Kollenburg fällt durch Verrat

Der Willicher Adelssitz wurde 1800 nach Plünderungen abgerissen. An ihn erinnert heute nur noch der Name der Ritterstraße.

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p class="text"><strong>Willich. Das ist fast vergessen: Im Gebiet der Stadt Willich hat es Burgen und Schlösser gegeben, von denen heute nur noch wenige erhalten sind. Wer etwas über die Kollenburg erfahren möchte, muss sich an Gerhard Vynhoven erinnern. Vynhoven, geboren 1596 in der Eicker Heide, war ein frommer Mann - und ein abenteuerlustiger dazu. I n Flandern studierte er Theologie, war in Anrath Vikar; 1621 wurde er zum Priester geweiht. Aber jenseits des tief hängenden Niederrhein-Horizonts lockte die Ferne: Und Vynhoven machte sich auf nach Palästina, um dort die Stätten der heiligen Schrift zu erforschen.

1628 kehrte er nach dreijährigem Aufenthalt als Ritter des Heiligen Grabes in die Heimat zurück. Vynhoven wurde Pfarrer in Osterath, floh von dort vor den Wirren des Dreißigjährigen Krieges und fand Unterschlupf als Feldprediger beim kaiserlichen General und Feldherrn Jan van Werth.

Im Herzen hatte er immer noch die Vorstellung, den Leuten am Niederrhein die biblischen Bilder nahe zu bringen. Zwischen 1655 und 1659 erbaute er auf der Eicker Heide eine Gandenkapelle, die die ersten und letzten Tage Christi anschaulich darstellt: Dem Besucher zeigen sich Nachbildungen des Kalvarienberges, wo Christus gekreuzigt wurde, und des Heiligen Grabes; aber auch die Geburtsgrotte zu Bethlehem kann besichtigt werden. Den Bürgern der Stadt Willich ist die Kapelle seit langem als "Klein-Jerusalem" bekannt.

Einen Tag später schon rückten die Willicher Schützen zur Rückeroberung an, wurden aber zurückgeschlagen. Erst als Soldaten und Geschütze, die sogar von Bonn herankamen, eine Beschießung und Belagerung durchführten, fiel die Kollenburg - aber ihre stolzen Burgmauern waren jetzt schwer beschädigt.

Ihre großen Tage waren dahin. 1758 noch einmal gründlich geplündert, verfiel das Anwesen und wurde um 1800 abgebrochen. Dass es hier einmal zu einer wichtigen Festung ging, verrät heute nur noch die Ritterstraße, die in Willich von einer alten Heerstraße, der Neusser Straße, abzweigt.

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