Kaspar, König und Hund Heinrich

Seit 15 Jahren gibt es das Kaspertheater Zipfelmütze. Neun Spieler und 30 Figuren gehören dazu.

St. Tönis. Familie Zipfelmütze wird immer größer. Ihr Ältester, der Kasper, ist 15 Jahre alt. Jüngstes Mitglied ist Heinrich, der Hund. Er stieß im vergangenen Jahr zur Familie. Das heißt — so kann man das eigentlich nicht sagen. Denn Heinrich ist da, weil Claudia Ludwig es so wollte. Kumpanei für Esel und Mondkalb sozusagen. Wenn Sie nun denken, „was für ein Theater“, haben Sie ins Schwarze getroffen: Unter die Kaspertheater-Zipfelmütze passen Claudia Ludwig, Puppenspielerin der ersten Stunde, acht weitere Mitspieler, darunter Ludwigs 17-jähriger Sohn, und Kasper, Heinrich sowie 28 weitere Pappmachéefiguren.

Seit 15 Jahren geben St. Töniser ihnen Stimmen und Charakter in Stücken für Kindergartenkinder zwischen zwei und fünf Jahren. „Ein Stück pro Jahr“, ist Anspruch und Auftrag zugleich. „Wir nehmen Stücke aus Büchern und arbeiten sie um. Aber die Gema-Gebühren müssen trotzdem bezahlt werden“, sagt Claudia Ludwig. Das Geld buttern die Puppenspieler in ihr Hobby, neben der Zeit, die das Proben verschlingt.

Claudia Ludwig kümmert sich um die Figuren, fertigt sie aus Pappmachée, „damit sie nicht so schwer sind. Gut und dick überlackiert, haben sie eine gute Festigkeit.“ Der Kasper, immerhin schon seit 15 Jahren im Einsatz, ist bestes Beispiel dafür. „Ewig jung und immer noch ohne Brille.“ Er und Claudia Ludwig sind ein eingespieltes Team. „Den Kasper spreche ich.“ Das hat einen guten Grund: Denn wer den Kasper auf dem Finger hat, muss flexibel sein, improvisieren: „Die Kinder gehen in den Geschichten mit. Sie rufen und fragen und da muss man schon mal antworten oder - was schwieriger ist, aber manchmal notwendig — die Zwischenrufe überspielen.“ Dieses Maß an Spontanität überlassen die Mitspieler gerne der Chefin.

Natürlich hat die Theatergruppe, die seit 15 Jahren besteht und sich 2006 selbstständig gemacht hat, die klassischen Kasperfiguren im Repertoire: König, Prinzessin, Wachtmeister und Räuber. Die Hexe mischt auch mit. Und dann gibt es da noch den Seeräuberkapitän mit Goldzahn und Ring in der Nase.

„Der muss ja zum Fürchten aussehen“, lacht Claudia Ludwig, die selten vorher weiß, wie genau eine Figur nach Fertigstellung aussieht. Vor allem „weibliche Köpfe sind schwierig“, obwohl die doch, was Frisur und Gesicht angeht, gar kein Mitspracherecht haben. Publikumslieblinge sind Esel, Mondkalb und Heinrich, der Hund.

Wer sie live erleben und — das ist auch ein Zipfelmützen-Erfolgsrezept — „hinter den Kulissen“ aus nächster Nähe ansehen möchte und sogar anfassen kann, muss sich gedulden. „Leider spielen wir in diesem Jahr nicht beim Tag des Kinder“, bedauert Claudia Ludwig. Terminschwierigkeiten innerhalb des Ensembles. Am 4. Dezember taucht der Kasper in einer Krefelder Kita auf. Mit der großen Zipfelmützen-Familie.

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