin Kerstin Reemen.

WZ-Redakteurin Kerstin Reemen.

Foto: Lübke, Kurt (kul)

Würden Sie jemanden auf Ihrem Vorgarten-Rasen parken lassen, weil er in der Umgebung partout keinen Parkplatz findet, aber pünktlich zum Konzert kommen möchte? Ich höre Ihr klares Nein.

So passiert es allerdings regelmäßig, wenn kulturelle Veranstaltungen im Forum Corneliusfeld stattfinden. Sind sie ausverkauft, werden dort 500 Gäste und mehr erwartet. Wenn gleichzeitig in der Sporthalle Spiele vor Publikum stattfinden oder eine Feier im Vereinsheim des Akkordeon-Orchesters ist, wird’s eng auf dem Parkplatz. Sehr eng. Zu eng. Und so wird in Eile, unüberlegt oder einfach, weil es andere auch so tun, auf dem Grünstreifen geparkt.

„Na, dann sollen die Zuschauer doch früher kommen“, sagen Sie? Ja, das wäre eine Möglichkeit für den einen oder anderen, auf einem befestigten Platz zum Stehen zu kommen. Aber die Lösung des Problems ist das nicht.

Rechnung: 500 und deutlich mehr Gäste und Nutzer kommen in 200 bis 220 Autos an: Auf dem Parkplatz gibt es allerdings nur 130 ausgewiesene Plätze plus 29, wenn die Busschleife zum Parken freigegeben wird, und plus 26 neu eingerichtete Plätze im hinteren Bereich Richtung Vereinsheime. Das reicht trotzdem nicht. Der Rasen sollte tabu sein, in einer Wasserschutzzone ist er es auf jeden Fall.

Aber was tun? Die Straßen des Viertels sind abends zugeparkt. Größere Parkplätze sind 300 bis 400 Meter entfernt. An sonnigen Tagen ein zumutbarer Fußweg, „Aber bei Regen? In Galakleidung?“ Ich verstehe Ihren Einwand. „Aber ein Drive-in-Konzert ist es ja auch nicht“, sagen andere.

Ein komplexes Problem braucht komplexe, kreative, manchmal auch unbequemere Lösungen. Kernfrage: Wie schafft man es, dass weniger Autos vorfahren? Eine Fahrgemeinschaften-Börse von Abonnenten, buchbare Shuttle-Verbindungen von zentralen Punkten der Stadt aus, Absperrband am Grünstreifen als Erinnerung... Verständnis für alle Seiten.

Knöllchen, die um 20.01 Uhr ausgestellt werden, und bei Falschparkern den Eindruck erwecken, man habe behördlicherseits nur den Veranstaltungsstart abgewartet, führen bei Verwarnten eher zur Verärgerung als zur Einsicht. Mit ihr beginnt aber das Umdenken.

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