Klimawandelanpassung in Willich Stadt will im Kampf gegen Schottergärten die nächste Stufe zünden

Willich · Schon seit langer Zeit verbietet die Landesbauordnung die sogenannten Schottergärten. Trotzdem gehören sie zum Stadtbild. Stadt Willich und Nabu wollen nun gemeinsam gegen die „Gärten des Grauens“ vorgehen.

 Die Zahl solcher Schotterflächen soll künftig deutlich reduziert werden.

Die Zahl solcher Schotterflächen soll künftig deutlich reduziert werden.

Foto: Sven Schalljo

(svs) Für die einen sind sie sichtbares Zeichen menschlicher Entfremdung von der Natur, für die anderen Domäne freiheitlicher Entscheidung von Hauseigentümern: die sogenannten Schottergärten. Die Landesbauordnung verbietet sie seit dem vergangenen Jahr sogar ausdrücklich. „Tatsächlich ist der Passus in der alten Formulierung ohne die spezifische Präzisierung, der aber nicht weniger gültig war, bereits seit 1962 Teil der Landesbauordnung“, erläutert Kerstin Wild, Geschäftsbereichsleiterin Stadtplanung.

Sie stellte am Donnerstag dem Umweltausschuss ein Anschreiben vor, mit dem die Stadt nun aktiv vorgehen will. Dieses weist einerseits auf die Gesetzeslage hin, reicht den Bürgern aber zugleich die Hand, denn der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und die diplomierte Gartenbauingenieurin Doris Wagner haben sich angeboten, zu Beratungsgesprächen zur Verfügung zu stehen. Die Stadt will nun gemeinsam mit dem Nabu sukzessive die Stadtteile abfahren und Inhaber von Schottergärten Briefe einwerfen, die zum Umdenken bewegen sollen.

Die Vertreter der politischen Parteien im Ausschuss zeigten sich denn auch sehr angetan von der Initiative. „Wir finden die Herangehensweise sehr gut. Die CDU begrüßt, dass die Stadt auf betroffene Eigentümer zugeht und auch Hilfe anbietet und Anreize schafft. Für das private Engagement des Nabu und von Frau Wagner sind wir sehr dankbar, das vermeidet Kosten bei Stadt und Eigentümern. Wir hoffen, dass sich damit das Ärgernis der Schottergärten deutlich reduziert“, betonte Markus Fliege für seine Fraktion.

Allerdings regte er an, das Anschreiben etwas zu modifizieren. „Ich denke, es wäre besser, das Angebot an die Spitze zu stellen und den Verweis auf die Gesetzeslage, der auch als implizite Drohung verstanden werden kann, erst dahinter zu setzen. Aber am Ende vertraue ich hier der Verwaltung“, betonte er. Diesem Statement schlossen sich die Vertreter der anderen Fraktionen mehr oder minder explizit an. Speziell Winfried Poetsch für die Grünen stützte den Vorschlag. Johannes Hafermann betonte für die SPD, er freue sich über die Zusammenarbeit mit dem Nabu. „Ich hoffe, dass damit dieses ewige Thema, das uns seit Jahren immer wieder beschäftigt, einmal dauerhaft gelöst wird“, sagte er.

Jack Sandrock, der Vorsitzende des Nabu in Willich, freute sich über das Lob. „Es ist toll, dass das hier so positiv gesehen wird. Wir wollen nun stadtteilweise gemeinsam die Straßen abgehen, die Briefe einwerfen und mit den Leuten ins Gespräch kommen. Wir hoffen, so die vielen Schottergärten sukzessive beseitigen zu können“, betonte er. Willich will weiterhin auf Einsicht setzen, nicht in erster Linie auf Druck.

(svs)