Kneipen-Charme bleibt erhalten

Der Umbau der Gaststätte Krücken in Willich geht auf die Zielgerade. Die Säle werden mit modernster Technik ausgestattet. Im Mai soll die Eröffnung gefeiert werden.

Willich. Willy Kerbusch ist ganz in seinem Element. „Du weißt doch: Auf meinen Baustellen gibt es keinen Urlaub“, sagt er schmunzelnd zu dem Handwerker, der in der Gaststätte Krücken an der neuen Bühnentechnik arbeitet, zuletzt aber ein paar Tage gefehlt hatte. Einen Zeitraum von sechs Wochen hat Kämmerer Kerbusch als Geschäftsführer der Willicher Grundstücksgesellschaft (GSG) für die Renovierung des Traditionslokals an der Peterstraße vorgesehen — fünf Wochen sind davon schon rum. Und der ehrgeizige Zeitplan scheint aufzugehen.

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„Hier haben zeitweise 34 Handwerker parallel gearbeitet“, berichtet Willy Kerbusch. Er selbst war regelmäßig vor Ort, um die verschiedenen Gewerke zu koordinieren. Pächter Horst Neven sei zudem „meine Augen und Ohren“ auf der Baustelle gewesen.

Foto: Friedhelm Reimann

Dachdecker, Schreiner, Elektriker, Installateure und Maler — sie alle gaben sich bei Krücken die Klinke in die Hand. Mittlerweile ist es aber schon deutlich ruhiger geworden: Neben dem Bühnentechniker — Licht und Ton sind künftig auf dem heutigen Stand — ist beim Besuch der WZ nur ein Handwerker zu sehen, der die neue Belüftungsanlage im großen Saal eingebaut hat.

„Wir haben versucht, hier den Charme der 60er Jahre zu erhalten“, betont Kerbusch. Dennoch hat sich vieles verändert: Eichen-Dielen wurden verlegt, die Bühne auf Wunsch der Vereine um 2,50 Meter nach vorne vergrößert. Unterhalb befinden sich jetzt „Garagen“ für die klappbaren Tische. An der Rückseite der Bühne wurde Stahlblech montiert, das die Nutzung als Schießanlage für das Schnüreschießen weiter ermöglicht. Das Blech ist hinter Türen versteckt.

Der neue, elektrisch verstellbare Vorhang fehlt noch. Ebenso die Leinwand, durch die im großen Saal zum Beispiel auch Public Viewing bei der kommenden Fußball-WM ermöglicht werden könnte. „Das wäre doch eine feine Sache“, meint Kerbusch.

Im großen Saal ist Platz für 180, im kleinen für 40 Menschen. Die Säle können zusammengelegt werden. Die neuen Stühle werden nächste Woche geliefert. „Sie sind stapelbar und aus Holz und Metall. Sitzfläche und Rückenlehne sind gepolstert“, verrät Kerbusch, der die Möbel höchstpersönlich ausgesucht hat. „Ich selbst kenne sie noch nicht“, verrät Neven.

Fertig sind die modernen, funktionalen Toiletten. „Zusätzlich werden wir eine Behindertentoilette anbauen. Dafür brauchen wir noch eine Baugenehmigung“, berichtet Kerbusch. Die Schallschutzwand auf dem Hof steht bereits. 25 Parkplätze werden eingerichtet.

Das eigentliche Lokal wird nur frisch gestrichen. Denn auch hier soll der alte Stil erhalten bleiben. Wird Horst Neven, dessen Pachtvertrag Ende des Jahres endet, auch in Zukunft hinterm Tresen stehen? „Ich gehe davon aus, dass er bis Ende 2019 weitermacht“, sagt Kerbusch — und Neven widerspricht ihm nicht.

Die erste Geburtstagsfeier im kleinen Saal hat schon stattgefunden. Und auch der Männergesangsverein probt dort bereits. „Die Resonanz bei den Gästen auf den Umbau ist unheimlich positiv“, berichtet Neven. Im Mai soll die durchsanierte Gaststätte mit einem „Tag der offenen Tür“ offiziell eröffnet werden — das genaue Datum steht noch nicht fest. Fest steht laut Willy Kerbusch aber: „Nach der Renovierung erhält Alt-Willich wieder einen Saal, der für 20 Jahre nutzbar ist.“ Ob er ein Erfolg wird, sei „eine Abstimmung mit den Füßen“.