Kirchplatz-Anwohner klagen über Flut von Strafzetteln

Eine Lösung für die Knöllchenflut ist nicht in Sicht.

St. Tönis. Susanne Bürschkes-Bröcking lebt seit knapp zwei Jahren mit ihrer Familie am Kirchplatz. In dieser Zeit hat sie eine stattliche Sammlung angehäuft. Leider handelt es sich dabei weder um wertvolle Briefmarken noch um alte Münzen. Ihre Sammlung besteht vielmehr aus Knöllchen, die ihr Mitarbeiter des Tönisvorster Ordnungsamtes hinter den Scheibenwischer geklemmt haben.

„Jede Woche ein bis zwei davon sind schon drin“, sagt Susanne Bürschkes-Bröcking. Denn am Kirchplatz und den angrenzenden Straßen gebe es eine Parkscheibenregelung. Und die gelte leider auch für Anwohner.

In anderen Städten, sagt die St. Töniserin, gebe es Regelungen, die Anwohner von der Parkscheiben- oder Parkscheinpflicht zu befreien. Nicht so in St. Tönis. „Alle Nachbarn regen sich auf, denn die Situation gab es schon lange, bevor ich hierher gezogen bin.“ Doch man sei völlig machtlos: „Ich habe mich sogar schon beim Bürgermeister beschwert, doch der hat gesagt, da könne er nichts machen.“

Sie selbst arbeitet bis am späten Abend an der Tankstelle und hat eine ganze Weile am frühen Morgen Zeitungen ausgetragen. Wenn sie dann in der Dunkelheit nach Hause komme, könne sie schlecht am Pastorswall parken: „Dort gehe ich nicht zu Fuß, das ist mir um diese Zeit zu gefährlich.“

Auch ein anderer Anwohner sieht das ähnlich: „Das ist ein ständiger Kampf“, sagt er. Eine Lösung des Problems sieht er nicht: „Es gibt einfach nicht genug Parkplätze.“ Neben den Anwohnern buhlen noch Mitarbeiter und Besucher von Arztpraxen und Betrieben um die wenigen Plätze. Not macht erfinderisch, und so wird an allen nur möglichen Stellen geparkt — mit den bekannten Folgen: Knöllchen. Und es kommt noch ein Problem hinzu, sagt der Anwohner: „Die Navis führen Gäste des Mertenshofs immer zum Haupteingang. Deshalb kurven die dann immer um den Kirchturm, um dort einen Parkplatz zu finden.“

Da die Parkreglungen schon seit Jahren gelten, gebe es in dieser Sache keine gehäuften Beschwerden bei der Stadt, sagt Ordnungsamtsleiter Wolfgang Schouten. „Man kann ja dort parken, aber nicht dauerparken“, sagt Schouten. Dies sei auch politisch und vom Werbering so gewollt, um auch Besuchern der Stadt einen Parkplatz in der Innenstadt anbieten zu können. Und diese Regelung werde von den Mitarbeitern des Ordnungsamtes auch entsprechend kontrolliert. Andere Parkplätze, zum Beispiel am Pastorswall, seien gut zu erreichen.

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