Neersen : Das junge Königshaus ist männlich

Weil das „große“ Königshaus aus Frauen besteht, führen drei Jungen die Kinderschützen.

Schützenkönigin Anika Kloeters war zufrieden: Sascha hatte ein Porträt von ihr mit schnellen, gekonnt gesetzten Strichen gefertigt. Sie dürfte auch mit dem diesjährigen Kinderschützenfest zufrieden gewesen sein. Der Schnellzeichner war nicht die einzige Neuheit, und das Wetter spielte mit – kein Wunder, dass die Traditionsveranstaltung der Neersener St. Sebastianer gut besucht war. Und zum ersten Mal seit einigen Jahren nahm Bürgermeister Josef Heyes am Sonntagnachmittag die Krönung des Kinderkönigspaares höchstpersönlich vor.

Eine weitere Premiere und eine gute Idee: Auf der Kirmeswiese gab es einen Trödelmarkt mit allem, was in den Kinderzimmern entbehrlich geworden ist. War der Kreis der Aussteller am Samstag noch sehr überschaubar, so sollte sich das Angebot am Pfingstsonntag schlagartig vergrößern – und es mangelte nicht an der entsprechenden Nachfrage.

Das Reiten auf der Tigerente war eine Geschicklichkeitsprüfung

Alexandra Suffner und Cornelia Beck hatten sich als Organisatorinnen einiges einfallen lassen: So gab es zum ersten Mal ein „Entenrodeo“. Die Herausforderung für die jungen Besucher: Sie mussten versuchen, sich möglichst lange auf der Tigerente halten, die aber irgendwann jeden noch so mutigen Reiter abwarf. Am Sonntagabend stellte sich heraus, dass die Ente ein Etikettenschwindel war: Sie war eigentlich ein Bulle, und bevor die Attraktion abgebaut wurde, versuchten die Erwachsenen noch schnell, sich nicht abwerfen zu lassen, was natürlich nicht gelang.

Da Neersen aktuell ein reines Frauenkönigshaus hat, tritt – sozusagen als Gegengewicht – das Kinderkönigshaus in diesem Jahr bewusst ohne Mädels auf: Kinderkönig Noah Suffner und seine Ritter Joshua Suffner und Simon Stieger standen am Sonntagnachmittag im Mittelpunkt, als kein Geringerer als Bürgermeister Josef Heyes sie krönte. Aber es blieb wenig Zeit, das Königsgefühl auszukosten, weil die großen und kleinen Majestäten für die Besucher da waren. Kinderschützenkönig Noah Suffner beispielsweise hatte seinen Platz am Erbsenspiel: Durch einen durchsichtigen Schlauch schossen Erbsen auf das Spielfeld, die dann blitzschnell mit einem Hammer plattgehauen werden mussten. Neben vielen neuen Spielen wie eben dem Erbsenspiel gab es einen Klassiker, das Kinderschminken: Valeska Busch und Dunja Stolarski verwandelten Kindergesichter unter anderem in „Regenbogentiger“. „Krrrrr“: Das Glücksrad drehte sich, Präsident Robert Brintrup warb mit folgendem Slogan: „Es gibt keine Nieten, nur Gewinner.“

Er freute sich über die gute Resonanz: „Das neue Konzept hat sich bewährt. Gut ist auch, dass wir erstmals bei Instagram sind.“ Schatzmeister Dieter Jinkertz lobte das Engagement der Schützen: „Rund 50 sind heute im Einsatz.“ Zum Schluss drohte noch eine kleine Enttäuschung: Die amerikanische Versteigerung eines Fußballs mit allen Unterschriften der Spieler von Borussia Mönchengladbach und eines Käppis lief zunächst sehr zäh an. „Wer hat noch nicht, wer will nochmal?“: Jürgen Leipertz gab alles als Auktionator, das Geld wurde in zwei großen grünen Eimern eingesammelt – und zum Schluss sollten dann doch recht stattliche 139 Euro zusammenkommen. Ball und Mütze gingen an Ina Scheuren: „Ich bin ein großer Fan der Gladbacher Borussen, der Ball wird bei mir einen schönen Platz bekommen“, freute sich die 25-Jährige.

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